ICD-Kodierung

Nicht nur COVID-19: Akute Infekte der oberen Atemwege mit ICD J06.9 g kodieren

Nicht nur in Zusammenhang mit COVID-19 brauchen Ärzte die Kodierung J06.9. Sie bezeichnet die am häufigsten diagnostizierten Krankheiten der oberen Atemwege. Damit lassen sich auch Erkrankungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus kodieren.

Der Winter ist die typische Zeit für Erkältungen und grippale Infekte. Während der Erkältungssaison gehört die Kodierung J06.9 g zu den am häufigsten abgerechneten Behandlungsfällen. Sie steht für die akute Infektion mehrerer oder nicht näher bezeichneter Lokalisationen der oberen Atemwege und ist die am häufigsten diagnostizierte Infektion.

Warum J06.9 g die am häufigsten gestellte Diagnose ist

Natürlich hat es seinen Grund, warum die Diagnose J06.9 g am häufigsten ist. und vor alle, häufiger als ein normaler Schnupfen in der Abrechnung vorkommt. Immer dann, wenn ein Arzt oder eine Ärztin bei einem gesetzlich Versicherten eine Leistung abrechnen will, muss die Diagnose nach der deutschen Version des Klassifikationssystems ICD-10 GM angegeben werden. Dabei tauchen weder die akute Sinusitis, noch die akute Pharyngitis oder andere  spezifizierte akuten Infekte, die mit J01.- bis J05.- kodiert werden, unter den Top-30 auf – im Gegensatz zur J06.9 g. Warum ist diese Kodierung aber häufiger als der Erkältungsschnupfen, der mit J00 kodiert wird? Ganz einfach: Wer geht schon wegen eines banalen Schnupfens zum Arzt?

Was ist an ICD J06.9 g besonders?

Zum einen ist die Kodierung J06.9 auf die Krankheiten der oberen Atemwege beschränkt. Eine akute Infektion der Atemwege ohne Differenzierung in obere und untere wird mit J22.- kodiert. Eine reine Tonsillitis sieht der Arzt selten, und mit reinem Erkältungsschnupfen geht selten ein Patient zum Arzt. Das bedeutet, dass die J06.9 g kodiert wird, wenn der Patient oder die Patientin, neben dem Erkältungsschnupfen zum Beispiel eine Sinusitis oder eine Pharyngitis hat. Da die Atemwege ein zusammenhängendes System sind, stellt sich schnell ein Infekt an mehreren Lokalisationen ein. Damit erübrigt sich die Kodierung von J00 und J02.9 für Erkältungsschnupfen und nicht näher bezeichnete akute Pharyngitis, und es wird J06.9 g kodiert.

Fallstricke beim ICD-Code J06.9

Letzten Winter war dies noch einfacher. Da gab es die akute Infektion der oberen Atemwege (ICD J06.9) und ganz selten einen Patienten oder eine Patientin mit Influenza (J09.- – J11.-). Da die Klinik der Influenza mit schlagartigem massivem Temperaturanstieg so eindeutig ist, wurde normalerweise kein Virusnachweis gemacht und mit J11.- kodiert, was Grippe ohne Virusnachweis bedeutet.

Diesen Winter ist es schwieriger: Mit SARS-CoV-2 ist ein neuer Player im Spiel, der nach bisherigem Wissen überwiegend über Aerosole übertragen wird. Wenn es nicht gelingt, die COVID-19-Fälle zu isolieren, bis sie nicht mehr infektiös sind, ist ein gesundheitliches Desaster absehbar. Das ist ganz einfach damit zu erklären, dass es etwas Anderes ist, ob von 500 nachweislich Infizierten jeder einen weiteren Menschen infiziert oder aber von 15.000 Infizierten. Dementsprechend wird nach den Vorgaben des Robert Koch-Institutes (RKI) getestet. Aktuelle Regelungen finden sich auf der Homepage des RKI.

Testdokumentation der COVID-19-Labortests

Der COVID-19-Labortest wird mit U99.0G kodiert. Ein negatives Testergebnis wird mit U07.2G kodiert und ist nur nach Kontakt mit nachweislich positiv getesteter Person oder nach Hinweis auf gehäufte Pneumonien in Altenheimen oder Krankenhäusern nötig. Ein positiver Test wird mit U07.1G kodiert.

Abrechnung der J06.9 g

Die wichtigste Information zur EBM-Abrechnung betrifft die Laborbefreiungsnummer. Die 32006 muss bei Testung nicht mehr angegeben werden, damit das Laborbudget nicht belastet wird. Die sonstige Abrechnung erfolgt wie üblich, nur für die Testung sollte man regelmäßig die Homepage der KBV aufsuchen, da sich häufiger Änderungen ergeben. Bis zum 31. März 2021 kann bei der Diagnose eines akuten Infektes der oberen Atemwege (ICD-Schlüssel J06.9G) eine telefonische Krankschreibung (AU) erfolgen, die einmal verlängert werden darf. Ohne weiteren direkten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal wird die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 abgerechnet sowie die Sondernummer 88112. Die Gesundheitskarte muss dafür nicht eingelesen werden.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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