Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxis

Herr Hock, was ist das Ziel Ihrer Fortbildungen? Welche Inhalte vermitteln Sie?

Die Fortbildungen zielen darauf ab zu vermitteln, dass gerade auch in einer Arztpraxis ein Notfall passieren kann. Arztpraxen sind in diesem Sinne kein geschützter Bereich, das Praxisteam muss sich auch für medizinische Notfälle wappnen.

Die Schulungen sollen dem Team einen Leitfaden an die Hand geben, damit sie im Alltag darauf vorbereitet sind.

Sind auch innerhalb einer Praxis Auffrischungen bei Erste-Hilfe-Schulungen nötig?

Ja, denn es ist wie im normalen Leben: Die Aufgaben, die man täglich macht, die gehen ganz locker und einfach von der Hand. Bei Dingen, die man seltener macht, muss man mehr überlegen und nachdenken.

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Foto: Bäuerle Ambulanz

Ein Patient mit Herzinfarkt gehört beim Rettungsdienst zum Beispiel zum Alltag, anders als in Hausarztpraxen. Trotzdem, oder gerade deswegen müssen Ärzte und ihre Mitarbeiter auch dafür gerüstet sein.

Wie gelingt es dem Praxisteam, sich dafür zu rüsten?

Zuallererst ist es entscheidend, Ruhe zu bewahren. Das mag banal klingen, aber wenn wir in so einem Stressmoment in Angst und Panik verfallen, funktionieren wir nicht so, wie wir sollten. Dann braucht es einen gut ausgestatteten Notfallkoffer, den müssen alle Mitarbeiter aus dem Effeff kennen.

Jeder muss wissen: Welches Material habe ich wo und wie benutze ich es, wenn ich es brauche? Wenn ein Team das weiß, dann gibt es Sicherheit, und je sicherer die Abläufe sind, desto besser können Patienten im Notfall versorgt werden.

Haben Medizinische Fachangestellte dabei eine besondere Verantwortung, da sie näher am Patientengeschehen sind?

Ja, auf jeden Fall. Sie entscheiden häufig schon bei der Ankunft des Patienten, ob es sich um einen Notfall handeln könnte oder nicht. Und sie treffen je nachdem dann auch die Ersteinschätzung, ob der Arzt schnell dazu gezogen werden muss.

Aber eine Kette ist immer nur so stark wie das schwächste Glied. Das heißt: Wenn jeder im Team in die Abläufe involviert ist, wird der Patient im Notfall besser versorgt. Funktionierende Teamarbeit ist deswegen das A und O.

Was sollten Praxisinhaberinnen und -inhaber aus Ihren Fortbildungen mitnehmen?

Mir geht es bei den Seminaren in erster Linie nicht um reine Wissensvermittlung. Die Theorie muss ich einem Arzt in aller Regel nicht neu erklären.

Wichtiger ist aus meiner Sicht zu vermitteln: Wie kann ich meine Praxis sinnvoll strukturieren? Wie gehe ich dieses ganze Thema an? Ich bin zum Beispiel auch ein Freund davon, wenn Praxisteams sich selbst in kleinerem Rahmen fortbilden.

Nehmen wir an, ein Arzt hat zum Beispiel eine ärztliche Fortbildung zu Reanimationen besucht, dann kann er seinen Mitarbeitern das Wissen weitergeben. Oder man nimmt eine Reanimationspuppe und übt damit regelmäßig.

Dazu braucht es theoretisch keinen Seminarleiter, der einen anleitet – das könnte auch der Arzt oder die gut ausgebildete MFA übernehmen. Ich will die Praxen auch ein Stück weit dahin steuern und die Eigeninitiative fördern.

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