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Welche Regeln gelten im Ramadan?

Dieses Jahr beginnt der Ramadan am Abend des 18. Februar und endet am Abend des 19. März 2026. Während dieses Fastenmonats essen und trinken gläubige Musliminnen und Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts.

Für Menschen muslimischen Glaubens mit Diabetes stellt das kulturell und religiös tief verwurzelte Fasten in dieser Zeit eine physiologische Herausforderung dar, der sich viele trotz der Erkrankung stellen wollen. Auch das Zuckerfest am Ende der Fastenzeit verdient ärztliche Beratung.

Alternativen zum Fasten sind für Diabetiker möglich

Bei Menschen mit Diabetes, insbesondere bei Insulintherapie oder der Einnahme bestimmter oraler Medikamente, besteht nun die Gefahr einer Hypoglykämie. Ein weiteres ernsthaftes Problem kann die Dehydrierung während längerer Fastenperioden darstellen. Abends nach dem Fasten können üppige Mahlzeiten zu postprandialen Hyperglykämien führen.

Eine individuelle ärztliche Beratung ist also wichtig. Schließlich ist nicht jeder Diabetiker gleich; Faktoren wie die Art der Diabetesbehandlung, der Grad der Krankheitskontrolle und das Vorliegen von Komplikationen spielen bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle. Die Beratung vor dem Fasten sollte also eine persönliche Risikoabschätzung, die Anpassung der Medikation und die Planung der Blutzuckereinstellung beinhalten. Bei hohem Risiko sieht der Koran die Möglichkeit vor, alternativ zum Fasten täglich einen Armen zu speisen oder einen entsprechenden Geldbetrag zu spenden. Denn ein wesentliches Ziel der Fastenzeit ist die Besinnung auf die Barmherzigkeit.

Hilfreiche Ernährungstipps für fastende Diabetiker

Vor dem Ramadan ist es für Menschen mit Diabetes sinnvoll, einige Tage probeweise zu fasten, das empfiehlt die Deutsche Diabetes-Hilfe. So zeigt sich, ob der Körper die Belastung verkraftet. Eine ausgewogene Ernährung mit langkettigen Kohlenhydraten und Ballaststoffen während Sahur (vor Sonnenaufgang) und Iftar (nach Sonnenuntergang) hilft, Blutzuckerschwankungen einzudämmen. Dabei sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse zu bevorzugen. Der übermäßige Verzehr von fett- und zuckerreichen Lebensmitteln sollte vermieden werden. Hilfreich kann der Hinweis sein, auch in dieser Zeit maßvoll zu essen, zumal es im Ramadan auch um Disziplin geht.

Überwachung des Blutzuckerspiegels ist auch beim Beten wichtig

Eine regelmäßige Überwachung des Blutzuckerspiegels während des Fastens ist unerlässlich, um Hypo- und Hyperglykämien rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, unter welchen Umständen das Fasten abgebrochen werden muss, insbesondere bei Anzeichen von Hypoglykämie, Dehydratation oder anderen Komplikationen. Ein weiterer Hinweis kann sich auf das Tarawih-Gebet beziehen. Da sich die Gläubigen dabei verbeugen, aufstehen und wieder niederwerfen, kann dies sehr anstrengend sein. Die Gefahr einer Dehydrierung oder Unterzuckerung steigt. Diabetiker sollten zur Sicherheit eine Flasche Wasser und Glukose mitnehmen.

Diese Ausnahmen und Alternativen vom Fasten sind möglich

Menschen mit schlecht eingestelltem Diabetes und jene, die an Komplikationen wie Fußproblemen oder Schäden an Nieren oder Augen leiden, sind häufig vom Fasten ausgeschlossen. Ein Gespräch mit dem Imam zeigt, wie sie auf andere Weise ihrer Glaubensverpflichtung nachkommen können. Auch akut Kranke, Kinder, Schwangere, Stillende und Frauen während der Menstruation brauchen nicht zu fasten. Reisende können das Fasten nachholen. Bei älteren Menschen ist das Fasten freiwillig und das Risiko individuell zu beurteilen, je nach Vorliegen von Komorbiditäten, Altersschwäche oder kognitiven Einschränkungen.

FAQ zu Fasten mit Diabetes während des Ramadans

Dürfen Menschen mit Diabetes während des Ramadans fasten?

Menschen mit Diabetes sind nicht zum Fasten während des Ramadans verpflichtet – wie auch andere Personen, deren Gesundheit durch das Fasten gefährdet werden könnte. Das Fasten kann für Menschen mit Diabetes das Risiko für Unter- oder Überzuckerungen (Hypo- und Hyperglykämien) sowie für eine diabetische Ketoazidose erhöhen. Besonders wenn Ramadan in die Sommermonate fällt, kann auch das Risiko für Dehydration erhöht sein. Sowohl in Deutschland als auch weltweit entscheiden sich viele muslimische Menschen mit Diabetes, am Fasten teilzunehmen.

Zu den Menschen mit Diabetes, die ein besonders hohes Risiko für Komplikationen durch das Fasten haben, gehören laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Menschen mit Typ-1-Diabetes, Schwangere mit Schwangerschaftsdiabetes oder Menschen mit schweren diabetischen Folgeerkrankungen wie Nieren- oder Herzproblemen. Da das eigene Risiko sehr individuell sein kann und viele verschiedene Faktoren in die Risikoabschätzung mit einfließen, ist es wichtig, rechtzeitig vor dem Ramadan einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.

Personen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht fasten können, können Fidya leisten, eine Ersatzleistung, etwa in Form einer Geldspende an bedürftige Personen.

Wann sollte die ärztliche Beratung vor dem Ramadan bei Diabetes stattfinden?

Die DDG empfiehlt, rechtzeitig mit einem Arzt oder einer Ärztin zu sprechen. Vier bis sechs Wochen vor dem Ramadan sollte die Therapie bestenfalls überprüft und angepasst werden. Eine umfassende Leitlinie der International Diabetes Federation (IDF) und der Diabetes and Ramadan (DAR) International Alliance von 2021 empfiehlt außerdem, mit der Medizinerin oder dem Mediziner die Ernährung während des Fastenmonats zu besprechen.

Bei welchen Blutzuckerwerten sollten Menschen mit Diabetes das Fasten abbrechen?

Das Fasten sollte unterbrochen werden, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dl sinkt oder auf über 300 mg/dl steigt. Außerdem unterbrochen werden sollte das Fasten laut DDG bei Symptomen wie Zittern, Schwindel, häufigem Wasserlassen, Müdigkeit, Verwirrtheit und Übelkeit.

Können Menschen mit Typ-1-Diabetes während des Ramadans fasten?

Besonders Menschen mit Typ-1-Diabetes wird vom Fasten eher abgeraten, da sie ein hohes bis sehr hohes Risiko für Komplikationen wie Hypoglykämie, Hyperglykämie und Dehydration haben. „Das Risiko für schwere Unterzuckerungen ist während des Ramadans fast fünfmal so hoch wie im restlichen Jahr“, sagt Dr. med. Alain Barakat, stellvertretender Vorsitzender der AG Diabetes & Migration, in einer Pressemitteilung der DDG, “Wer dennoch fasten möchte, sollte dies nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle und mit kontinuierlichem Glukosemonitoring tun.”

Können Menschen mit Typ-2-Diabetes während des Ramadans fasten?

Wollen Menschen mit Typ-2-Diabetes fasten, sollten sie ihren Blutzuckerspiegel gut im Blick haben und ihr gesundheitliches Risiko niedrig sein, so die DDG. Die Gesellschaft empfiehlt, den Blutzucker regelmäßig zu messen. Da viele weitere Faktoren neben dem Diabetes-Typ für die Abschätzung des Risikos relevant sind, sollte außerdem ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.

Welche Faktoren beeinflussen das Risiko beim Fasten während Ramadan bei Diabetes?

Viele verschiedene Aspekte beeinflussen das Risiko von Menschen mit Diabetes beim Fasten. Die ausführliche Leitlinie der IDF und der DAR bietet Ärztinnen und Ärzten detaillierte Informationen zu der Risikoabwägung. In die Abwägung fließen etwa der Typ der Diabetes mit ein, aber auch die Dauer des Diabetes, die glykämische Kontrolle, die Art der Therapie, vergangene Komplikationen, das Vorhandensein von mikrovaskulären Dysfunktionen sowie Nierenproblemen, Schwangerschaft, die Gebrechlichkeit, Beruf und frühere Erfahrungen mit dem Fasten während Ramadan.

Auch der Zeitraum, in den Ramadan im betreffenden Jahr fällt, sollte in die Risikoabschätzung mit einfließen. Da Ramadan sich nach dem islamischen Mondkalender richtet, verschiebt sich der Zeitraum jedes Jahr um etwa 10-11 Tage. Findet Ramadan im Sommer statt, ist somit die Tageslänge - und damit auch die Fastenzeit – deutlich länger als im Winter. Das Risiko für besonders vulnerable Personen mit Diabetes kann damit in bestimmten Jahren erhöht sein, wie die IDF und die DAR schreiben. In skandinavischen Ländern etwa kann die Fastenperiode im Sommer mehr als 17 Stunden dauern.

Wie wirkt sich das Fasten auf den Körper aus?

Das Fasten während des Ramadans wirkt sich auf die unterschiedlichsten Arten auf den Körper aus – von hormonellen Veränderungen über Veränderungen der Gesamtschlafzeit bis zu Veränderungen des Körpergewichts. Das hat auch Auswirkungen auf Menschen mit Diabetes.

Die internationale Leitlinie der IDF und der DAR gibt einen ausführlichen Überblick über die Studienlage. Interessierte können das betreffende Kapitel hier einsehen. “Das Fasten während des Monats Ramadan kann zu dramatischen Veränderungen der Essenszeiten, der Flüssigkeitsaufnahme, der Schlafgewohnheiten und des Tagesrhythmus führen”, schreiben die Autoren der Leitlinie zusammenfassend. Das hat unter anderem Auswirkungen auf Hormonspiegel im Körper, etwa auf die Insulinresistenz und Glucagonwerte, aber auch auf Cortisol, Adiponectin und Leptin.

Welche Ernährung wird für Menschen mit Diabetes während des Ramadans empfohlen?

Während des Fastens auf eine gesunde Ernährung zu achten, ist für Menschen mit Diabetes besonders wichtig, da sich dadurch viele der Risiken des Fastens reduzieren lassen, wie die IDF und die DAR schreiben. Menschen mit Diabetes, die während des Ramadans fasten, sollten möglichst ausgewogene Mahlzeiten mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und magerem Eiweiß zu sich nehmen, empfiehlt die DDG. Kohlenhydrate sowie süße und fettige Speisen sollten nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Außerdem empfiehlt die DDG nach Sonnenuntergang viel Wasser und ungesüßten Tee zu trinken, um einer Dehydrierung vorzubeugen. Detailliertere Empfehlungen finden Interessierte auch in der Leitlinie der IDF und der DAR.

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