Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxis

VERAH (Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis) oder NäPa (Nichtärzliche Praxisassistenten) sind als Entlastung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bereits etabliert. Eher neu ist das Modell der Digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA). Sie führen einfachere medizinische Aufgaben wie zum Beispiel das Abfragen von Vitaldaten aus, mit modernen Diagnosegeräten und oft mithilfe von KI. Dadurch ermittelte Befunde werden an Ärzte übermittelt, die über das weitere Vorgehen entscheiden.

Dieser Arbeitsablauf ist fester Bestandteil der sogenannten DIHVA-Praxis im ostwestfälischen Etteln. Im ländlich geprägten Ort südlich von Paderborn sitzt kein Arzt in der Einrichtung, stattdessen kümmert sich eine Versorgungsassistentin um die Untersuchungen und bezieht bei Bedarf die Praxis von Dr. med. Thomas Bandorski im etwa 17 Kilometer entfernten Bad Wünnenberg ein. Bandorski nutzt dazu auch die Möglichkeit, Patienten telemedizinisch zu konsultieren.

Bei Google bevorzugen

Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.

Als bevorzugte Quelle auswählen
Wie funktioniert das? Häufige Fragen: Hier erfahren Sie mehr

KI und moderne Diagnostik unterstützen maßgeblich

Das Konzept der DIHVA geht auf eine Initiative von Hausarzt Stefan Spieren zurück, der dieses Versorgungsmodell gemeinsam mit dem Hochschuldozenten und Digitalisierungsexperten Alexander R. Baasner ins Leben gerufen hat. Es sieht vor, dass Personen ohne medizinisches Studium, jedoch mit einer gezielten dreieinhalbmonatigen Ausbildung Routineaufgaben übernehmen, die Ärzte in ihrem Praxisalltag entlasten sollen.

Die Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle: Nicht nur durch die KI-gestützte Befundung und das moderne Diagnostikset, sondern auch durch Videosprechstunden mit teilnehmenden Ärzten und der Online-Terminbuchung. Die gehört auch in Etteln zur Praxis mit dazu; überhaupt leistet der kleine Ort erstaunliche Pionierarbeit, was Digitalisierung betrifft. Es gilt als das digitalste Dorf Deutschlands und hat Ende 2024 in einem dazugehörigen weltweiten Wettbewerb sogar den ersten Platz errungen, noch vor Weltstädten wie Hongkong.

Geeignetes Personal ist schwer zu finden

Die Praxis in Etteln hat es sich zum Ziel gesetzt, eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung ohne weite Fahrtwege ermöglichen zu können. Sie könnte so vielleicht als Blaupause dafür dienen, um absehbare Versorgungslücken aufzufangen. Angesichts Tausender Hausarztsitze, die bereits heute unbesetzt sind, werden flexiblere Lösungen zur Sicherstellung der ambulanten Versorgungsstruktur immer bedeutsamer. Auf lange Sicht soll auch das DIHVA-Modell die ärztliche Unterstützung durch VERAH oder NäPa erweitern und ergänzen. Bisher kommt das Konzept nur vereinzelt zum Einsatz, für einen flächendeckenderen Gebrauch müssen auch personelle Ressourcen gezielt geschaffen werden.

Stichwörter