Entlastung für Krankenhäuser

Notaufnahme und Bereitschaftsdienst: Endlich verstehen Patienten den Unterschied

Überfüllte Notaufnahmen, Patienten in der Warteschleife: Obwohl die geplante Reform zur Notfallversorgung wegen der Corona-Pandemie auf Eis liegt, hat sich das Bild verändert: Der Bereitschaftsdienst ist populärer geworden, die Notaufnahmen werden nicht mehr so stark durch Bagatellerkrankungen belastet.

forsa-Umfragen im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse bestätigen: Nur noch jeder Vierte würde mit einer nicht lebensbedrohlichen Erkrankung die Notaufnahme im Krankenhaus aufsuchen. Fast jeder Zweite würde sich außerhalb der Praxisöffnungszeiten stattdessen an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. 2019 wäre noch jeder Dritte lieber in eine Notfallambulanz gegangen, nur 29 Prozent hätten den Patientenservice kontaktiert.

Der Grund: Der Bereitschaftsdienst hat durch die Corona-Krise deutlich an Bekanntheit zugelegt. Mittlerweile haben 88 Prozent der Deutschen schon einmal davon gehört oder gelesen, und fast jeder Dritte kann die Nummer 116 117 korrekt angeben. Zwei Jahre zuvor war nur rund jeder Siebte dazu in der Lage.

Mit Corona lieber ins Krankenhaus

Geht es allerdings um Corona, halten viele Menschen das Krankenhaus dennoch für die bessere Wahl: Insgesamt 30 Prozent würden bei einem Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus lieber die Notaufnahme aufsuchen, obwohl sie schon einmal vom ärztlichen Bereitschaftsdienst gehört haben oder sogar die Telefonnummer 116 117 korrekt angeben können.

In der Notaufnahme medizinisch besser versorgt?

Auch hinsichtlich der Gründe für den Besuch in der Notaufnahme haben sich die Prioritäten seit der Corona-Krise verschoben: So gibt aktuell nur noch rund ein Viertel der Befragten an, sich dort medizinisch besser versorgt zu fühlen als in einer Arztpraxis. 2019 sagten dies hingegen noch fast doppelt so viele Umfrageteilnehmer. In Pandemiezeiten geht außerdem nur noch jeder Zehnte in die Notaufnahme, weil er dort sofort Hilfe erhält, ohne vorher einen Arzttermin vereinbaren zu müssen. 2019 argumentierte so noch ein Viertel der Befragten. Dies spricht dafür, dass seit der Krise weniger Menschen zum Arzt gehen als zuvor – offenbar auch aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus.

Auch folgende Umfrageergebnisse bestätigen dieses Bild: Von denjenigen, die seit März 2020 trotz gesundheitlicher Beschwerden nicht in der Notaufnahme waren, sagt zwar die große Mehrheit, später doch noch eine Arztpraxis kontaktiert zu haben. Allerdings geben auch knapp 60 Prozent der Befragten an, die Beschwerden ohne eine Behandlung ausgehalten zu haben. Gut die Hälfte hat sogar versucht, sich stattdessen selbst zu behandeln.

Notaufnahme oder Bereitschaftsdienst?

112 bzw. Notaufnahme: Bei Lebensgefahr, sehr starken Schmerzen, Herzbeschwerden sowie schweren Verletzungen und Atemnot. Auch bei sehr starken bis unerträglichen Bauchschmerzen ist ein Besuch im Krankenhaus oder ein Anruf beim Rettungsdienst unter 112 angezeigt, denn möglicherweise handelt es sich um eine Blinddarmentzündung, einen Darm- oder Magendurchbruch. Auch bei Taubheitsgefühlen sollten Patienten lieber auf Nummer sicher gehen.

116 117 bzw. Notfallpraxis: Bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag oder bis nach dem Wochenende warten kann, etwa bei anhaltendem Brechdurchfall, hohem Fieber oder starken Bauchschmerzen. Das Personal des ärztlichen Bereitschaftsdienstes berät die Anrufer und vermittelt die nächstgelegene ambulante Notfall- bzw. Bereitschaftspraxis. Außerdem erfahren Patienten dort alles rund um das Corona-Virus, unter anderem wie bei einem Verdacht auf eine Infektion vorzugehen ist und wie die Impfung abläuft.

Notaufnahme

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