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Sind Sie der Typ, der frühmorgens munter aus dem Bett springt? Oder gehören Sie zu den Menschen, die abends zur Höchstform auflaufen? Die Einteilung in die beiden Chronotypen „Lerche“ und „Eule“ wurde viele Jahre als gegeben angesehen, doch ein kanadisch-norwegisches Forscherteam stellte diese Annahme auf den Prüfstand – mit erstaunlichen Ergebnissen, wie die Ende letzten Jahres in „nature commmunications“ veröffentlichte Studie „Latent brain subtypes of chronotype reveal unique behavioral and health profiles across population cohorts“ zeigte. Denn die Wissenschaftler entdeckten gleich fünf Subtypen.

Sie entwickelten dafür ein KI-gestütztes Analyseverfahren, das drei bildgebende Verfahren des Gehirns mit Verhaltens- und Gesundheitsprofilen von 27.030 Teilnehmern der UK Biobank integrierte. Zudem erfolgte eine externe Validierung an 10.550 US-amerikanischen Kindern aus der ABCD-Studienkohorte, die die geschlechtsspezifischen Gehirn-Verhaltensmuster bestätigten. Am Ende kristallisierten sich beim Blick auf die Gehirn-, Verhaltens- und Gesundheitsprofile fünf Chronotyp-Subtypen heraus.

Subtyp 1: Risikofreudiger und leistungsstarker Nachtmensch

Er gehört zu den Nachteulen und fällt durch riskante Lebensgewohnheiten, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, aber auch eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit auf. Die Detailanalyse ergab: Dieser Subtyp lebt häufiger mit Kindern zusammen, ist oft am Handy, fährt schnell Auto, raucht – auch Cannabis – und trinkt gern Alkohol. Gleichzeitig schnitten diese Nachtmenschen in Tests zu Reaktionsgeschwindigkeit, logischem Denken und Zahlenverarbeitung besser ab als andere Subtypen. Außerdem kam es bei diesem Subtyp häufiger zu Schwangerschaftskomplikationen wie Geburtstrauma, abnorme Wehen und Fehlgeburten.

Auf der psychischen Ebene traten öfter Reizbarkeit, manieähnliche Stimmungslagen, Müdigkeit und Frustration auf. Interessant war zudem ein biologischer Befund: Die Vitamin-D-Werte lagen im Schnitt niedriger – ein Hinweis auf geringere Sonnenexposi­tion bei Personen mit ausgeprägtem Nachtaktivitätsmuster.

Subtyp 2:  Der Nachtaktive mit erhöhtem Risiko für Depression und Bluthochdruck

Menschen mit diesem Subtyp zeigen ein deutlich nachtaktives Verhalten – verbunden mit ungesünderen Lebensgewohnheiten und einem erhöhten Risiko für psychische und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Auswertung ergab, dass dieser Subtyp häufiger raucht, mehr Zeit am Computer verbringt und später aufsteht. Zudem zeigte sich ein Zusammenhang mit geringerem Einkommen, wenig körperlicher Aktivität und seltener Mitgliedschaft in Sportvereinen.

Auch medizinisch ist das Profil auffällig: Bluthochdruck, zerebrovaskuläre Erkrankungen und die Einnahme entsprechender Medikamente kamen öfter vor. Ebenso korrelierte dieser Subtyp mit erhöhten Blutzuckerwerten. Parallel dazu fanden sich Zusammenhänge mit chronischer Bronchitis und Lungenentzündung – beides Erkrankungen, die mit Rauchen assoziiert sind. Im Bereich der psychischen Gesundheit traten depressive Symptome besonders oft auf.

Subtyp 3: Der gesundheitsbewusste Frühaufsteher

Dieser Subtyp steht für einen klassischen Morgentyp. Die Detailanalyse zeigt, dass dieser Lebensstil mit frühem Aufstehen und längerer Fernsehdauer, aber zugleich mit geringerem Alkoholkonsum und dem Verzicht aufs Rauchen verbunden ist. Damit bestätigt sich das Bild eines eher ausgeglichenen, risikoarmen Lebensstils.

Im Bereich der psychischen Gesundheit berichteten Personen dieses Subtyps zwar häufiger über Nervosität und Besorgnis, jedoch ohne Hinweise auf ausgeprägte emotionale Dysregulation oder impulsives Verhalten. Bemerkenswert ist, dass sich keine positiven Korrelationen mit Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen fanden – ein Hinweis auf eine geringe Krankheitslast in dieser Gruppe.

Subtyp 4: Frühaufsteher mit einer Neigung zur Depression

Zu diesen ausgeprägten Frühaufstehern gehören deutlich mehr Frauen. Personen dieses Subtyps wiesen niedrigere Testosteronspiegel und höhere Werte des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) auf. Sie konnten sich auch über wenig Haarausfall freuen, dafür traten häufiger depressive Symptome auf. Weiterhin gab es eine Assoziation mit Menstruationsstörungen sowie Zusammenhänge mit der Einnahme von Antidepressiva, Schmerz- und Fiebermitteln und Kalziumpräparaten.

Schlafstörungen in der Hausarztpraxis: Es gibt neue Infomaterialien für das Arzt-Patienten-Gespräch

Für viele Patienten sind Hausärztinnen und Hausärzte ihre ersten Ansprechpartner, wenn sie unter Schlafstörungen leiden. Die Stiftung Gesundheitswissen brachte jetzt neue Informationsmaterialien für das Arzt-Patienten-Gespräch heraus, um Ärzte in der Lebensstilberatung zu unterstützen. Das Spektrum reicht von einer förderlichen Schlafhygiene bis hin zu Schlaftagebüchern. Die neuen Infomaterialien finden Sie hier.

Subtyp 5: Aktiver Abendmensch, der gerne trinkt und raucht

Viele dieser Abendmenschen sind Männer. So kommt bei diesem Subtyp Haarausfall häufiger vor, der Testosteronspiegel und die Blutdruckwerte sind höher, das Risikoverhalten ist ausgeprägter. Diese Gruppe fiel auch mit erhöhtem Alkohol-, Tabak und Cannabiskonsum auf. Gleichzeitig fanden sich niedrigere SHBG-Spiegel und weniger depressive Symptome.

Der Subtyp war positiv mit Prostatakrebs, benigner Prostatahyperplasie, Hypertonie und Leistenbruch verknüpft – alles Erkrankungen, die nur oder häufiger bei Männern auftreten.

Der Taktgeber für Körper und Psyche

Der Zusammenhang zwischen Gehirnaktivität, Chronotyp und Verhalten ist also deutlich komplexer als bisher angenommen. Denn der Chronotyp scheint offenbar Auswirkungen zu haben, die weit über den Schlaf-Wach-Rhythmus hinausreichen.

ARZT & WIRTSCHAFT fragte die Kolleginnen und Kollegen: Haben Sie manchmal Schlafprobleme?

Ich kann nach der Arbeit immer sehr gut abschalten
Ich schlafe immer wie ein Baby. Denn ich kann sehr gut abschalten, wenn ich nach der Arbeit zu Hause ankomme. Dafür muss ich nichts Spezielles tun. Ich mache das auch an meiner Mentalität fest – ich komme ursprünglich aus Afrika. Das erste Mal, dass ich das Wort „Stress“ gehört habe, war vor 20 Jahren in Italien. In Afrika habe ich das Wort nie gehört. Menschen in Europa machen sich zu viel Stress, sie haben Zukunftsängste und vergessen das gegenwärtige Leben zu genießen. Man muss erlernen, wie man mit Stress umgeht, und sich weniger Gedanken machen, dann kann man auch besser schlafen. Viele kommen nicht zur Ruhe, weil die Erwartungen von allen Seiten sehr hoch sind. Viele versuchen, anderen etwas zu beweisen, anstatt es nur für sich selbst gut zu machen. Man schaut, was der Nachbar macht (und hat), oder hat Ärger mit Kollegen. Die Menschen müssen sich fragen, was ihnen wichtig ist, und sie müssen versuchen, sich von zu vielen äußeren Anforderungen zu lösen, dann hat man weniger Stress und kann auch besser schlafen.
Dr. med. Nala T., Hausärztin aus Sachsen-Anhalt

Abends bin ich müde genug, sodass ich gut schlafen kann
Mit dem Schlafen habe ich keine Probleme. Ich mache auch nichts Besonderes, um gut schlafen zu können. Ich arbeite den ganzen Tag und bin dann abends so müde, dass ich auch gut schlafen kann.
Dr. med. Barbara M., Hausärztin aus Brandenburg

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