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Darmkrebs entwickelt sich meist über viele Jahre. Welche biologischen Veränderungen der Tumorentstehung vorausgehen, ist bislang jedoch nur teilweise verstanden. Genau hier setzt das auf drei Jahre angelegte Verbundprojekt NAD-MAGIC an, das vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) koordiniert wird.

Im Mittelpunkt steht das Stoffwechselmolekül Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+). Es spielt eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung von Zellen und bei der Reparatur von DNA-Schäden. Die Forschenden vermuten, dass chronische Entzündungs- und Alterungsprozesse den NAD+-Stoffwechsel langfristig beeinträchtigen können. Dadurch könnten Darmzellen bereits vor der Entstehung von Krebs anfälliger für Schäden werden.

Stoffwechselveränderungen als Frühwarnsignal?

Bislang konzentriert sich die Krebsforschung vor allem auf genetische Veränderungen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nun prüfen, ob charakteristische Veränderungen des Zellstoffwechsels noch früher auftreten.

Dafür analysieren die beteiligten Forschungsteams mit Methoden der sogenannten Metabolomik tausende Stoffwechselprodukte in Gewebeproben. Mithilfe hochauflösender Massenspektrometrie sollen räumliche Stoffwechselkarten der Darmschleimhaut erstellt werden. Diese werden anschließend mit Einzelzell- und Genomdaten verknüpft.

Ziel ist es, Stoffwechselmuster zu identifizieren, die auf ein erhöhtes Darmkrebsrisiko hindeuten könnten, bevor Veränderungen in herkömmlichen Gewebeuntersuchungen sichtbar werden.

Biomarker für eine gezieltere Vorsorge?

Langfristig könnten aus den Forschungsergebnissen neue Biomarker entstehen, mit denen sich Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko früher identifizieren und engmaschiger überwachen lassen. Ob sich die entdeckten Stoffwechselveränderungen auch therapeutisch beeinflussen lassen, soll unter anderem die Technische Universität München in präklinischen Modellen untersuchen.

Bis zu einer Anwendung in der Versorgung dürften jedoch noch mehrere Jahre vergehen. Die Forschenden betonen, dass aus dem Projekt derzeit keine Empfehlungen zur Einnahme von NAD+-Vorstufen oder anderen Stoffwechselpräparaten abgeleitet werden können.

Quelle:

idw-online