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Allgemeinmedizin

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht zunächst Windpocken und zieht sich dann in seiner latenten Phase in die Spinal- beziehungsweise Hirnnervenganglien zurück. Bei einer Reaktivierung ruft das neurotrope Virus einen Herpes zoster hervor. Meist sind immungeschwächte und ältere Personen betroffen, es können aber auch immunkompetente Menschen jeden Alters erkranken. Bei Kindern verläuft die Erkrankung meist mild, Erwachsene können jedoch große Schmerzen durch eine akute Neuritis entwickeln. Selbst nach dem Abheilen können die Schmerzen langfristig bestehen bleiben (postherpetische Neuralgie). Bei immundefizienten Personen kann es zudem zu lebensbedrohlichen Verläufen kommen. 

STIKO-Empfehlung: Herpes-zoster-Impfung ab 18 Jahren

Seit Ende 2025 hat die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung zur Herpes-zoster-Impfung mit dem adjuvantierten Subunit-Totimpfstoff erweitert, sodass nun bereits Erwachsene ab 18 Jahren mit erhöhtem Erkrankungsrisiko geimpft werden sollten. Dazu gehören jene mit Immunsuppression, Autoimmunerkrankungen oder mit schweren Ausprägungen von spezifischen chronischen Grunderkrankungen. Zuvor galt die Impfempfehlung erst ab einem Alter von 50 Jahren.

Herpes-zoster-Impfung schützt vor Demenz und kognitiver Beeinträchtigung

Die Herpes-zoster-Impfung kann zudem womöglich vor Demenzerkrankungen schützen. Ein internationales Forschungsteam konnte anhand natürlicher Experimente in Wales, Großbritannien, zeigen, dass die Impfung mit einem attenuierten Herpes-zoster-Lebendimpfstoff eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) und Demenz verhindert oder verzögert sowie den Krankheitsverlauf bei Menschen, die bereits an Demenz leiden, verlangsamt. Die Forschenden nutzten den Umstand, dass im Rahmen eines Impfprogramms des UK’s National Health Service in Wales die Impfung abhängig vom Geburtsdatum verabreicht wurde. Das Risiko für 80-Jährige, die eine Impfung erhalten konnten, im Verlauf von neun Jahren eine MCI zu entwickeln, sank um 3,1 Prozentpunkte im Vergleich zu den nicht geimpften 80-Jährigen. Hatten die Personen bereits vor der Impfung eine Demenz aufgewiesen, sank deren Risiko, an der Erkrankung im Studienzeitraum zu sterben, um 29,5 Prozentpunkte. Die positiven Effekte der Impfung zeigten sich für Frauen deutlicher als für Männer. 

Wie die Impfung neurologische Prozesse beeinflusst: Der Wirkmechanismus

Die Herpes-zoster-Impfung könnte demnach eine Demenzerkrankung verhindern oder deren Verlauf verlangsamen, indem diese die virusinduzierten pathophysiologischen Prozesse aufhält. Denn vermutlich treibt das Varizella-Zoster-Virus Entzündungen im peripheren und zentralen Nervensystem an. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Virus bei Amyloidablagerungen und der Aggregation von Tau-Proteinen sowie bei zerebrovaskulären Erkrankungen eine Rolle spielt.

Zügig antiviral therapieren

Zwar heilt die Gürtelrose bei immunkompetenten Menschen meist nach wenigen Wochen von selbst ab, trotzdem ist eine frühzeitige antivirale Therapie (mit Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir, Brivudin) sinnvoll, um die Symptome schneller zu lindern sowie Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden.

Quellen:

Xie M et al. Cell 2025;188:7049–7064.e20

RKI. Epidemiologisches­ Bulletin 45/2025

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