Beförderung zur Praxismanagerin – So vermeiden Sie Stolperfallen
Judith MeisterWer zur Praxismanagerin aufsteigt, hat allen Grund zur Freude: In der Regel geht die Beförderung mit mehr Gehalt, mehr Verantwortung, besserer Weiterbildung und spannenderen Aufgaben einher. Doch was ist zu beachten, damit der Umgang mit alten Kollegen durch den Karriereschritt nicht zur Zerreißprobe wird?
Es ist eine schöne Anerkennung, wenn der Chef das Engagement und den Fleiß einer MFA anerkennt und ihr neue Aufgaben oder sogar die Führung des gesamten Teams überlässt. Eigentlich. Denn bei aller Freude über den Karrieresprung stehen viele frisch Beförderte vor großen Problemen.
Die Kollegen, mit denen sie über Jahre hinweg auf Augenhöhe gearbeitet haben, stehen plötzlich eine Hierarchiestufe unter ihnen. Das kann nicht nur zur Zerreißprobe für zwischenmenschliche Beziehungen werden. Der richtige Umgang mit dem Team und eine kluge Kommunikation sind vielfach auch der Gradmesser für den Erfolg oder Misserfolg der frischgebackenen Führungskraft. Entsprechend wichtig ist es, hier von Anfang an mit Bedacht zu agieren.
Zeitnah und gemeinsam mit dem Chef über Veränderung informieren
Es gibt Personalentscheidungen, die kommen überraschend – und solche, die man seit langem kommen sieht. Wenn es darum geht, das Team über die neuen Strukturen zu informieren, sollten der Praxischef und die Aufsteigerin aber in jedem der beiden Fälle als Einheit agieren.
Um den Flurfunk zu beruhigen und Gerüchte gar nicht erst entstehen zu lassen, ist es ratsam, möglichst zeitnah nach der Entscheidung gemeinsam vor das gesamte Team zu treten, und die Neuigkeiten zu verkünden. Nicht empfehlenswert ist es hingegen, jeden Mitarbeiter gesondert zu Einzelgesprächen zu bitten. In solchen Konstellationen besteht immer die Gefahr undichter Stellen und die Kommunikationsstrategie hat genau den entgegengesetzten zum gewünschten Effekt.
Das bedeutet nicht, dass Vier-Augen-Gespräche grundsätzlich unterbleiben sollten. Im Gegenteil. Coaches raten sogar dringend dazu, die alten Kollegen peu à peu zum Einzeltreffen einzuladen, um deren Erwartungen abzufragen und die Stimmung zu erfühlen.
Wichtig sind solche Unterredungen vor allem in Konstellationen, in denen es mehrere Bewerber um den Führungsposten gab.
Privates und Berufliches im Umgang mit den Kollegen trennen
Nicht ganz einfach ist auch die Frage, ob sich liebgewonnene Traditionen, wie das gemeinsame Mittagessen oder gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den Kollegen, auch in der neuen Funktion fortführen lassen. Grundsätzlich gilt, dass die Übernahme einer Führungsposition nicht das gesamte Leben der Beförderten auf den Kopf stellen sollte. Wer also vorher gut befreundet mit den Kollegen war, sollte idealerweise auch nach der Beförderung ein enges Verhältnis pflegen. Wichtig ist es nur, private und berufliche Lebenswelten möglichst klar zu trennen.
Auch hier ist eine gute und offene Kommunikation das A und O. Zudem sollten sich alle Beteiligten etwas Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen und etwaige Probleme/Missstimmungen offen ansprechen.
Neue Aufgaben priorisieren
Der wohl am häufigsten gemachte Fehler ist es allerdings, wenn Aufsteigerinnen ihre neue Aufgabe falsch definieren und versuchen, neben ihren Führungsaufgaben auch operativ noch möglichst viel zu erledigen. Um die neue Position optimal auszufüllen, raten Coaches daher zu einer klaren Priorisierung auf die neuen Aufgaben und zur (weitgehenden) Delegation des klassischen Tagesgeschäfts auf die früheren Kollegen.