Blasenentleerungsstörung: Einmal- oder Mehrwegkatheter?
Dr. Dagmar van ThielIm Vergleich von Einmal- und Mehrweg-Blasenkathetern fand eine Studie keine Unterschiede beim Risiko für Harnwegsinfekte. Allerdings tolerierte über ein Drittel der Patienten die Mehrwegkatheter nicht.
Millionen Menschen weltweit leiden an einer Urinentleerungsstörung. Viele von ihnen benötigen eine intermittierende Katheterbehandlung. Die Patienten führen die Katheterisierung in der Regel vier- bis sechsmal täglich selbst durch. Zur Anwendung kommen entweder Einwegkatheter oder wiederverwendbare Katheter. Einwegkatheter werden nach jedem Gebrauch entsorgt und sind häufig zur Erleichterung des Einführens vorgeschmiert oder beschichtet, während wiederverwendbare Katheter unbeschichtete Produkte sind, die gereinigt und mehrfach wiederholt genutzt werden.
Einmalkatheter: Umweltbelastung und Kosten
Die Einwegkatheter bringen allerdings erhebliche ökologische und finanzielle Belastungen mit sich. Allein in den USA fallen dadurch jährlich schätzungsweise 206 Millionen Liter nicht biologisch abbaubarer Abfall an, der Kosten von über drei Milliarden US-Dollar pro Jahr verursacht, wie aus einer aktuellen Publikation eines Forscherteams des Department of Urology, Erasmus University Medical Center, Rotterdam/Niederlande, hervorgeht.
Mehrwegkatheter und Harnwegsinfekte
Wiederverwendbare Katheter bieten zwar eine umweltschonendere Alternative, doch gleichzeitig bestehen Bedenken, der Einsatz könnte mit einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfekte verbunden sein. Bisher existierte nur eine magere Vergleichsstudienlage ohne eindeutige Ergebnisse. Vor diesem Hintergrund hat das Rotterdamer Urologenteam um Professor Bertil Blok im Rahmen der COMPARE-Studie untersucht, wie sich die unterschiedlichen Katheteranwendungen auf die Häufigkeit von Harnwegsinfekten auswirken.
COMPARE-Studie: Einmal- und Mehrwegkatheter im Vergleich
Konkret lautete das Ziel der multizentrischen, prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studie herauszufinden, ob wiederverwendbare Katheter hinsichtlich der Inzidenz von Harnwegsinfektionen den Einwegkathetern nicht unterlegen sind. Die Nichtunterlegenheitsgrenze wurde auf eine Differenz von 0,07 Harnwegsinfektionen pro Patientenmonat festgelegt.
Insgesamt wurden 386 Patienten mit neurogener Dysfunktion des unteren Harntrakts (Durchschnittsalter [SD]: 61,4 [15,9] Jahre; 243 [63 %] Männer) in die Studie aufgenommen. Über einen Zeitraum von einem Jahr behandelte sich eine Gruppe der Patienten mit Einmalkathetern, die andere mit wiederverwendbaren Kathetern.
Die Datenauswertung ergab, dass die Mehrwegkatheter, die unter den Studienbedingungen in Natriumhypochlorit-Desinfektionslösung gelagert wurden, nicht häufiger zu Harnwegsinfektionen führten als Einmalprodukte.
Harnröhrenreizungen und Abbruchrate
Allerdings traten Harnröhrenreizungen während des Einführens oder Entfernens des Katheters in der Gruppe mit wiederverwendbaren Kathetern signifikant häufiger auf (20,0 % vs. 4,7 %). Dies stellte nach Meinung der Autoren einen wichtigen Befund dar, der nicht heruntergespielt werden sollte. Denn dies kann den Komfort, die Therapietreue und die Lebensqualität von Patienten beeinträchtigen, die auf eine Langzeitkatheterisierung angewiesen sind.
Außerdem deuteten die hohe Abbruchrate in der Gruppe mit wiederverwendbaren Kathetern (39,0 %), die auf Schwierigkeiten bei der Handhabung und Harnröhrenreizungen zurückzuführen war, sowie die uneinheitlichen von den Patienten berichteten Ergebnisse darauf hin, dass Mehrwegkatheter nicht für alle Patienten geeignet sind, so die Schlussfolgerung der Untersucher.
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