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FAQ & Glossar
Inhaltsverzeichnis

Was sind Leukozyten?

Leukozyten, umgangssprachlich auch weiße Blutkörperchen genannt, sind kernhaltige Blutzellen, die überwiegend im Knochenmark gebildet werden und eine zentrale Rolle in der angeborenen und adaptiven Immunabwehr spielen. Sie schützen den Organismus vor Krankheitserregern, körperfremden Substanzen und entarteten Zellen. Im Gegensatz zu den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Leukozyten keinen Sauerstoff.

In einem gesunden Organismus zirkulieren Leukozyten im Blut und in den Lymphgefäßen. Bei Bedarf, etwa im Rahmen einer Infektion oder bei einer Entzündungsreaktion, wandern sie aktiv ins Gewebe aus (Diapedese) und übernehmen dort unterschiedliche Aufgaben der Immunabwehr sowie der Immunregulation.

Arten von Leukozyten und ihre Funktionen

Leukozyten sind keine homogene Zellgruppe. Das Differentialblutbild unterscheidet fünf Haupttypen, die jeweils spezifische Aufgaben im Immunsystem erfüllen.

Zelltyp

Normaler Anteil

Hauptfunktion

Neutrophile Granulozyten

50–70 %

Unspezifische Abwehr, Phagozytose von Bakterien

Lymphozyten

20–40 %

Spezifische Immunantwort (B- und T-Zellen), Antikörperproduktion

Monozyten

2–8 %

Phagozytose, Antigenpräsentation, Gewebereparatur

Eosinophile Granulozyten

1–4 %

Abwehr von Parasiten, Beteiligung an allergischen Reaktionen

Basophile Granulozyten

< 1 %

Freisetzung von Histamin, Beteiligung an Entzündungsreaktionen

Klinische Relevanz: Nicht nur die Gesamtzahl der Leukozyten, sondern auch die Verteilung der Subpopulationen im Differentialblutbild ist diagnostisch entscheidend. Eine Linksverschiebung – also ein erhöhter Anteil unreifer Neutrophiler (Stabkernige) – ist ein klassisches Zeichen einer bakteriellen Infektion.

Normalwerte der Leukozyten

Der Referenzbereich für Leukozyten bei Erwachsenen liegt bei: 4.000–10.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut (µl), entspricht: 4,0–10,0 × 10⁹/l

Normalwerte nach Altersgruppe

Altersgruppe

Referenzbereich

Neugeborene

9.000–30.000/µl

Säuglinge (6 Monate)

6.000–17.500/µl

Kinder (4–7 Jahre)

5.000–15.000/µl

Schulkinder (8–14 Jahre)

4.500–13.500/µl

Erwachsene

4.000–10.000/µl

Schwangerschaft (3. Trimenon)

bis etwa 16.000/µl, in Einzelfällen auch darüber

Wichtig: Laborinterne Referenzbereiche können leicht variieren. Werte sollten stets im klinischen Gesamtkontext interpretiert werden.

Leukozyten erhöht: Leukozytose

Von einer Leukozytose spricht man, wenn die Leukozytenzahl den oberen Referenzbereich überschreitet, bei Erwachsenen typischerweise also über 10.000/µl liegt. Deutlich erhöhte Werte – beispielsweise über 30.000/µl – sind ungewöhnlich und sollten sorgfältig diagnostisch abgeklärt werden. Die Ursachen reichen von harmlosen physiologischen Reaktionen bis hin zu schweren hämatologischen Erkrankungen.

Häufige Ursachen einer Leukozytose

Reaktive (sekundäre) Leukozytose – häufigste Form:

  • Bakterielle Infektionen (z. B. Pneumonie, Appendizitis, Sepsis)

  • Gewebsnekrosen (z. B. nach Myokardinfarkt)

  • Systemische Entzündungsreaktionen

  • Körperlicher oder psychischer Stress

  • Kortikosteroid-Therapie

  • Schwangerschaft und Wehen

  • Rauchen

  • Milzentfernung (Splenektomie)

Primäre (hämatologische) Ursachen – selten, aber wichtig:

  • Akute myeloische Leukämie (AML)

  • Chronische myeloische Leukämie (CML)

  • Lymphome

  • Myeloproliferative Erkrankungen

Wann ist eine Leukozytose ein Warnsignal?

Eine isolierte, mäßige Leukozytose bei eindeutigem Infektfokus ist häufig Ausdruck einer normalen Immunreaktion. Folgende Konstellationen erfordern jedoch eine weiterführende Diagnostik:

  • Leukozytose > 30.000/µl ohne klaren Infektfokus

  • Persistierende Leukozytose nach Abklingen einer Infektion

  • Gleichzeitige Anämie und/oder Thrombozytopenie

  • Vorhandensein von Blasten im Differentialblutbild

  • Begleitsymptome wie B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) [leukozyten...wirtschaft | Word]

Leukozyten erniedrigt: Leukopenie

Eine Leukopenie liegt vor, wenn die Leukozytenzahl unter 4.000/µl fällt. Besonders klinisch relevant ist die Neutropenie (Neutrophile < 1.500/µl), da diese mit einem deutlich erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist.

Schweregrade der Neutropenie

Schweregrad

Neutrophile absolut

Klinische Relevanz

Leicht

1.000–1.500/µl

Gering erhöhtes Infektionsrisiko

Mäßig

500–1.000/µl

Deutlich erhöhtes Infektionsrisiko

Schwer

< 500/µl

Hohes Risiko schwerer Infektionen

Agranulozytose

< 100/µl

Lebensbedrohlich

 

Häufige Ursachen einer Leukopenie

  • Virale Infektionen: Influenza, HIV, EBV, Hepatitis

  • Medikamente: Zytostatika, Antibiotika (z. B. Cotrimoxazol), Thyreostatika, bestimmte Antiepileptika

  • Autoimmunerkrankungen: Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis

  • Knochenmarkerkrankungen: Aplastische Anämie, Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

  • Mangelzustände: Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

  • Hypersplenismus: Milzüberaktivität

Klinische Konsequenzen

Patienten mit schwerer Leukopenie sind infektionsgefährdet. Besonders bedeutsam ist dabei die Neutropenie, da das Risiko bakterieller und opportunistischer Infektionen eng mit der Zahl der neutrophilen Granulozyten verknüpft ist. Je niedriger die absolute Neutrophilenzahl und je länger die Neutropenie anhält, desto höher ist das Risiko für schwerwiegende Infektionsverläufe.

Bei Patienten unter Chemotherapie ist daher ein engmaschiges Blutbild- beziehungsweise Leukozyten-Monitoring ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. So können therapiebedingte Veränderungen frühzeitig erkannt und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden.

Leukozyten bestimmen: Der Blutbefund in der Praxis

Wie wird gemessen?

Die Bestimmung erfolgt als Teil des kleinen oder großen Blutbildes (auch: CBC – Complete Blood Count). Moderne Hämatologieanalysatoren zählen die Leukozyten automatisch und liefern in wenigen Minuten das Ergebnis. Das Differentialblutbild – manuell oder automatisiert – schlüsselt zusätzlich die einzelnen Subpopulationen auf.

Was lese ich im Befund?

Im Befund erscheinen Leukozyten typischerweise als:

  • WBC (White Blood Cells) – Gesamtleukozytenzahl

  • NEUT, LYMPH, MONO, EOS, BASO – Subpopulationen in Prozent oder als Absolutwert

Wann sind weitere Untersuchungen fällig?

Ärzte werden weitere Untersuchungen vornehmen, wenn:

  • Blutbildveränderungen mit Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust oder häufigen Infekten einhergehen

  • Befunde außerhalb des Referenzbereichs ohne bekannte Ursache vorliegen

  • Ein Kontrollblutbild auffällige Persistenz zeigt [leukozyten...wirtschaft | Word]

Leukozyten im Urin: Ein Sonderfall

Werden Leukozyten nicht im Blut, sondern im Urin nachgewiesen (Leukozyturie), handelt es sich um einen eigenständigen Befund mit anderer klinischer Bedeutung. In der Regel weist er auf eine Entzündung der Harnwege hin. Die häufigste Ursache ist eine Harnwegsinfektion (HWI). Typischerweise werden Werte von mehr als 10 Leukozyten pro Mikroliter Urin beziehungsweise ein positiver Leukozytenesterase-Nachweis im Urinteststreifen als auffällig gewertet.

Häufige Patienten-Fragen zu Leukozyten (FAQ)

Wie viele Leukozyten sind normal?

Bei Erwachsenen gelten 4.000 bis 10.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut als Normalbereich. Bei Kindern und in der Schwangerschaft liegen die Referenzwerte höher.

Können Leukozyten durch Stress steigen?

Ja. Akuter körperlicher oder psychischer Stress führt über die Ausschüttung von Kortisol und Katecholaminen zu einer vorübergehenden Leukozytose. Diese ist physiologisch und in der Regel nicht krankheitswertig.

Was bedeutet es, wenn Leukozyten dauerhaft erhöht sind?

Eine persistierende Leukozytose ohne erklärbaren Infektfokus sollte hämatologisch abgeklärt werden, um eine primäre Erkrankung des blutbildenden Systems, beispielsweise eine Leukämie, auszuschließen.

Was ist der Unterschied zwischen Leukozyten und Lymphozyten?

Lymphozyten sind eine Untergruppe der Leukozyten. Sie machen etwa 20 bis 40 Prozent aller weißen Blutkörperchen aus und sind für die spezifische Immunantwort verantwortlich.

Leukozyten erhöht – muss ich sofort zum Arzt?

Nicht zwingend. Ein einmalig leicht erhöhter Wert im Rahmen eines Infekts ist häufig und meist harmlos. Bestehen jedoch weitere Symptome oder normalisieren sich die Werte nach Abklingen des Infekts nicht, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll

Was bedeuten Leukozyten im Urin?

Leukozyten im Urin (Leukozyturie) sind ein Hinweis auf eine Entzündung der Harnwege, häufig eine Blasenentzündung oder Nierenbeckenentzündung. Eine weiterführende Urinuntersuchung oder Urinkultur kann zur Diagnosesicherung beitragen

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Empfehlungen zur hämatologischen Diagnostik

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

Herold, G. et al.: Innere Medizin (aktuelle Auflage), Gerd Herold Verlag

WHO Classification of Haematolymphoid Tumours

AMBOSS: Leukozytose, Leukopenie und Differentialblutbild