Krebs-OPs: Mindestmengen halbieren Zahl der operierenden Kliniken
Marzena SickingSteigende Mindestmengen für komplexe Operationen verlagern Eingriffe zunehmend in spezialisierte Kliniken – das zeigen neue Daten des AOK-Qualitätsmonitors für 2024.
Die schrittweise Einführung und Anhebung von Mindestmengen für komplexe Operationen hat die Krankenhauslandschaft in Deutschland messbar verändert. Das belegen aktualisierte Daten des Online-Portals „Qualitätsmonitor" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für das Jahr 2024.
Speiseröhre und Lunge: stärkste Konzentration auf wenige Standorte
Besonders ausgeprägt ist der Konzentrationsprozess bei Speiseröhren-Operationen: 2020 fanden noch mehr als die Hälfte aller Eingriffe (54,4 Prozent) in Kliniken statt, die die heute geltende Mindestmenge von 26 Fällen pro Jahr nicht erfüllten. 2024 waren es nur noch 15 Prozent. Die Zahl der beteiligten Krankenhäuser halbierte sich von 271 auf 134 Standorte, die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 17 auf 31.
Auch bei Lungenkrebs-Operationen ist der Rückgang deutlich: Der Anteil der Fälle in Kliniken unterhalb der Mindestmenge sank von einem Drittel (2020) auf 12 Prozent (2024). Die Zahl der operierenden Standorte ging von 372 auf 294 zurück, die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 49 auf 71.
Brustkrebs und Bauchspeicheldrüse: mehr als 20 Prozent weniger Kliniken
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Als bevorzugte Quelle auswählenBei Brustkrebs-Operationen sank die Zahl der beteiligten Kliniken zwischen 2020 und 2024 um mehr als 20 Prozent – von 575 auf 449 Standorte. Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik erhöhte sich von 122 auf 166. Der Anteil der Patientinnen, die in Kliniken mit weniger als 100 Fällen pro Jahr operiert wurden, fiel von 15,2 auf 9,6 Prozent.
Bei Bauchspeicheldrüsen-Operationen sank die Zahl der versorgenden Kliniken um rund ein Viertel – von 479 auf 364 Standorte. Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die in Kliniken unterhalb der Mindestmenge operiert wurden, ging von 21,1 auf 10,2 Prozent zurück.
„Die Mindestmengen sind ein wirksames Instrument zur Bündelung von Krankenhausleistungen an geeigneten Standorten", erklärte Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO. Durch weitere Anhebungen seien in den kommenden Jahren zusätzliche Konzentrationsprozesse zu erwarten.
Krebsoperationen in zertifizierten Zentren: Steuerung stagniert
Weniger Fortschritte verzeichnet der Qualitätsmonitor bei der Verlagerung von Krebsoperationen in zertifizierte Zentren. Der Anteil der Brustkrebs-Operationen in nicht zertifizierten Krankenhäusern stagniert seit 2023 bei 11 Prozent – 2024 wurden 8.255 Patientinnen außerhalb zertifizierter Zentren operiert. Eine Ausnahme bildet Sachsen-Anhalt, wo der Anteil von 27 Prozent (2023) auf 12 Prozent (2024) zurückging.
Bei Lungenkrebs wurden 2024 insgesamt 57 Prozent der Fälle in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren behandelt – gegenüber 51 Prozent im Jahr 2020 nur ein leichter Anstieg. Schröder forderte die Länder auf, die Zentralisierung weiter voranzutreiben: Zertifizierte Zentren müssten neben Fallzahlvorgaben zahlreiche weitere Qualitätskriterien erfüllen und böten nachweisliche Überlebensvorteile.
Qualitätsmonitor: Daten zu sechs Indikationen und Klinikvergleich abrufbar
Der Qualitätsmonitor des WIdO ermöglicht Auswertungen zu sechs Indikationen – darunter Herzinfarkt, Brustkrebs, Lungenkrebs, Schenkelhalsbruch sowie komplexe Eingriffe an Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre – mit regionalen Vergleichen und Daten zu einzelnen Kliniken. Das Portal ist unter qualitaetsmonitor.de abrufbar.