Checkliste: Qualitätsmanagement (QM) in der Hausarztpraxis
Marzena SickingEin strukturiertes Qualitätsmanagement ist für Hausarztpraxen gesetzliche Pflicht und zugleich ein zentrales Instrument, um Arbeitsabläufe effizient, sicher und patientenorientiert zu gestalten. Die folgenden Prüfpunkte helfen Ihnen, alle relevanten QM‑Bereiche systematisch abzudecken und kontinuierlich zu verbessern.
Grundlagen und gesetzliche Anforderungen prüfen
Prüfen, ob alle Vorgaben des G‑BA für QM umgesetzt sind
QM‑Handbuch vorhanden, aktuell, vollständig und für das gesamte Team zugänglich
Verantwortliche Person für QM benannt (i. d. R. MFA oder Praxismanager/in)
Regelmäßige interne QM‑Sitzungen geplant und dokumentiert.
Aufbau und Struktur des QM-Systems
Standardisierte Dokumentation: Leitfäden, Prozessbeschreibungen, Checklisten
Klare Strukturierung der Praxisprozesse (Empfang, Diagnostik, Labor, Notfall, Abrechnung)
Regelmäßige Aktualisierung bei Änderungen im Ablauf oder in gesetzlichen Vorgaben
Einheitliche Versionsverwaltung aller Dokumente
Patientenorientierung
Beschwerdemanagement vorhanden und für Patienten leicht zugänglich
System zur Patientenzufriedenheitsmessung etabliert (z. B. Fragebogen, Online‑Feedback)
Transparente Informationen zu Wartezeiten, Sprechstundenablauf, Erreichbarkeit
Barrierearme Gestaltung für Menschen mit Einschränkungen
Mitarbeiterführung & Teamkommunikation
Regelmäßige Teammeetings, dokumentiert und mit klaren Aufgabenverteilungen
Einarbeitungskonzepte für neue Mitarbeitende (MFA, ÄiW, Vertretungen)
Jährliche Mitarbeiterschulungen (Hygiene, Notfall, Datenschutz, Brandschutz)
Klare Aufgaben- und Verantwortungsstrukturen für das gesamte Team
Hygiene- und Infektionsschutz
Hygieneplan vollständig, regelmäßig aktualisiert und im Team geschult
Durchführung und Dokumentation aller Pflichtschulungen
Medizinprodukte-Buch und Validierungen (Autoklav, RDG) aktuell
Kontrolle der Lagerbestände von Desinfektionsmitteln und PSA
Notfall- und Risikomanagement
Notfallkoffer vollständig, gewartet und gut zugänglich
Regelmäßige Notfalltrainings für das gesamte Team
Dokumentierte Risikoanalyse (z. B. für Ausfälle von Personal, Geräten oder IT).• Notfallplan für Stromausfälle, IT-Ausfälle, Lieferengpässe
Geräte- und Praxisorganisation
Wartungspläne für alle medizinisch-technischen Geräte vorhanden
Prüfung nach MPBetreibV durchgeführt (EKG, LZ‑RR, Spirometrie etc.)
Lagerhaltung strukturiert (Verfallsdaten, Lieferengpässe, Mindestbestände)
Barrierefreie Organisation im Warte- und Behandlungsbereich
Dokumentation und Datenschutz
DSGVO-Konzept vorhanden (Verarbeitungsverzeichnis, TOMs, Schulungsnachweise)
Zugriffs- und Berechtigungskonzepte für Praxissoftware eingerichtet
Hinweise zur Datenverarbeitung für Patienten sichtbar ausgehängt
Regelmäßige interne Datenschutzkontrollen
Abrechnung & Wirtschaftlichkeit
Abrechnungsprozesse standardisiert (EBM, HzV, IGeL)
Doppelte Kontrolle zur Fehlervermeidung eingerichtet
Regelmäßige interne Abrechnungsreviews und Plausibilitätschecks
Dokumentierte Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit
Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Jährliche QM‑Reviews und Zieldefinitionen
Verbesserungsprojekte dokumentiert (z. B. Wartezeiten, Telefonmanagement)
Vergleich der Ergebnisse mit Vorjahren zur Erfolgskontrolle
Feedback aus Team und Patienten aktiv einbeziehen
G‑BA‑Richtlinien beachten
Diese Checkliste unterstützt Hausarztpraxen bei der strukturierten Umsetzung eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems. Sie ersetzt keine rechtliche oder datenschutzrechtliche Beratung. Bitte orientieren Sie sich ergänzend an den jeweils aktuellen G‑BA‑Richtlinien.