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Dermatologie

Mehrfache Händedesinfektion pro Stunde, Händewaschen, Instrumentenaufbereitung, Flächendesinfektion, Blutentnahmen, Verbandswechsel sowie das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe – arbeitsschutzrechtlich gelten diese Tätigkeiten als Feuchtarbeit gemäß der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 401). Sie belasten die epidermale Barriere. Unter Okklusion quillt die Hornschicht auf. Nach dem Ausziehen verdunstet Wasser besonders schnell – die Haut trocknet stärker aus und wird empfindlicher. Das kann einem irritativen Kontaktekzem den Boden bereiten.

Einmalhandschuhe gezielt einsetzen 

Hauterkrankungen sind nach Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) die häufigste angezeigte Berufskrankheit in Deutschland, überwiegend handelt es sich um berufsbedingte Handekzeme. Um diesen vorzubeugen, knüpft die aktualisierte S2k-Leitlinie „Berufliche Hautmittel“, erarbeitet unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), an das etablierte 3-Säulen-Modell der arbeitsdermatologischen Prävention an: Die Haut schützen, schonend reinigen, regelmäßig pflegen. 

In einem Kommentar betont die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) zudem einen ausgewogenen Einsatz von Einmalhandschuhen. Handschuhe sollen gezielt und indikationsgerecht verwendet werden – nicht quasi dauerhaft. Bestimmte Tätigkeiten erfordern konsequent flüssigkeitsdichte Handschuhe. Dazu gehören Körperwaschungen sowie das Eincremen von Patientinnen und Patienten. Hier geht es nicht nur um Infektionsschutz, sondern auch um den Kontakt mit Wasser, Reinigungsmitteln oder potenziell sensibilisierenden Inhaltsstoffen. Ungeschütztes Arbeiten führt zu zusätzlichen Handwaschzyklen und strapaziert die Haut weiter.

Routine schützt Praxisorganisation

Vor absehbarer Feuchtarbeit – etwa vor der Instrumentenaufbereitung – kann eine geeignete Hautschutzcreme dünn aufgetragen werden. Sie ersetzt keine Handschuhe und sollte nicht unmittelbar vor dem Anziehen verwendet werden. Bei nicht sichtbarer Verschmutzung ist die alkoholische Händedesinfektion dem Waschen vorzuziehen. Muss gewaschen werden, empfehlen sich milde, seifenfreie Reinigungsmittel mit hautnahem pH-Wert. Sorgfältiges Abtrocknen, auch zwischen den Fingern, ist wichtig.

Handschuhe sollten nur so lange wie nötig getragen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. Nach dem Ausziehen ist eine kurze Trocknungsphase der Hände sinnvoll. Mehrmals täglich, spätestens nach Dienstende, sollte eine parfümfreie Pflegecreme aufgetragen werden. Praktika­ble Zeitpunkte könnten der Dienstbeginn, die Mittagspause oder der Wechsel zwischen zwei Behandlungsblöcken sein. Direkt vor dem Anziehen okklusiver Handschuhe sollten keine stark fettreichen Produkte appliziert werden, da die Haut sonst schneller aufquillt und anfälliger wird. Insgesamt kommt es vor allem auf die Routine an. Wird der Hautschutz fest in die Arbeitsabläufe integriert, bewahrt das auch die Praxisorganisation. Denn weniger Ekzeme bedeuten weniger Ausfalltage und nicht zuletzt weniger berufsdermatologische Verfahren.

Geeignete Mittel

Die Hautschutzmittel sollten für den beruflichen Einsatz bei Feuchtarbeit formuliert sein und die Barriere unterstützen. Während der Arbeit eignen sich eher schnell einziehende Emulsionen; reichhaltigere Pflege bleibt der Regeneration nach Dienstende vorbehalten. Duft- und konservierungsmittelreiche Produkte sollten bei empfindlicher Haut vermieden werden.

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