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Klinikärzte sind regelmäßig erschöpft – jeder fünfte plant Tätigkeitswechsel

von Marzena Sicking

Klinikärzte sitzen erschöpft am Boden
Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com

Viele Klinikärzte und -ärztinnen sind komplett überarbeitet und erschöpft. Die Corona-Pandemie hat die Situation weiter verschärft und könnte auch unter den Medizinern zu einer Kündigungswelle führen. Umso fassungsloser macht die Betroffenen das aktuelle Tarifangebot der Arbeitgeber.

Die Corona-Pandemie hat zu einer deutlichen Arbeitszunahme bei Ärztinnen und Ärzten in kommunalen Kliniken geführt. Das bestätigt auch eine Ad-hoc-Umfrage des Marburger Bundes unter rund 3.300 Mitgliedern der Ärztegewerkschaft.

71 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass ihre Arbeitsbelastung durch die Pandemie zugenommen hat. Nur bei etwa einem Fünftel (22 %) ist sie gleichgeblieben. Erschreckend: Rund 91 Prozent der befragten Klinikärzte gaben an, sich durch ihre Arbeit regelmäßig erschöpft zu fühlen. 31 Prozent von ihnen sind „immer“ und 60 Prozent „zunehmend“ mit ihren Kräften am Limit.

Berufliche Zukunft außerhalb des Krankenhauses

Das hat Folgen: Ein Fünftel der Ärztinnen und Ärzte (20 %) plant „definitiv“ seine berufliche Zukunft außerhalb des Krankenhauses. Etwa 56,5 Prozent sind noch unentschieden, denken aber über „Plan B“ nach. Nur 23,5 Prozent planen auf absehbare Zeit keinen konkreten Tätigkeitswechsel.

Die Arbeitgeber scheinen dennoch nicht alarmiert. Der Marburger Bund verhandelt derzeit mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über die Tarifbedingungen der mehr als 55.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern. Das zuletzt vorgelegte Angebot wurde als komplett inakzeptabel zurückgewiesen. „Wer den Ärztinnen und Ärzten nicht mehr anzubieten weiß als das Schleifen bereits vereinbarter Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in Kombination mit einer 15-monatigen Nullrunde bei den Gehältern, handelt absolut verantwortungslos“, sagte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes.

Bei den Klinikärzten selbst hat die Haltung der VKA ebenfalls große Empörung hervorgerufen. Das Angebot der kommunalen Arbeitgeber wird als „absolute Frechheit“ und „bodenlose Unverschämtheit“ wahrgenommen, so jedenfalls die Kommentare der Marburg-Mitglieder. In einem Kommentar heißt es: „Das ist kein Angebot. Das ist ein Schlag ins Gesicht derer, die in den Kliniken die Versorgung aufrechterhalten – allen Widrigkeiten zum Trotz.“

Am (14. und 15. Februar) kommen beide Seiten zu ihrer vierten Verhandlungsrunde zusammen. Weitere Informationen zur aktuellen Tarifrunde finden Sie auch unter www.vka-tarifrunde.de.

 

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