Knochengesundheit bei Frauen - Hormone stabil, Knochen stabil
Marcus SefrinDie Prävention und Früherkennung von Osteoporose sind in der Peri- und Postmenopause wichtige Themen. Behandler brauchen hier einen weiten Blick, der von der Lebensstilberatung über spezifische Risikofaktoren wie die Hyperthyreose bis hin zum Management einer eventuellen Hormonersatztherapie reicht.
Osteoporose nach der Menopause: Prävalenz und Risiko steigen mit dem Alter
Osteoporose betrifft häufiger Frauen und tritt vermehrt nach der Menopause auf. Mit der Menopause beschleunigt der Östrogenabfall den Knochenabbau. Als stille Erkrankung wird Osteoporose bei vielen Frauen nach der Menopause erst mit der ersten Fraktur sichtbar. Die Prävalenz liegt bei Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren bei etwa 15 Prozent; im Alter von mehr als 70 Jahren liegt sie bei 45 Prozent.
Hormonersatztherapie schützt vor Knochenverlust und Frakturen
Die im Rahmen einer Hormonersatztherapie zum Beispiel zur Behandlung von vasomotorischen Beschwerden verwendeten Östrogene beugen zugleich Knochenverlust und Frakturen vor. Nach einer eingebetteten Fall-Kontroll-Studie mit britischen Daten kommt es nach Absetzen einer menopausalen Hormontherapie zunächst zu einem vorübergehenden Anstieg des Frakturrisikos; langfristig vermindert sich dieses Risiko wieder und kann in höherem Alter wieder unter dem Niveau von Nie-Anwenderinnen liegen.
Frakturrisiko nach Absetzen der Hormontherapie
Verglichen wurden fast 650.000 Frauen ab 40 Jahren mit Erstdiagnose einer Fraktur und gut 2,3 Millionen gleichaltrige Frauen ohne Fraktur aus der gleichen Allgemeinarztpraxis. Bei den Frauen mit laufender Hormonersatztherapie war das Frakturrisiko im Vergleich zu Frauen, die nie eine Ersatztherapie erhalten hatten, mit einer Odds Ratio von 0,76 (nur Östrogen) bzw. 0,75 (Östrogen/Progesteron-Kombination) signifikant reduziert. Ein bis zehn Jahre nach Beendigung der Hormonersatztherapie war die Odds Ratio auf 0,99 bzw. 1,06 angestiegen. Dabei wurde ein starker Anstieg direkt im Jahr nach dem Absetzen beobachtet. Mehr als zehn Jahre nach Ende der Hormongabe fand sich in den Daten erneut ein signifikant niedriges Frakturrisiko verglichen mit Frauen ohne Ersatztherapie (OR 0,93 bzw. 0,95).
Prävention und Beratung in der Gynäkologie
Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) sieht in diesen Ergebnissen einen weiteren Grund, den Knochenstatus und die Präventionsstrategie am Ende einer Hormonersatztherapie im Blick zu haben. „Unsere Rolle bei der Osteoporose ist präventiv: Wir erkennen Risiken, beraten zu Lebensstil und – wo medizinisch sinnvoll – zu einer Hormonersatztherapie“, erklärt Dr. Klaus Doubek, Wiesbaden. Wo notwendig vernetze man sich mit Kolleginnen und Kollegen der Osteologie oder Orthopädie in Diagnostik und Therapie. „So entsteht eine Versorgungskette, die Frakturen verhindern kann, bevor sie passieren“, schildert Doubek das Ziel.
Gesunder Lebensstil für starke Knochen in der Menopause
Der BVF weist darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil sowohl bei menopausalen Beschwerden als auch bei der Knochengesundheit unterstützen kann. Dazu zählt er Bewegung mit Kraft- und Balancetraining, ein optimiertes Ernährungsmuster mit insbesondere ausreichender Protein-Aufnahme von etwa einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ab dem 65. Lebensjahren und zielgerichteter Kalzium-Aufnahme aus Lebensmitteln wie grünem Gemüse, Nüssen und Samen, Milch oder Mineralwasser, ausreichende Vitamin-D-Zufuhr, Normalgewicht, ausreichend Schlaf und reduzierten Stress. Nikotin beschleunigt den menopausalen Knochenverlust und steht mit einer früheren Menopause in Zusammenhang; übermäßiger Alkoholkonsum schwächt die Knochen und erhöht das Sturzrisiko.
Osteoporose-Screening: Risikocheck und Knochendichtemessung
Ein eigenständiges Osteoporose-Screening ist in der gynäkologischen Früherkennung seitens der gesetzlichen Regelversorgung nicht vorgesehen. Als umso wichtiger sieht der BVF Beratung, Risikocheck und die indikationsgeleitete Überleitung zu einer Knochendichtemessung sowie in die spezialisierte Therapie.
Ab wann ist eine Knochendichtemessung sinnvoll?
Laut der S3-Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V. (DVO) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose aus 2023 sollte im Sinne einer Case-Finding-Strategie eine Basisdiagnostik stattfinden bei postmenopausalen Frauen ab 50 Jahren, wenn eine ärztlich als relevant erachteten Risikokonstellation für Frakturen vorliegt. Das Lebensalter als Frakturrisiko ist unabhängig von der Knochendichte und unabhängig von klinischen Risikofaktoren, wie einer Immobilisation oder multiplen Stürzen, die ebenfalls mit dem Alter zunehmen - auch wenn sich der Gradient bei Mitberücksichtigung von Risikofaktoren und Knochendichte abschwächt. Die Inzidenz von Wirbelkörperfrakturen verdoppelt sich in etwa pro Dekade, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Im Alter von 70 Jahren ist dann das Frakturrisiko bei Frauen so hoch, dass laut Leitlinie eine Knochendichtemessung indiziert ist, sofern daraus spezifische therapeutische Konsequenzen abgeleitet werden sollen.
Hyperthyreose als Risikofaktor für Osteoporose
Im Risikorechner der Leitlinie zu epidemiologisch besonders relevanten Risikofaktoren findet sich im Abschnitt Endokrinologie unter anderem die manifeste und auch die subklinische Hyperthyreose mit TSH-Werten unter 0,45 mU/l. Das Schilddrüsenhormon setzt am TRα Rezeptor am Knochen an - ein Exzess an Schilddrüsenhormonen führt zu einem Ungleichgewicht im Remodelling Prozess und induziert einen High Turnover Knochenstoffwechsel. Das TSH hat einen hemmenden Effekt auf die Osteoklastenwirkung. Wenn das TSH wie bei einer Hyperthyreose niedrig ist, fehlt dieser schützende Effekt. Die Osteoklasten sind aktiver und das Krankheitsbild einer Osteoporose kann sich schneller entwickeln. In einer Metaanalyse war bei latenter Hyperthyreose das Risiko für Schenkelhals- und auch Wirbelkörperfrakturen erhöht. Die Leitlinienautoren nehmen eine Reversibilität des erhöhten Frakturrisikos nach Therapie einer endogenen subklinischen Hyperthyreose oder Anpassung der L-Thyroxin-Medikation an. Eine additive Einbeziehung in die Frakturprognose empfehlen sie dann, wenn der niedrige TSH-Wert nicht korrigiert werden kann und eine persistierende Erniedrigung vorliegt.
Basisdiagnostik nach DVO-Leitlinie: Diese Untersuchungen sind wichtig
Die in der DVO-Leitlinie empfohlene Basisdiagnostik umfasst die Anamnese mit Erfassung von Fraktur-Risikofaktoren, eine klinische Befunderhebung, die DXA-Knochendichtemessung, ein Basislabor sowie gegebenenfalls eine bildgebende Diagnostik bei klinischen Hinweisen auf osteoporotische Wirbelkörperfrakturen.
Quellen:Vinogradova Y et al. Lancet Healthy Longev 2025;6:100729