Praxiswertermittlung

Praxisverkauf: Was für die Praxisbewertung wirklich relevant ist

Für viele Ärzte und Zahnärzte, die eine Praxis verkaufen oder übernehmen wollen, sind Bewertung und Findung des Transferpreises ein Buch mit sieben Siegeln. Wir erklären, worauf es bei der Praxiswertermittlung wirklich ankommt und was sie von der Preisberechnung bei einem normalen Unternehmen unterscheidet.

Mehr als die Hälfte der Existenzgründungen von Ärzten bezieht sich auf die Übernahme einer Arztpraxis oder Zahnarztpraxis. Bei 80 Prozent der Finanzierung von Einzelpraxen wurden bereits bestehende Arztpraxen übernommen. Nur knapp ein Fünftel der Praxisgründungen erfolgte an einem neuen Standort. Das Verhältnis von Übernahmen zu Neugründungen ist nicht zuletzt auf die Zulassungsbeschränkungen in der Bedarfsplanung zurückzuführen. Eine Übernahme hat den Vorteil, dass man einen bereits gut laufenden Betrieb übernimmt. Allerdings schlägt sich das auch im Praxiswert und damit im Kaufpreis nieder. Der bisherige Praxisinhaber möchte nicht nur Geräte und Praxis abgelöst haben, sondern auch einen Gegenwert für seine bisherige Arbeit. Auch deshalb ist es leider nicht so einfach, den genauen Praxiswert zu ermitteln.

Besonderheiten bei der Ermittlung des Praxiswerts

Arzt- und Zahnarztpraxen sind Dienstleistungsbetriebe besonderer Art. Sie sind personengebunden und deshalb auf einer intakten Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patienten begründet. Das macht die Praxiswertermittlung so kompliziert. Es reicht nicht aus, die materiellen Werte sowie Umsatz und Gewinn in die Praxisbewertung einfließen zu lassen. Auch der sogenannte Goodwill ist ein wichtiger Teil des Praxiswerts. Egal, welche Methode angewendet wird: Nicht nur der materielle, sondern auch der ideelle Praxiswert sind beim Verkauf bares Geld wert.

Erste Schritte der Praxiswertermittlung

Entscheidend für die Ermittlung des Geldwertes einer Arztpraxis bzw. Zahnarztpraxis ist ihr aktueller Verkehrswert:

  • Der Praxis-Gesamtwert umfasst den wirtschaftlich selbstständigen Praxisbetrieb, umschließt also die vertrags-, privat- und gegebenenfalls belegärztliche sowie gutachterliche Leistung des Arztes. Allerdings ist nicht jeder Aspekt für den Käufer relevant. Schließlich nimmt er die Kompetenz des aktuellen Praxisinhabers nicht mit. Daher können nicht alle Werte in die Ermittlung des Preises eingebucht werden.
  • Der Substanzwert umfasst die Bewertung sämtlicher Wirtschaftsgüter im Anlageverzeichnis der Praxis. Hierzu zählen die Praxiseinrichtung einschließlich medizinisch-technischer Geräte, EDV, Büroausstattung, Sprechstundenbedarf sowie die Ein- und Umbauten. Hier geht man also genauso vor, wie in einem „normalen“ Unternehmen.
  • Ideeller Wert bzw Goodwill: Bewertung des Praxis-Renommees im Verhältnis zur regionalen „Konkurrenz“; Berücksichtigung des Patientenstamms und Leistungsfähigkeit der Arztpraxis. Er wird ertragswertorientiert ermittelt. Dabei sollen die Umsatz- und Kostenstruktur der Praxis sowie das „alternative“ Arztgehalt berücksichtigt werden. Entscheidend ist der nachhaltig erzielbare Gewinn in einem begrenzten Prognosezeitraum. Es muss eine realistische Schätzung geben, wie viele der Patienten in der Praxis blieben werden.

Was bei der Praxisbewertung individuell betrachtet werden muss

Als übertragbaren Umsatz (auf den Erwerber einer Arztpraxis) definiert die Bundesärztekammer den durchschnittlichen Jahresumsatz der letzten drei Kalenderjahre in der Praxis. Hierzu zählen alle Honorare aus vertrags- und privatärztlicher Tätigkeit sowie sonstige berufliche Einnahmen. Diese sind um nicht übertragbare Umsatzanteile zu bereinigen; etwa Umsätze, die an die Person gebunden sind, wie Gutachter-, Belegarzt-, betriebsärztliche Tätigkeit, Abrechnungsgenehmigungen. Der bereinigte Nettoumsatz ist der durchschnittliche übertragbare Jahresumsatz und damit relevant für die Praxisbewertung.

Berechnung muss Kosten berücksichtigen

Die zu erwartenden Praxiskosten berücksichtigen die durchschnittlichen Praxiskosten der letzten drei Jahre. Der Wert wird bei der Berechnung um nicht übertragbare, kalkulatorische und künftig entstehende Zusatzkosten gemindert. Kalkulatorische Kosten sind Abschreibungen und Finanzierungskosten sowie unangemessen hohe oder niedrige Mitarbeitergehälter.

Beim künftigen Gewinn nach der Praxisabgabe wird der bisher erzielte übertragbare Umsatz berücksichtigt, reduziert um die übertragbaren Praxiskosten. Es handelt sich dabei um Gewinn vor Steuern. Vom übertragbaren Gewinn ist ein (theoretisches) Arztgehalt abzuziehen (Bruttogehalt eines Klinikoberarztes, 2012: 85.000 Euro). Der Goodwill wird als Ergebnis unter Zugrundelegung des Prognosemultiplikators ermittelt. Der beträgt bei Einzelpraxen zwei, bei Gemeinschaftspraxen, Partnergesellschaften und MVZ 2,5 Jahre.

Künftiger Ertragswertfür die Praxiswertermittlung

Der frühere Bezug auf den Praxisumsatz zur Bewertung der Arztpraxis ist inzwischen obsolet. Heute muss die ertragsorientierte Bewertungsmethode im Mittelpunkt stehen, bei der sämtliche Kosten prospektiv berücksichtigt werden. Um den Wert einer Praxis zu ermitteln, ist ausschließlich der künftige Ertragswert preisrelevant.

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