Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Gynäkologie
Inhaltsverzeichnis

Die Wechseljahre sind in aller Munde, werden in Talk-Shows und Ratgebern besprochen. Neben einem großen Markt an Medien bieten immer mehr Berater, Coaches und andere Berufsgruppen im Feld der Komplementärmedizin Hilfe bei Beschwerden an. Die Angebote gehen dabei weit über Ernährungsberatung, Lifestyle-Coaching, Tipps zu Entspannungsübungen und Krafttraining für den Muskelerhalt hinaus: Beratungspakete und Programme umfassen auch die Bestimmung von Hormonspiegeln. Auch bei Kinderwunsch oder Beschwerden wie Zyklusstörungen oder Stimmungsschwankungen werden für alle Altersgruppen maßgeschneiderte Selbsttests angeboten.

Wie funktionieren Hormon-Selbsttests für zu Hause?

Bei Selbsttests werden klassische Methoden der Laboranalytik eingesetzt. Das geht je nach Anbieter und Hormonpanel per Trockenbluttest mit Kapillarblut aus der Fingerkuppe, kleinen Röhrchen für Blut-, Speichel- oder Urinproben zum Einschicken. Die Test-Kits enthalten alles, was man braucht, auch den Rückumschlag für die Post an das Hormonlabor. Die Angebote wollen den Interessentinnen die Probenentnahme und das Handling so einfach wie möglich machen. 

Präanalytik, Probenstabilität und zirkadiane Schwankungen als Fehlerquellen

Doch selbst wenn die Testverfahren der modernen Laboranalytik mit Qualitätskontrollen validiert sind: Bei den Angeboten ist oft unklar, welche Testverfahren eingesetzt werden – wichtige Hintergrundinformationen zur Einordnung der Ergebnisse fehlen. Hormonspiegel zeigen zirkadiane Schwankungen, was durch Mehrfachproben und Mittelwerte ausgeglichen werden könnte. Doch mögliche Anwendungsfehler oder die Stabilität der Proben beim Transport bleiben unkalkulierbare Variablen. 

Bequem, aber unsicher: DGE rät von Hormon-Selbsttests ab

Hormon-Selbsttests für zu Hause versprechen schnelle Klarheit über den aktuellen Hormonstatus. Doch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE) rät von der Nutzung dieser Selbsttests ab, da die Ergebnisse nicht valide seien. Die Fachgesellschaft empfiehlt bei Fragen zum Hormonstatus die endokrinologische Fachpraxis. Ob Endokrinologie oder Gynäkologie: Wichtig ist, Patientinnen nicht nur mit Laborwerten zu konfrontieren, sondern die Messwerte auch entsprechend ihrer Beschwerden einzuordnen sowie eventuell weitere Diagnostik einzusetzen. Ein Hormonwert impliziert ja nicht automatisch ein Folgeprozedere.

Fachärztliche Hormondiagnostik: Analytik und Einordnung in der Beratung aus einer Hand

Fachärztliche Anamnese und Diagnostik sind Goldstandard bei hormonellen Beschwerden: In der gynäkologischen Praxis werden in der Anamnese die Weichen für aussagekräftige Testparameter gestellt. Einordnung der Ergebnisse und Beratung erfordern fachärztliche Expertise. In einigen Situationen heißt die DGE Selbsttests gut: Bei einer klaren medizinischen Fragestellung, in der Regel ärztlich begleitet, können sie ein hilfreiches Instrument sein. Ovulationstests können etwa beim Erfüllen eines Kinderwunsches sinnvoll sein.

Kommerzialisierung von Hormontests: Beratungsbedarf in der Facharztpraxis nutzen

Doch die zunehmende Kommerzialisierung allgemeiner Hormontests bleibt kritisch, da ihre Validität offen ist und Betroffene mit den Ergebnissen meist allein gelassen werden. Fragen zum Hormon­status können medizinisch indiziert oder als individuelle Gesundheitsleistung abgerechnet werden. Bieten Sie Patientinnen Analyse und Beratung an – der Bedarf ist da, die Nachfrage nach Selbsttests hoch.

Kostenübernahme des Hormontests: Wann die GKV zahlt

Bei begründetem Verdacht auf eine hormonelle Störung übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Hormontest in einer Facharztpraxis. Andernfalls tragen die Patientinnen die Kosten selbst.

Quelle:

u.a. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE)

Stichwörter