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In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 518.000 Menschen neu an Krebs, mit steigender Tendenz. Forscher der MHH gehen davon aus, dass sich durch Prävention und frühzeitige Erkennung der Erkrankungen die Chance auf eine erfolgreiche Therapie deutlich erhöhen und die Kosten für das Gesundheitssystem dadurch senken lassen. Genau hier setzt ihrProjekt ROKAVI an: „ROKAVI“ steht für Risikoprädiktion in der Onkologie: Entwicklung eines KI-Algorithmus, Versichertenpräferenzen und ethische Implikationen. Bedeutet konkret: Unter der Leitung des Instituts für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sollen auf der Grundlage von Krankenkassendaten KI-basierte Modelle zur Früherkennung von Krankheitsrisiken entwickelt werden.

Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) ermöglicht Nutzung von Versichertendaten

Den Anstoß für das Projekt gab das 2024 in Kraft getretene Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG). Es erlaubt den gesetzlichen Krankenkassen, Routinedaten zu verwenden, um die Versicherten auf ihre individuellen Gesundheitsrisiken hinzuweisen. Ein zentraler Bereich dieser datengestützten Gesundheitsprävention betrifft Krebs. „Wir untersuchen, ob sich auf der Grundlage von Krankenkassendaten, beispielsweise zu Diagnosen, erbrachten Leistungen und soziodemografischen Angaben, KI-basierte Algorithmen zur Risikoeinschätzung von Krebserkrankungen entwickeln lassen“, erklärt ROKAVI-Projektleiter Prof. Dr. Christian Krauth vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der MHH.

Sein Team möchte das Potential von Vorhersagemodellen, erforschen, die Krankenkassen zur Information ihrer Versicherten nutzen könnten. Kooperationspartner ist das IT-Unternehmen ITSC GmbH, außerdem sind die Krankenkassen, Pronova BKK und mkk an dem Projekt beteiligt. Sie stellen die entsprechenden Daten zu Verfügung. Weitere Partner sind die gesetzliche Krankenkasse BKK 24 und das Comprehensive Cancer Center Hannover (CCC Hannover).

KI-basierter Algorithmus soll Risiko von Krebserkrankungen berechnen

Zunächst wird ermittelt, welche onkologischen Erkrankungen, etwa Prostata-, Brust-, Lungen- oder Darmkrebs, sich besonders gut für ein Prädiktionsmodell eignen. Dafür weden dann ein statistisches und ein auf künstlicher Intelligenz (KI) basierendes Modell entwickelt. Ihre Ergebnisse werden dann miteinander verglichen: „Eine unserer Hypothesen ist, dass ein KI-basierter Algorithmus zur Vorhersage von Krebserkrankungen präzisere Risikoeinschätzungen liefert als traditionelle statistische Modelle“, so Professor Krauth.

Ethische Regeln für den Einsatz von Vorhersagemodellen

Die Nuzung der Versichertendaten für solche Modelle ist umstritten, Experten warnen vor Missbrauch und Sicherheitsrisiken. Der zweite Teil des Projekts soll sich deshalb der Entwicklung eines ethischen Rahmend für den Einsatz solcher Prädiktionsmodelle widmen. Dafür bindet das MHH-Team die Expertise des CCC Hannover ein. Unter anderem soll ermittelt werden, ob, in welchem Umfang und in welcher Form die Versicherten Informationen zu ihrem Krebsrisiko erhalten wollen. Damit soll die informationelle Selbstbestimmung der Versicherten gewahrt werden. Das MHH-Team interviewt außerdem Vertreterinnen und Vertreter von Krankenkassen zu ihrer Einschätzung von Nutzen und Risiken des entwickelten Prädiktionsmodells. Aus den Ergebnissen erstellt das ROKAVI-Team dann Handlungsempfehlungen für den Einsatz von Prädiktionsmodellen.

Lassen sich positive Erfahrungen auf Deutschland übertragen?

In Deutschland gibt es bisher keine Erfahrungen mit Prädiktionsmodellen auf der Grundlage von Routinedaten von Krankenkassen. Professor Krauth ist überzeugt, dass die positiven Auswirkungen überwiegen: „Internationale Studien zeigen, dass solche Modelle die Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen unterstützen, zu einer besseren Patientenversorgung führen und auch die Gesundheitskosten senken können“. ROKAVI startete im April und wird für drei Jahre mit rund einer Million Euro aus dem Innovationsfonds des gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.mhh.de/institut-fuer-epidemiologie/forschung/forschungsschwerpunkt-gesundheitsoekonomie-und-gesundheitspolitik/rokavi

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