Darmkrebsvorsorge: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es
Marcus SefrinDarmkrebs gilt als nahezu vermeidbar, wenn Adenome als seine Vorstufe rechtzeitig erkannt werden. Doch wie können Patienten motiviert werden, die dazu notwendige Vorsorge auch wahrzunehmen?
Fast jede neunte Krebserkrankung in Deutschland betrifft Kolon oder Rektum. 2023 erhielten 55.320 Menschen diese Diagnose. Die Teilnahme an der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge senkt das Erkrankungsrisiko, im Fall der Koloskopie um bis zu 80 Prozent. Der immunologische Stuhltest (iFOBT) erreicht eine Sensitivität von rund 30 bis 40 Prozent für fortgeschrittene Adenome und über 70 Prozent für invasive Karzinome, sollte dafür aber regelmäßig wiederholt werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert angesichts dessen eine klare Kommunikation in der Hausarztpraxis oder bei gynäkologischen beziehungsweise urologischen Vorsorgeuntersuchungen, eine regelhafte Risikoanamnese auch im jüngeren Lebensalter sowie zielgruppengerechte Informationsmaterialien. Umfangreiche, aber nicht auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene Informationen zu Darmkrebs und zur Darmkrebsvorsorge bieten zum Beispiel das Bundesgesundheitsministerium, die Deutsche Krebshilfe und die Stiftung Lebensblicke.
Die beste Vorsorge ist die, die wahrgenommen wird
Seit Anfang der 2000er wird in Deutschland ein Rückgang der altersstandardisierten Erkrankungs- und Sterberaten bei Darmkrebs beobachtet. Auch bei den Darmspiegelungen ist der Trend positiv: Nach Zi-Daten wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 339.000 Früherkennungskoloskopien durchgeführt und damit 3,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2024. Umgekehrt ist der Trend bei den Tests zur Erkennung okkulten Bluts im Stuhl: Von diesen wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 983.400 durchgeführt, ein Minus von 8,7 Prozent.
Ängste und Unsicherheit sind vermeidbare Hürden
Die DGVS vertritt dabei einen pragmatischen Ansatz, der nicht nur auf den Goldstandard Koloskopie setzt, sondern auch auf iFOBT als Alternative zur Darmspiegelung. „Wir müssen die Menschen motivieren – die beste Methode ist immer die, die tatsächlich gemacht wird“, betont Prof. Birgit Terjung, Bonn. Angst vor der Untersuchung, Unsicherheit bei der Entscheidung oder fehlendes Wissen – all das seien vermeidbare Hürden.
Niedrigschwellig und einheitlich: Vorsorge ab 50
Seit April 2025 ist die Früherkennung von Darmkrebs einheitlich und damit einfacher ausgestaltet: Frauen und Männer können nun ab dem Alter von 50 Jahren die gleichen Screening-Angebote wahrnehmen. Die Darmkrebsvorsorge wird allen Personen ab dem Alter von 50 Jahren empfohlen. Liegen bei Patienten einer oder mehrere Risikofaktoren für diese Krebserkrankung vor, ist das Verhältnis von Nutzen und Aufwand der Vorsorge für den Einzelnen und auch für das Gesundheitssystem insgesamt noch einmal höher. Und manche Patienten kann das Wissen um ein eigenes erhöhtes Risiko zu einer Früherkennungsuntersuchung motivieren.
Wer hat ein erhöhtes Darmkrebsrisiko?
Ein ausgeprägter Risikofaktor für Darmkrebs ist das Alter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71 Jahren, für Frauen bei 75 Jahren. Mehr als die Hälfte der Patienten erkrankt jenseits des 70. Lebensjahres, nur etwa zehn Prozent vor dem 55. Lebensjahr. Neben dem Alter erhöhen Lebensstilfaktoren (u. a. Rauchen, Bewegungsmangel, fleischreiche Ernährung) das Risiko für eine Darmkrebserkrankung. So lässt sich die Wahrscheinlichkeit, an Dickdarmkrebs zu erkranken, zum Beispiel durch körperliche Aktivität statistisch um 20 bis 30 Prozent verringern. Doch auch bestimmte Erkrankungen und genetische Veranlagungen beeinflussen das Risiko für Darmkrebs. Dazu gehören Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder die familiäre adenomatöse Polyposis. Besonders relevant ist die Familienanamnese, wenn Verwandte unter 45 Jahren an Darmkrebs erkrankt sind.
Quellen:Pressemitteilung DGVS
S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom; AWMF-Nr. 021-007OL