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Medizin trifft Zahnmedizin: Der interdisziplinäre Podcast

Das Alter macht vor niemandem halt und bringt auch körperliche Einschränkungen mit sich. Von Osteoporose, Altersschwerhörigkeit und Diabetes mellitus bis zu Mundtrockenheit und Zahnverlust. Dadurch entstehen nicht nur für die Patientinnen und Patienten Herausforderungen, sondern auch in Arzt- und Zahnarztpraxen. Die Behandlung von älteren Menschen erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Empathie von den Zahnärzten und Ärzten.

So empfiehlt etwa Zahnmediziner Prof. Dr. Gerhard Schmalz, zu überprüfen, welche Ziele für den individuellen Patienten überhaupt erreichbar sind. Er sagt im Podcast weiter: “Und dazu ist es auch wichtig, dass man sich in den Patienten hineinversetzt. Ich empfehle jedem Zahnarzt und jeder Zahnärztin einmal so einen Altersanzug anzuziehen und zu versuchen, sich die Zähne zu putzen. Das ist eine einzigartige Erfahrung, wie eingeschränkt man wirklich ist. Und sich auch mal die Zähne putzen zu lassen, wenn man nicht gut hört, nicht gut sieht. (...) Das ist ziemlich beklemmend und das muss man, glaube ich, verstehen und dafür Verständnis haben. Und mit den Patienten gemeinsam einen Weg entwickeln.”

Warum Schmalz glaubt, dass Investition in die Seniorenzahnmedizin trotz Schwierigkeiten in der Praxis notwendig ist, darüber spricht er in der aktuellen Folge. Neben dem Zahnmediziner ist in dieser Folge auch wieder Diabetologe Prof. Dr. Thomas Ebert dabei. Moderator Günter Nuber, Gesamtredaktionsleiter Deutschland der MedTriX Group, spricht mit den beiden Experten unter anderem darüber, was Zahnärzte und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten empfehlen können, was passiert, wenn Patienten nicht mehr regelmäßig zum Zahnarzt gehen, welche Teufelskreise im Alter entstehen können und welche Herausforderungen das Thema Ernährung im Alter mit sich bringt.

Folgen des Alterns für die Allgemeingesundheit und die Mundgesundheit

Welche körperlichen Einschränkungen treten mit zunehmendem Alter besonders häufig auf? Das will Moderator Nuber von seinen Gästen wissen. “Wir haben natürlich eine Vielzahl von Erkrankungen, von Symptomen, die assoziiert sind mit einem höheren Lebensalter”, sagt Diabetologe Ebert, “Und diese Symptome und Erkrankungen betreffen (...) im Prinzip ganz viele Organe, ganz viele Strukturen, das heißt Knochengelenke, Muskeln, Augen, Ohren, Herz, Blutgefäße, Lunge, aber auch Nieren, Geschlechtsorgane und andere Systeme.” Häufige Erkrankungen, die mit dem Altern assoziiert sind, sind etwa Arthrose, Osteoporose, altersbedingte Makuladegeneration, Presbyakusis, Fettlebererkrankung, Typ-2-Diabetes und Arteriosklerose, so Ebert. Auch neurokognitive Erkrankungen treten auf, wie etwa die Alzheimer-Krankheit, die die häufigste Form der Demenz ist. Mehr über Demenz hören Sie in dieser Folge von “Medizin trifft Zahnmedizin”.

Auch im Mund macht sich das Altern bemerkbar. “Im Grunde ist das eine Folge des Alterns, dass wir degenerative Veränderungen im Mund haben”, sagt Zahnmediziner Schmalz, “Das betrifft – und das ist das, was für die Patienten häufig am ehesten spürbar ist – den Speichelfluss. Die Speicheldrüsen verändern sich und dadurch haben wir häufig Mundtrockenheit, die aber natürlich auch durch viele Dinge, die dann wieder aus der allgemeingesundheitlichen Ecke kommen, also Medikation, Grunderkrankung, verstärkt oder beeinflusst wird.” Auch Parodontitis sei sowohl mit Lebensstil als auch mit dem Alter assoziiert, so der Zahnmediziner. Besonders einschränkend für die Patientinnen und Patienten sei auch der Zahnverlust. Degenerative Veränderungen wie Knochenverlust oder Demenz können außerdem die Mundhygiene-Fähigkeit einschränken, so Schmalz.

In welcher Weise sich das Alter auf die Zellen auswirkt und welchen Einfluss das eigene Verhalten noch auf die altersbedingten Effekte haben kann, hören Sie im Podcast. Außerdem sprechen die Experten im Podcast darüber, welche Herausforderungen entstehen, wenn alte Patientinnen und Patienten nicht mehr regelmäßig zum Zahnarzt gehen.

Weshalb ist die Ernährung im Alter eine Herausforderung?

Verschiedene Lebensstil-Veränderungen können helfen, altersbedingte Effekte – besonders metabolische Erkrankungen – zu reduzieren, so Ebert. Die Experten sprechen im Podcast etwa über den Einfluss von Ernährung und Ernährungstherapien. Diabetologe Ebert betont: „Gewichtsverlust per se, unabhängig jetzt von der Diät, ist immer mit einer Verbesserung Im Alterungsprozess assoziiert, wenn dieser Gewichtsverlust Fettgewebe betrifft. Wir sollten aufpassen, dass wir durch solche Interventionen eben nicht Muskelgewebe verlieren und müssen dahingehend insbesondere ernährungstherapeutisch aufpassen.“

Älteren Patienten als Arzt oder Ärztin in Bezug auf die Ernährung zu helfen, ist gar nicht so einfach, so Ebert: “Wir haben natürlich durch (..) körperlichen Einschränkungen im Alter verschiedenste Symptome und Probleme in Bezug auf die Ernährung. (...) Das beste Beispiel ist sicherlich der Verlust von Zähnen, der ja wirklich bei vielen Menschen bei uns auf Stationen präsent ist. Und das ist natürlich der einfachste und wichtigste Grund, warum man eine schlechte oder eine veränderte Ernährung zu sich nimmt." Dazu komme, dass viele Patientinnen und Patienten sich bereits über ihr Leben hinweg ein ungünstiges Ernährungsmuster angewohnt hätten, dass dann im Alter schwierig zu ändern sei, so Ebert. Außerdem sagt er: “Ich kann nicht eine Ernährungstherapie verordnen, wenn das Essen auf Rädern kommt und im Prinzip von anderen Menschen zubereitet wird, fertig für die Leute. Das heißt, da kann ich schwer intervenieren.”

Auch durch Zahnverlust oder andere orale Probleme verändere sich die Ernährung, so Zahnmediziner Schmalz: “Wenn ich mir jetzt einen Patienten vorstelle mit einer Teilprothese und lockeren Zähnen, der noch Mundtrockenheit hat, der isst keine Karotte oder keine Paprika. Und das Pflegepersonal ist zum Teil auch froh, wenn die Patienten überhaupt was essen. Und dann essen die halt einen eingeweichten Keks oder so ein Einback mit Schmierschokolade drauf. Das ist eben dann so. Und das ist für die Mundgesundheit katastrophal. Die kriegen Wurzelkaries natürlich relativ schnell und (es) ist auch für die Gesamtgesundheit nicht förderlich.”

Welches Problem Ebert auf Station besonders häufig bei Patientinnen und Patienten aus Pflegeeinrichtungen beobachtet und welche Folgen das hat, hören Sie im Podcast. Außerdem teilt Zahnmediziner Schmalz im Podcast seine Erfahrungen aus seiner Halitosis-Sprechstunde in Leipzig.

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Disclaimer: Aus Gründen der besseren Verständlichkeit wird in diesem Podcast hin und wieder nur das generische Maskulinum verwendet. Die hier verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich jedoch – sofern nicht explizit kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.    

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