Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
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Inhaltsverzeichnis

Welche Gründe führen am häufigsten zum Scheitern von Digitalisierungsprojekten in Arztpraxen?

Die wichtigsten Gründe sind meist:

  • Eine fehlende Strategie

  • Insellösungen

  • Mangelnde Integration der Systeme

  • Fehlende Schulung der Mitarbeitenden

  • Unklare Prozesse

  • Keine Erfolgsmessung

  • Instabile Technik

Entscheidend ist, dass ein digitales Werkzeug noch kein digitaler Prozess ist. WHO und OECD betonen seit Jahren, dass digitale Transformation in der Versorgung nur dann trägt, wenn Interoperabilität, Governance, Endnutzer-Einbindung und saubere Arbeitsabläufe mitgedacht werden.

Warum ist fehlende Strategie in der Digitalisierung für Arztpraxen so teuer?

Viele Praxen digitalisieren opportunistisch. Erst Online-Termine, dann ein Recall-Tool, dann ein Kommunikationsdienst. Was oft fehlt, ist die Vorarbeit. Welcher Ablauf soll besser werden? Woran misst die Praxis den Nutzen?

Die Digitalisierungsstrategie des Bundesgesundheitsministeriums setzt einen Schwerpunkt. Nicht die Technik steht im Mittelpunkt, sondern bessere Abläufe in Versorgung und Verwaltung. Für Praxen ist das die entscheidende Perspektive. Denn wer ohne klares Prozessziel digitalisiert, beschafft schnell neue Funktionen, aber nicht automatisch mehr Effizienz oder Entlastung.

Welche Folgen hat misslungene Digitalisierung im Praxisalltag?

Typische Auswirkungen sind:

  • Zeitverlust durch Doppelerfassung und Nacharbeit

  • Frust im Team durch instabile Abläufe

  • Ineffizienz an Schnittstellen zwischen Anmeldung, Sprechzimmer und Abrechnung

  • Fehleranfälligkeit bei Datenübertragungen und Zuständigkeiten

  • Akzeptanzverlust gegenüber weiteren Projekten

Welche Probleme brauchen welche Lösungen?

Problem

Typisches Symptom

Praxistauglich Lösung

Fehlende Strategie

Viele Einzelmaßnahmen ohne sichtbaren Nutzen

12-Monats-Zielbild mit 3 bis 5 priorisierten Vorhaben definieren

Insellösungen

Doppelte Eingaben, Medienbrüche

Nur Lösungen mit sauberer PVS- und Prozessintegration auswählen

Mangelnde Integration

Manuelle Überträge zwischen Systemen

Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Standards vor Go-live festlegen

Fehlende Schulung

Team arbeitet uneinheitlich oder umgeht das Tool

Kurze rollenbezogene Schulungen einführen

Unklare Prozesse

Digitalisierte Unordnung

Erst vereinfachen, dann digitalisieren

Keine Erfolgsmessung

Nutzen bleibt subjektiv

3 bis 5 Kennzahlen festlegen

Instabile Technik

Frust, Ausfälle, Rückfall auf Papier

Einführung nur mit Puffer, Eskalationswegen und realistischem Supportkonzept

Wie gelingt die Einführung von digitaler Unterstützung in Arztpraxen Schritt für Schritt?

  1. Ein Kernproblem auswählen

    Zum Beispiel Terminmanagement.

  2. Ist-Prozess dokumentieren

    Wer macht heute was, wann und mit welchem Aufwand?

  3. Zielgröße festlegen

    Etwa 20 Prozent weniger Termintelefonate in drei Monaten.

  4. Integration prüfen

    Passt die Lösung in PVS, TI und bestehende Verantwortlichkeiten?

  5. Pilot klein starten

    Erst ein Anwendungsfall, eine Arztgruppe oder ein Standort.

  6. Team früh einbinden

    Besonders MFA sollten den Zielprozess mitgestalten.

  7. Kurz schulen und direkt anwenden

    Nicht einmalig, sondern mit kurzen Lernschleifen.

  8. Vier bis sechs Wochen messen

    Was spart Zeit, was erzeugt Zusatzaufwand?

  9. Erst danach ausrollen

    Nicht vor stabilem Betrieb skalieren.

So wird aus Digitalisierung ein steuerbares Organisationsprojekt statt einer bloßen Technikanschaffung.

Warum ist die Team-Einbindung so entscheidend?

In vielen Praxen entscheidet nicht die Ärzteseite allein über den Erfolg eines Projekts, sondern der Alltag der MFA. Dort zeigt sich zuerst, ob eine Anwendung wirklich entlastet oder nur zusätzlichen Aufwand erzeugt.

Das ist zentral: Zwar erleben laut Bitkom 83 Prozent der Menschen ihre Ärzt:innen als grundsätzlich digitalisierungsoffen, zugleich fühlt sich fast die Hälfte vom Tempo oder der Komplexität überfordert. Für Praxen heißt das: Technikakzeptanz reicht nicht. Es braucht verständliche Prozesse und Teams, die sie sicher tragen.

Wie lässt sich der Nutzen der Digitalisierung in Arztpraxen realistisch messen?

Sinnvolle Messgrößen sind:

  • Zahl der Terminanrufe pro Tag

  • Bearbeitungszeit je Vorgang

  • Zahl manueller Rückfragen

  • No-Show-Quote

  • Zeit bis zur Befundübermittlung

  • Anteil digital abgewickelter Standardprozesse

  • Zahl technischer Ausfälle pro Woche

  • Teamzufriedenheit mit dem Ablauf

Die Logik dahinter ist einfach: Was nicht gemessen wird, bleibt im Gefühl. Und Digitalprojekte, die nur „modern wirken“, aber keine klaren Effekte erzeugen, binden Ressourcen, die Praxen an anderer Stelle dringend brauchen.

Was bedeutet das für Ärzte und MVZ?

Digitalisierung in Praxen ist kein reines IT-Projekt. Sie braucht Führung, klare Prozesse und gezielte Umsetzungsschritte. Niedergelassene Ärzt:innen sollten deshalb bei den größten Reibungspunkten starten, die Integration sorgfältig prüfen und das Team von Anfang an einbeziehen. Der Nutzen sollte anhand messbarer Ziele verfolgt werden.

Für MVZ gilt zusätzlich: Je größer die Organisation, desto wichtiger werden Standards, Governance und standortübergreifende Verantwortlichkeiten. Sonst entstehen dieselben Insellösungen, nur in größerem Maßstab.

FAQ: Häufige Fragen aus dem Praxisalltag

Muss jede Praxis jetzt möglichst schnell alles digitalisieren?

Nein. Sinnvoll ist nicht maximale, sondern gezielte Digitalisierung. Erfolgreich sind vor allem Projekte, die ein konkretes Problem lösen und sauber in bestehende Abläufe eingebettet werden.

Woran erkennt man früh, dass ein Projekt zur Digitalisierung zu scheitern droht?

Warnzeichen sind unklare Ziele, manuelle Doppelarbeiten, fehlende Zuständigkeiten, Widerstand im Team und zusätzliche Telefon- oder Korrekturschleifen nach dem Start.

Welche Projekte zur Digitalisierung eignen sich als erster Schritt?

Meist eignen sich standardisierbare Prozesse mit hohem Volumen: Terminmanagement, digitale Formulare, Recall, strukturierte Patientenkommunikation oder Befundübermittlung.

Wie wichtig ist Interoperabilität bei der Digitalisierung wirklich?

Sehr wichtig. Ohne interoperable Abläufe entstehen Medienbrüche, Fehler und Nacharbeit. Genau deshalb betonen Bitkom, BMG und gematik die Rolle gemeinsamer Standards und prozessorientierter Digitalisierung.

Reicht eine einmalige Schulung zu Digitalisierung in Arztpraxen?

In der Regel nicht. Besser sind kurze, wiederholte Schulungen im echten Ablauf, ergänzt um klare Standards und Nachsteuerung nach dem Go-live.

Dominique Marcinowski

Dominique Marcinowski

Dominique Marcinowski ist Teamlead Sales bei Docmedico. Weitere Informationen und Terminvereinbarung finden Sie unter https://demodesk.com/book/dominique-marcinowski/product-demo.

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Quelle:

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