Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Honorare
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Das Klischee vom reichen Arzt hält sich hartnäckig. Doch wer glaubt, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte automatisch zu den Top‑Verdienern gehören, irrt. Der Grund: In vielen Statistiken wird der Reinertrag einer Praxis als tatsächliches Einkommen dargestellt – dabei ist das nur die halbe Wahrheit.

Der Reinertrag zeigt lediglich die Differenz zwischen Einnahmen und Betriebsausgaben.Davon gehen jedoch noch Steuern, Versicherungen und Vorsorgebeiträge ab – oft 30 bis 45 Prozent. Was am Ende wirklich auf dem Konto bleibt, ist das Nettoeinkommen – und das fällt deutlich niedriger aus.

Aktuelle Zahlen: So viel bleibt Ärzten netto

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis, Veröffentlichung 24. Juli 2025) lagen die durchschnittlichen Einnahmen je Praxis im Jahr 2023 bei 812.000 Euro, die betrieblichen Aufwendungen bei 455.000 Euro. Der durchschnittliche Reinertrag betrug 357.000 Euro. Der Medianwert – also der realistischere Mittelwert – lag bei 242.000 Euro Reinertrag.Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleiben rund 130.000 Euro netto jährlich, also etwa 10.800 Euro im Monat.

Warum der Median ehrlicher ist als der Durchschnitt

Großpraxen und medizinische Versorgungszentren (MVZ) verzerren Durchschnittswerte stark.Der Median zeigt, was typische Einzel‑ oder Gemeinschaftspraxen tatsächlich erwirtschaften.Er blendet extreme Ausreißer aus und spiegelt die wirtschaftliche Realität vieler Hausärzte, Internisten oder Gynäkologinnen besser wider.

Einkommensunterschiede nach Fachrichtung und Standort

Nicht alle Ärztinnen und Ärzte verdienen gleich. Das Einkommen hängt stark von Fachgebiet und Standort ab:

  • Radiologen, Augenärzte, Orthopäden: überdurchschnittliche Reinerträge (250.000 – 400.000 €)

  • Hausärzte, Allgemeinmediziner: meist 150.000 – 200.000 €

  • Psychotherapeuten: oft unter 120.000 €

Stadt vs. Land: In Städten sind Kosten und Mieten höher, aber auch das Patientenaufkommen.Auf dem Land gleichen Förderprogramme und geringere Fixkosten vieles aus.

Laut KBV‑Strukturatlas 2025 ist der Anteil der Praxen mit überwiegender Kassenabrechnung auf 67 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit 2000.

Wie Praxisinhaber ihr Nettoeinkommen steigern können

Praxisinhaberinnen und ‑inhaber haben mehrere Stellschrauben, um mehr aus ihrem Ertrag herauszuholen:

  • Investitionen absetzen: Geräte, IT‑Lösungen oder Modernisierungen steuerlich nutzen

  • Fixkosten teilen: Gemeinschaftspraxen senken Miete und Personalaufwand

  • Privatpatienten gewinnen: IGeL‑ und Präventionsleistungen erhöhen Margen

  • Nebenverdienste nutzen: Gutachten, Lehrtätigkeiten oder Online‑Kurse

Laut Bundesärztekammer 2025 erzielen digitalisierte Praxen im Schnitt 8 Prozent höhere Jahreserträge durch effizientere Abläufe.

Die wachsenden Kosten des Arztberufs

Bürokratie, Digitalisierung und gesetzliche Vorgaben (ePA, eRezept, TI‑Anbindung) verursachen steigende Fixkosten. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) sind die Verwaltungskosten seit 2020 um über 20 Prozent gestiegen. Hinzu kommen höhere Energiepreise, IT‑Sicherheitsanforderungen und Fachkräftemangel – alles Faktoren, die den Reinertrag schmälern.

Praxisübernahme: Eine finanzielle Hürde

Die Übernahme einer Praxis kostet zwischen 180.000 und 520.000 Euro.Förderprogramme helfen, doch viele junge Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich für eine Anstellung – mit 120.000 bis 150.000 Euro Bruttojahresgehalt und weniger Risiko.

Vergleich mit anderen akademischen Berufen

Ob sich der hohe Arbeitsaufwand lohnt? Hier ein Vergleich mit anderen Berufsgruppen, die ebenfalls zu den Top-Verdienern gezählt werden:

Beruf

Durchschnittliches Jahresbrutto (2025)

Quelle

Ärztinnen/Ärzte (niedergelassen)

357.000 € Reinertrag

Destatis

Rechtsanwälte

125.000 – 185.000 €

Statista 2025

Ingenieure (Führung)

95.000 – 130.000 €

VDI Gehaltsstudie 2025

Professoren (W3)

90.000 – 110.000 €

GEW 2025

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verdienen solide – aber nicht überdurchschnittlich reich. Hohe Betriebskosten, Steuern und Bürokratie schmälern den Gewinn erheblich.Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss strategisch kalkulieren, steuerliche Vorteile nutzen und die Praxis effizient führen.

FAQ: Reinertrag vs. Gewinn

Was ist der Unterschied zwischen Reinertrag und Gewinn?

Reinertrag = Einnahmen – Betriebsausgaben.
Gewinn = Reinertrag – Steuern – Sozialabgaben – Vorsorge.

Wie hoch ist der durchschnittliche Reinertrag laut Destatis?

Rund 357.000 Euro, Median 242.000 Euro (Daten 2023, veröffentlicht 2025).

Wie viel bleibt Ärzten mit eigener Praxis netto übrig?

Etwa 55 bis 65 Prozent des Reinertrags, also 120.000 bis 140.000 Euro netto jährlich.

Welche Faktoren beeinflussen das Einkommen am stärksten?

Fachrichtung, Standort, Privatpatientenanteil, Praxisgröße und Personalkosten.

Wie entwickeln sich die Einkommen der Ärztinnen und Ärzte mit eigener Praxis?

Nominal leicht steigend, real jedoch stagnierend – wegen höherer Betriebskosten und Inflation.

Wer verdient besser: Angestellte vs. niedergelassene Ärzte?

Angestellte Ärzte: Geringeres Risiko, weniger Arbeitsstunden, etwa 120.000-150.000 € brutto jährlich. Niedergelassene: Höheres Risiko, mehr Arbeitsstunden, ähnliches oder etwas höheres Nettoeinkommen.

Wie entwickeln sich die Einkommen?

Nominal leicht steigend, real oft stagnierend oder sinkend durch überproportional steigende Betriebskosten.

Quellen:

Statistisches Bundesamt (Destatis)

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

Bundesärztekammer – Ärztestatistik 2025

KfW‑Gründungsmonitor 2025

VDI Gehaltsstudie 2025 / Statista 2025

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