Standardimpfungen: Jede Chance zur Aufklärung nutzen
Sabrina KempeKinder sind in Deutschland mit hohen Impfquoten vor schweren Infektionskrankheiten insgesamt gut geschützt. Mit ansteigenden Lebensjahren scheint die Impfdisziplin allerdings schnell nachzulassen. Jeder Patientenkontakt bedeutet eine Chance, die Impfprävention anzusprechen.
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im Dezember 2025 die Impfquoten zu den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter veröffentlicht. Wie sich herausgestellt hat, besteht bei Jugendlichen und Erwachsenen eine hohe Impfmüdigkeit bezüglich der Standardimpfungen. Zumindest für die Impfquoten bei Kindern ergab sich ein hohes Niveau. Allerdings wurden auch bei ihnen Impfserien oft zu spät oder gar nicht abgeschlossen. So hat beispielsweise laut dem RKI-Bericht ein relevanter Anteil der Kinder bis zum zweiten Geburtstag die zweite Masern-Impfung nicht erhalten. Als Erfolg konnte laut RKI immerhin die Einführung der Prophylaxe gegen das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) im Säuglingsalter verbucht werden.
Jugendliche ohne Auffrischimpfungen
Die Auffrischimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis werde von vielen Jugendlichen nicht genutzt. Zudem sei lediglich die Hälfte der 15-jährigen Mädchen und ein Drittel der Jungen im gleichen Alter vollständig gegen humane Papillomviren (HPV) geimpft.
Influenza-Impfung auf Tiefstand
Darüber hinaus würden die Impfquoten bei Menschen mit Vorerkrankungen sowie bei Schwangeren häufig kaum 50 Prozent erreichen. Inzwischen sei zwar jede zweite Schwangere gegen Pertussis geimpft, hingegen nur jede fünfte gegen Influenza.
Impfhürden abbauen
Das RKI mahnte, Hürden für Impfungen abzubauen und Impflücken zu schließen. Beispielsweise könne jeder Patientenkontakt genutzt werden, um den Impfstatus zu prüfen. Bei Impfterminen von Kindern sollten die Eltern mit geimpft werden und bei Schwangeren die Haushaltsmitglieder.
Auch die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) empfahl in einer Pressemitteilung, die reisemedizinische Beratung zu nutzen, um fehlende Standardimpfungen nachzuholen oder aufzufrischen. „Vor größeren Reisen und Auslandsaufenthalten – von Fernreisen bis zum Auslandsjahr in Schule oder Studium – besteht in der Bevölkerung oftmals eine höhere Sensibilität für die Notwendigkeit von Impfungen beziehungsweise, je nach Reiseland und Erreger, mitunter auch eine Verpflichtung zur Impfung vor Einreise“, erklärte DFR-Präsident Prof. Tomas Jelinek. Hinzu komme, dass der Zugang zu reisemedizinischer Beratung und Reiseimpfungen relativ niederschwellig sei und etwa auch in Gesundheitsämtern oder Tropeninstituten wahrgenommen werden könne. Daneben bieten Apotheken ebenso Impfungen gegen Influenza und COVID-19 an.
Das RKI schlug vor, Impfungen möglichst gleichzeitig zu verabreichen (z. B. gegen Influenza und COVID-19). Außerdem erinnerte das Institut daran, dass auch bei einem leichten Infekt eine Impfung durchführbar sei.
Mindestabstand bei Impfungen
Lebendimpfstoffe können grundsätzlich simultan verabreicht werden. Werden sie nicht als Kombinationsimpfstoff gegeben, ist zwischen den einzelnen Gaben ein Mindestabstand von vier Wochen einzuhalten. Bei der Anwendung von Totimpfstoffen gibt keine solche Einschränkung.
Pressemitteilung der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin
Epidemiologisches Bulletin 50/2025