TÜV Röntgenreport 2026: 13 % der Röntgengeräte haben Mängel
Marzena SickingDer TÜV Röntgenreport 2026 zeigt: Jedes achte Röntgengerät in Deutschland weist Mängel auf. Bildqualität und Strahlenschutz sind besonders betroffen – mit direkten Konsequenzen für die Diagnostiksicherheit in Arztpraxen.
Die Sicherheit der Röntgendiagnostik in deutschen Arzt- und Zahnarztpraxen steht erneut auf dem Prüfstand. Gut jede achte Röntgeneinrichtung in Deutschland weist Mängel auf. Das geht aus dem aktuellen TÜV Röntgenreport 2026 hervor, der die Ergebnisse der unabhängigen Sicherheitsprüfungen aus dem Jahr 2025 auswertet. Die Mängelquote liegt bei 13 Prozent – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahresreport. Von bundesweit 15.333 geprüften Geräten beanstandeten die TÜV-Sachverständigen 2.037 Anlagen mit insgesamt 2.794 dokumentierten Einzelmängeln.
Schwerwiegende Mängel: Kein Weiterbetrieb ohne Nachbesserung
Die festgestellten Mängel sind keineswegs zu vernachlässigen. 17 Prozent der Beanstandungen werden als „schwerwiegend" eingestuft. Das ist ein Befund, der einen sofortigen Betriebsstopp nach sich zieht, bis das Gerät nachgebessert und erneut geprüft wurde. Zu den schwerwiegenden Mängeln zählen unter anderem überhöhte Strahlendosen, mangelhafte Strahlfeldbegrenzung, fehlende Bildqualität sowie die Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben bei der Patientendosiserfassung
Den größten Anteil bilden mit 52 Prozent die sogenannten „erheblichen Mängel„, die zwar keinen sofortigen Betriebsstopp erfordern, aber zeitnah von Fachpersonal behoben werden müssen. Lediglich 31 Prozent der Beanstandungen gelten als „geringfügig“ und können von Betreibern selbst mit überschaubarem Aufwand beseitigt werden.
Humanmedizin: Mängelquote sinkt, aber Handlungsbedarf bleibt
In der Humanmedizin wurden 2.939 Geräte geprüft, von denen 14 Prozent Mängel aufwiesen. Im Vergleich zu 2022 – damals lag die Quote noch bei 22 Prozent – ist das ein deutlicher Rückgang um 8 Prozentpunkte. Dennoch entfielen unter den 698 festgestellten Mängeln 71 Prozent auf erhebliche und 17 Prozent auf schwerwiegende Beanstandungen. Für niedergelassene Ärzte bedeutet das: Regelmäßige Wartung und Prüfung sind keine Formalität, sondern medizinische Notwendigkeit.
Dentalmedizin: Mängelquote wieder auf dem Niveau von 2022
Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Dentalmedizin. Mit 8.144 geprüften Geräten stellt sie die größte Gerätegruppe dar und weist mit 16 Prozent eine der höchsten Mängelquoten auf. Damit liegt die Dentalmedizin wieder auf dem Niveau des Röntgenreports 2022. An 1.333 Anlagen wurden insgesamt 1.748 Mängel dokumentiert. Erhebliche Mängel dominieren mit 49 Prozent, gefolgt von geringfügigen (35 Prozent) und schwerwiegenden Mängeln (16 Prozent).
Bildqualität und Strahlenschutz: Die kritischen Schwachstellen
Ein besonders praxisrelevanter Befund des Reports: Viele Mängel betreffen zentrale Elemente der Bildgebung. Beschädigte oder unzureichend geprüfte Speicherfolien mit Kratzern, Knicken oder Verschmutzungen können Artefakte auf Röntgenbildern erzeugen und die Befundung verfälschen oder erschweren. „In der Human- und Dentalmedizin ist eine verlässliche Diagnose nur anhand technisch einwandfreier Bilder möglich", betont Dr. Alexander Schröer, Strahlenschutzexperte des TÜV-Verbands.
Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Einsatz von KI in der Bildauswertung wächst die Bedeutung hochwertiger Aufnahmen weiter. Artefakte oder Qualitätsmängel können automatisierte Auswerteverfahren beeinträchtigen und die diagnostische Sicherheit gefährden.
Darüber hinaus zeigt der Report Schwachstellen im Strahlenschutz. Fehlerhafte oder fehlende Dosisindikatoren erschweren die Kontrolle der Strahlenexposition. Mängel bei Schutzmitteln wie Bleischürzen setzen Patienten und Personal unnötiger Strahlung aus. Fehlerhafte Expositionsparameter beeinträchtigen die optimale Geräteeinstellung und die Nachvollziehbarkeit der Strahlenbelastung. „Strahlenschutz ist Voraussetzung für den sicheren Einsatz von Röntgentechnik„, sagt Schröer. „Röntgen ist nur dann sinnvoll, wenn der Nutzen klar überwiegt und Risiken konsequent minimiert werden.“
Unabhängige Prüfungen: Pflicht und Qualitätssicherung zugleich
Für Betreiber von Röntgengeräten in der allgemeinmedizinischen, internistischen oder chirurgischen Praxis unterstreicht der Report die zentrale Bedeutung regelmäßiger, unabhängiger Sicherheitsprüfungen. „Unabhängige Prüfungen sind kein bürokratischer Aufwand, sondern eine zentrale Voraussetzung für sicheren Strahlenschutz„, so Schröer. „Sie sorgen dafür, dass technische Standards im Betrieb tatsächlich eingehalten werden.“
Der TÜV-Verband fordert zudem verbesserte Aus- und Weiterbildungsangebote für Betreiber, Servicefirmen und Aufsichtsbehörden sowie eine einheitlichere Abstimmung bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben zwischen Bund und Ländern. Nur so lasse sich die Qualität der Bildgebung und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten dauerhaft gewährleisten.
Der vollständige TÜV Röntgenreport 2026 steht hier zum Download bereit.