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Dermatologie
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Was sind Genitalwarzen (Feigwarzen) und wie häufig kommen sie vor?

Genitalwarzen, Feigwarzen oder Kondylome, medizinisch korrekt Condylomata acuminata, bezeichnen alle dieselbe Erkrankung. Diese Warzen sind eine der weltweit häufigsten, sexuell übertragbaren Krankheiten. Wie hoch die Fallzahlen genau sind, lässt sich schwer sagen, da es keine Meldepflicht für Genitalwarzen gibt. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass zwischen ein bis fünf Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen zwischen 15 und 50 Jahren einmal im Leben davon betroffen sind. Vor allem Männer zwischen 20 und 29 Jahren und Frauen zwischen 20 und 24 Jahren haben die höchsten Erkrankungsraten. In Deutschland erkranken etwa 170 von 100.000 Menschen pro Jahr.

Mit welchen Symptomen äußern sich Feigwarzen?

Kondylome sind kleine, weiche Hauttumoren von ein bis fünf Millimeter Größe, oft blumenkohlartig, die entweder breit aufliegen oder gestielt sein können. Sie sind hautfarben oder auch etwas dunkler. Im weiteren Verlauf, vor allem auch bei Menschen mit Immunsuppression, wachsen sie häufig zusammen und können Konglomerate bilden. Normalerweise sind Genitalwarzen schmerzlos. Bei ausgedehnterem Befund können sie aber auch leichten Juckreiz, Brennen oder Schmerzen beim Sexualverkehr verursachen.

An welchen Körperstellen treten Genitalwarzen auf?

Lokalisiert sind Feigwarzen bei Frauen an Vulva, Vagina, dem Gebärmutterhals und der Harnröhre. Bei Männern treten sie vor allem an der Glans Penis, dem Präputium, dem Frenulum und ebenfalls der Harnröhre auf. Bei beiden Geschlechtern können sich die Warzen perianal und ins Rektum ausbreiten. Und auch im Mund kommen sie vor.

Welche HPV-Typen verursachen Kondylome?

Ursache der Genitalwarzen sind Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) – in den meisten Fällen durch die HPV-Typen 6 und 11. Sie gehören zu den sogenannten Niedrigrisiko-Typen, während die Hochrisiko-Typen zu Krebs führen können. Inzwischen sind über 200 unterschiedliche HPV-Typen bekannt, die Haut- und Schleimhäute infizieren können.

Wie werden Feigwarzen übertragen?

Die Ansteckung erfolgt durch Haut- und Schleimhautkontakt über winzigste Verletzungen. In den meisten Fällen werden die Viren beim Geschlechtsverkehr übertragen, aber auch Schmierinfektionen kommen vor. Ebenso die Übertragung von der Mutter auf ihr Neugeborenes während der Geburt. Die Inkubationszeit beträgt zwischen wenigen Wochen bis mehreren Monaten.

Riskofaktoren sind frühe, erste Sexualkontakte, häufig wechselnde Sexualpartner, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Immunsuppression, weitere Geschlechtskrankheiten und Nikotinabusus.

So werden Genitalwarzen diagnostiziert

Die Diagnosestellung erfolgt anhand von Anamnese und klinischer Untersuchung. Mithilfe einer weiterführenden endoskopischen Untersuchung kann gegebenenfalls ein Befall von Rektum, Zervix und Urethra ausgeschlossen werden. In unklaren Fällen kommt ein Essigsäuretest oder ein Abstrich bzw. eine Probenentnahme zur Bestimmung der Erreger in Betracht.

Die Therapie von Kondylomen richtet sich nach dem Ausmaß

Es kommt vor, dass Genitalwarzen, ebenso wie andere Warzen, wieder von alleine verschwinden. Aufgrund der starken Kontagiosität ist dennoch eine frühzeitige und individuell auf den Patienten abgestimmte Behandlung angezeigt.

In leichteren Fällen kann eine lokale Therapie mit Imiquimod, Podophyllotoxin oder Grünteeblätterextrakt ausreichen. Wichtig dabei ist, dass die Patienten sie lange genug durchführen.

Bei ausgeprägterem Befall oder wenn auch im Rektum, der Zervix oder in der Urethra Feigwarzen vorhanden sind, kann zusätzlich eine chirurgische Therapie notwendig sein. Möglich sind die Abtragung mit dem Elektrokauter, Kürrettage, Exzision, Kryo- oder Lasertherapie.

Safer Sex bis drei Monate nach Therapieende

Die Patienten müssen während der ganzen Behandlungszeit bis drei Monate danach darauf achten, Kondome oder Femidome beim Geschlechtsverkehr zu verwenden. Allerdings ist dadurch kein 100-prozentiger Schutz gewährleistet, da nicht alle Hautareale, die beim Sex in Kontakt kommen, bedeckt sind.

So können Ärzte ihre Patienten unterstützen

Genitalwarzen und auch ihre Behandlung sind für betroffene Menschen sehr belastend: Häufig schämen sie sich, haben Ängste, Probleme beim Sexualverkehr und dadurch ausgelöst Schwierigkeiten mit ihren Partnern. Ärzte können ihren Patienten in dieser schwierigen Zeit helfen, indem sie sie einfühlsam, nicht wertend und medizinisch kompetent begleiten:

  • Umfassende Informationen helfen, Ängste zu nehmen

  • Aufklärung über Ansteckungswege kann die Weiterverbreitung verringern

  • Anbieten, Partner ebenfalls zu untersuchen und zu informieren

  • Einbeziehung der Patienten in die Auswahl der Behandlung erhöht die Therapietreue

  • Informieren, dass Rezidive häufig vorkommen und dass deshalb regelmäßige Nachuntersuchungen wichtig sind

  • Über Prävention durch HPV-Impfung aufklären, gegebenenfalls impfen

  • Raum für Fragen geben

Prävention: Wie die HPV-Impfung vor Genitalwarzen schützt

Tatsächlich beugt die HPV-Impfung, die Ständige Impfkommission (STIKO) für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 14 Jahren empfiehlt, nicht nur einem späteren Zervixkarzinom vor, sondern auch einer Infektion mit Feigwarzen. Das haben verschiedene Studien gezeigt. In einer schwedischen Studie verringerte sich die Inzidenz von Genitalwarzen bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren um 73 Prozent und bei Frauen zwischen 25 und 29 Jahren um 50 Prozent. Zahlen des Robert Koch-Instituts belegen allerdings, dass immer noch zu wenig Jugendliche geimpft sind. 2025 waren nur 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen vollständig geimpft und 36 Prozent der 15-jährigen Jungen. Bei den Mädchen stagnieren die Zahlen seit 2022, während sie bei den Jungen weiter ansteigen.

Fazit

Der Umgang mit Patienten, die an Kondylomen leiden, sollte durch Fachwissen, Empathie und Augenhöhe geprägt sein. Neben der medizinischen Behandlung ist psychologische Unterstützung und verständliche Information entscheidend.

 Quellen:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft DDG

Astorga Alsina AM et al. J Infect Dis. 2025;232(1):e54-e63. doi: 10.1093/infdis/jiaf052. PMID: 39879631; PMCID: PMC12308650

Epidemiologisches Bulletin 50/25