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Geldanlagen

Der MSCI World Index zählt zu den beliebtesten Investments der Anleger hierzulande, die sich mit Exchange Traded Funds (ETFs) ein Vermögen aufbauen wollen. Erfreulich im vergangenen Jahr: Er legte nach Angaben des Indexanbieters MSCI 21,6 Prozent zu. Allerdings in US-Dollar gerechnet. Für Anleger aus dem Euroraum sah die Sache anders aus: Weil die US-Währung gegenüber dem Euro in 2025 laut dem Finanzportal Onvista über elf Prozent verlor, kam der Weltindex laut MSCI in Euro gerechnet nur auf ein Plus von etwa sieben Prozent.

Der MSCI World besteht zu mehr als 71 Prozent aus US-Aktien und war deshalb deutlich von der Dollarschwäche betroffen. „Zwar haben Euro-Anleger in den Vorjahren auch von dem starken US-Dollar profitiert, dennoch reiben sich manche Investoren nun verwundert die Augen“, sagt Anton Vetter von der BV & P Vermögen AG in Kempten. „Und deshalb kommt nun immer wieder die Frage auf, wie man sich gegen Währungsrisiken absichert und ob das Sinn macht.“

Absicherung kostet Geld

Tatsächlich gibt es dazu verschiedene Möglichkeiten. „Man kann das selbst über Devisentermingeschäfte machen, die einfache Lösung ist es aber, eine ETF-Tranche zu wählen, bei der das Dollarrisiko abgesichert ist“, sagt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Kostenlos gibt es eine solche Absicherung jedoch nicht. „Grob gerechnet fallen Kosten in Höhe des Zinsunterschieds zwischen zwei Währungsräumen an“, sagt Vetter. Zwischen dem Dollar- und dem Euroraum sind das derzeit etwa zwei Prozent pro Jahr.

Und das geht zu Lasten der Rendite und summiert sich über lange Zeiträume. „Nach zehn Jahren macht das aus aktueller Sicht 20 Prozent aus“, rechnet Dyballa vor. „Da sich Währungsentwicklungen, zumindest zwischen Währungen wie dem US-Dollar und dem Euro, langfristig aber ausgleichen, lohnt sich das für Anleger mit einem langen Anlagehorizont eigentlich nicht.“ Dazu kommt noch etwas: „Eine schwächere Währung ist für die Exporteure des jeweiligen Währungsraumes positiv, sie können deshalb ihre Gewinne erhöhen und deren Aktienkurse sollten sich deshalb – so die Theorie – langfristig besser entwickeln“, so Vetter.

Dollarschwäche mit Ankündigung

Während also eine langfristige und dauerhafte Absicherung des Dollarrisikos keinen Sinn macht, kann es kurzfristig anders aussehen. „In bestimmten Marktphasen kann sich eine taktische Absicherung auszahlen“, so Vetter. Anlageexperten wie Anton Vetter oder Stefanie Dyballa haben im vergangenen Jahr eine solche Absicherung gegenüber dem US-Dollar durchgeführt. „Da hat US-Präsident Donald Trump aber auch klar gemacht, dass er einen schwächeren US-Dollar möchte“, so Dyballa. „Deshalb haben wir das Dollarrisiko etwas rausgenommen.“

Das ist aber keine Vorgehensweise, die grundsätzlich zu empfehlen ist. „Ein Anleger muss sich schon sehr genau mit den Märkten beschäftigen, um eine solche Absicherung in bestimmten Marktphasen durchzuführen“, warnt Vetter. Zudem gilt das auch nur für Aktien, nicht aber für die Zinsseite. „Wenn man heute im Dollarraum in Festgeld oder Anleihen investiert, dann hat man einen Zinsvorteil von zwei Prozent“, so der Experte. „Der würde durch eine Absicherung aufgezehrt werden. Deshalb macht das im Zinsbereich für Privatanleger keinen Sinn.“

Auch nach Währungen diversifizieren

Das sieht Dyballa ebenso: „Sichere Zinsanlagen sind dazu da, um ein Portfolio in turbulenten Phasen zu stabilisieren“, sagt sie. „Da würde ich eher in der eigenen Währung bleiben.“ Allerdings empfehlen die Experten auch, ein Portfolio nicht nur nach Anlageklassen, sondern auch nach Währungen zu diversifizieren. „Die Nutzung unterschiedlicher Währungen kann helfen, ein Portfolio zu stabilisieren“, sagt Vetter. „Dabei sollten Anleger das Währungsrisiko dann aber bewusst in Kauf nehmen.“

Damit stellt sich aber die Frage, ob der MSCI World Index als alleinige Anlage mit einem US-Dollar-Anteil von mehr als 70 Prozent ratsam ist. „Tatsächlich müssen sich Anleger mit einer so hohen US-Dollar-Allokation wohl fühlen“, so Dyballa. „Ich würde grundsätzlich empfehlen, breiter zu streuen und europäische Aktien oder die Schwellenländer stärker zu berücksichtigen und das Dollar-Risiko zu reduzieren.“

Warum Anleger ihr Portfolio auch nach Währungen diversifizieren sollten

Experten raten, ein Portfolio breit zu diversifizieren. Das bedeutet, verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Gold und Rohstoffe sowie Immobilien, aber unter Umständen auch alternative Anlagen wie Private Equity zu berücksichtigen. Zugleich gilt es, zum Beispiel im Aktienbereich global und auf viele Branchen zu setzen. Eine weitere Dimension der Diversifizierung bleibt aber oftmals unberücksichtigt: die Währung.

Um hier Klumpenrisiken zu vermeiden, sollten Anleger möglichst auf Anlagen aus verschiedenen Währungsräumen setzen. Denn dies kann ein Portfolio sowie auch dessen Gesamtrendite stabilisieren und eine einseitige Ausrichtung von Währungsrisiken vermeiden. Auf der Aktienseite geht dies automatisch durch ein globales Portfolio. Wer nur in den MSCI World investiert, muss bedenken, dass man damit zu über 70 Prozent im US-Dollar investiert ist. Hier kann es sinnvoll sein, das Aktienportfolio regional breiter zu streuen und das US-Dollar-Risiko dadurch zu reduzieren.

Auf der Zinsseite können zum Beispiel Anleihen in Schweizer Franken, dem kanadischen Dollar oder Währungen aus anderen Industrienationen mögliche Beimischungen sein. Dazu können Immobilien in anderen Währungsräumen kommen. Insgesamt kann dies vor Kaufkraftverlust durch Inflation in einzelnen Währungsräumen schützen, Risiken in der eigenen Währung reduzieren und dabei helfen, Marktschwankungen auszugleichen.

Quelle:

V-Bank

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