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E-Health
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Der Digital Health Report von YouGov und Doctolib zeigt deutlich, dass sich Patientinnen und Patienten weit mehr digitale Angebote wünschen, als das deutsche Gesundheitswesen derzeit bereitstellt. Während die Erwartungen steigen, bleibt das Tempo der Digitalisierung niedrig – und strukturelle Hürden erschweren den Fortschritt zusätzlich.

Patienten kritisieren langsames Digitalisierungstempo

Laut dem Report finden 70 Prozent der Patientinnen und Patienten, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam vorankommt. Besonders bei der Termin- und Praxissuche zeigt sich Unzufriedenheit: Lediglich 35 Prozent empfinden die Suche nach verfügbaren Terminen als einfach. Viele wünschen sich vor allem spürbare Erleichterungen im Alltag – kürzere Wartezeiten, weniger Formulare und unkomplizierte Kontaktwege zu Praxen.

Fachkräfte sehen großes Potenzial und klare strukturelle Grenzen

Aufseiten der Ärztinnen und Ärzte ist die Grundhaltung zur Digitalisierung positiv. Der Report zeigt, dass 79 Prozent digitale Anwendungen als hilfreich für die Versorgung bewerten. Ein Drittel der Fachkräfte sieht digitale Lösungen sogar als wichtigen Baustein zur Bewältigung bestehender Systemprobleme.

Gleichzeitig benennen die Befragten die Ursachen für den stockenden Fortschritt klar: Bürokratie, fehlende Schnittstellen, unklare Zuständigkeiten und nicht miteinander kommunizierende Systeme gelten als größte Bremsklötze.

Deutschland verpasst digitale Chancen

Der Report hält fest, dass Deutschland bei der digitalen Transformation weiterhin hinter vielen anderen Gesundheitssystemen zurückliegt. Während andere Länder digitale Routinen längst etabliert haben, kämpft Deutschland noch mit Grundsatzproblemen. Dazu gehören:

  • fehlende Interoperabilität der Systeme

  • komplizierte Prozesse

  • heterogene Softwarelandschaften

Der Bedarf nach vernetzten Lösungen zieht sich als roter Faden durch die Ergebnisse.

Patientenwünsche und Versorgungsrealität passen nicht zusammen

Ein zentrales Ergebnis des Reports ist die deutliche Diskrepanz zwischen dem, was Patientinnen und Patienten erwarten, und dem, was im Versorgungsalltag möglich ist. Funktionen wie digitale Terminbuchung, Dokumentenaustausch oder digitale Anamnese werden als Bereicherung wahrgenommen – sind aber nicht flächendeckend implementiert.

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass solche Angebote sowohl Patientinnen und Patienten als auch medizinisches Personal entlasten könnten, etwa durch weniger Telefonaufkommen, bessere Vorbereitung auf Termine und optimierte Praxisabläufe.

Ausblick: Wendepunkt nur mit strukturellem Umbau erreichbar

Der Digital Health Report 2026 sieht das deutsche Gesundheitswesen an einem „Wendepunkt“. Ob diese Wende gelingt, hängt laut befragten Expertinnen und Experten davon ab, wie schnell grundlegende Probleme angegangen werden: Bürokratieabbau, verbindliche Standards, durchgängige Interoperabilität und ein stärker auf Nutzbarkeit ausgerichtetes Design digitaler Angebote.

Erst wenn digitale Lösungen zuverlässig, sektorenübergreifend und einfach nutzbar sind, können sie ihr Potenzial voll entfalten – und sowohl Versorgung als auch Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.

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