Wie die Ernährung das Risiko für Endometriose beeinflusst
Dr. Melanie SöchtigOb Frauen eine Endometriose entwickeln oder nicht, hängt unter anderem auch von ihrer Ernährung ab. Forschende haben jetzt herausgefunden, welche Lebensmittel das Endometriose-Risiko erhöhen bzw. senken können.
Die Prävalenz der Endometriose bei Frauen im gebärfähigen Alter liegt bei etwa 10 bis 15 %. Unter den Frauen, die an Unterleibsschmerzen leiden, sind schätzungsweise sogar 70 % betroffen. Die Ursachen für die Entstehung einer Endometriose sind bislang noch nicht vollständig geklärt.
Neben genetischen, anatomischen, immunologischen und hormonellen Parametern spielen vermutlich auch Umweltfaktoren eine Rolle. Die Ernährungsweise hat einen potenziellen Einfluss auf den Hormonstoffwechsel, die Muskelkontraktion, Entzündungen, oxidativen Stress und den Menstruationszyklus. Außerdem haben sich in vorangegangenen Studien Hinweise darauf gefunden, dass bestimmte Lebensmittelgruppen und Nährstoffe das Endometriose-Risiko beeinflussen.
Nährstoffe beeinflussen Hormonstoffwechsel
Diesem Verdacht sind Forschende aus dem Iran und Australien jetzt im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse nachgegangen. Hierfür werteten sie die Ergebnisse von fünf Kohorten-Studien und drei Fall-Kontroll-Studien aus, welche zwischen den Jahren 2004 und 2020 durchgeführt wurden.
In die Studien wurden zwischen 156 und 116.607 Teilnehmerinnen eingeschlossen. Das Durchschnittsalter zu Studienbeginn lag zwischen 18 und 41,38 Jahren. Endometriose-Fälle wurden mittels einer Laparoskopie bestätigt.
Die Studienautorinnen und -autoren haben den Zusammenhang zwischen Endometriose-Risiko und mindestens einer der folgenden Lebensmittelgruppen bzw. Nährstoffe untersucht: Fette, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier und Hülsenfrüchte. Mit einer Ausnahme wurden die Ergebnisse in allen Studien um die Gesamtenergie-Aufnahme bereinigt.
Welche Lebensmittel das Endometriose-Risiko erhöhen
Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass ein höherer Verzehr von Milchprodukten insgesamt mit einem um zehn Prozent verringerten Endometriose-Risiko assoziiert ist. Wurden fettarme und fettreiche Milchprodukte wie Milch und Käse getrennt analysiert, war dieser Zusammenhang nicht mehr statistisch signifikant.
Des Weiteren stellten die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit fest, dass ein höherer Verzehr von rotem Fleisch mit einem um 17 Prozent erhöhten Endometriose-Risiko verbunden ist. Auch für Trans-Fettsäuren und gesättigte Fettsäuren wiesen sie eine signifikante Risiko-Erhöhung um zwölf und sechs Prozent nach.
Obwohl keine signifikanten Zusammenhänge für die anderen Lebensmittelgruppen bestätigt werden konnten, zeigte sich ein tendenziell geringeres Endometriose-Risiko bei höherem Verzehr von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten.
Die häufigsten Fragen zur Ernährung bei Endometriose
Wichtiger Hinweis für Patienten: Die Ernährung kann das persönliche Wohlbefinden und möglicherweise einzelne Beschwerden beeinflussen. Eine bestimmte Ernährungsweise ist jedoch bislang nicht als sichere Vorbeugung oder Behandlung der Endometriose belegt. Beobachtete Zusammenhänge aus Studien zeigen außerdem nicht automatisch, dass ein Lebensmittel Endometriose verursacht, verhindert oder Beschwerden sicher lindert.
Kann ich mit meiner Ernährung Endometriose vorbeugen?
Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich gesicherte Ernährungsweise, mit der sich Endometriose zuverlässig verhindern lässt. Auch für einzelne Lebensmittel oder bestimmte Diäten ist keine sichere Vorbeugung belegt. Eine ausgewogene Ernährung kann jedoch zur allgemeinen Gesundheit beitragen. Sie sollte nicht als Ersatz für die gynäkologische Untersuchung oder eine medizinische Behandlung verstanden werden.
Erhöht rotes Fleisch mein Risiko für Endometriose?
Studien haben mögliche Zusammenhänge zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und dem Auftreten von Endometriose untersucht. Aus solchen Beobachtungen lässt sich jedoch nicht eindeutig ableiten, dass rotes Fleisch Endometriose verursacht oder dass ein Verzicht die Erkrankung verhindert. Wer rotes Fleisch reduzieren möchte, kann dies aus allgemeinen gesundheitlichen oder persönlichen Gründen tun. Eine vollständige Vermeidung ist allein wegen eines möglichen Endometriose-Risikos derzeit nicht wissenschaftlich begründet.
Senken Milchprodukte das Endometriose-Risiko oder sollte ich Milch und Käse lieber meiden?
Für Milchprodukte gibt es keinen ausreichend gesicherten Grund, sie bei Endometriose grundsätzlich zu meiden. Die Studienlage zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko ist nicht eindeutig. Für Milchprodukte gibt es keinen ausreichend gesicherten Grund, sie bei Endometriose grundsätzlich zu meiden. Die Studienlage zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko ist nicht eindeutig. Wer Milchprodukte längerfristig weglässt, sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß achten und sich gegebenenfalls beraten lassen.
Schützen Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte vor Endometriose?
Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sind Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung und können aus allgemeinen gesundheitlichen Gründen empfehlenswert sein. Ein statistisch gesicherter Schutz vor Endometriose lässt sich aus der im Quellenmaterial besprochenen Analyse jedoch nicht ableiten. Die Aussage „Diese Lebensmittel verhindern Endometriose“ wäre daher zu weitgehend. Ebenso sollten Betroffene diese Lebensmittel nicht grundsätzlich meiden, sofern sie individuell gut vertragen werden.
Sollte ich wegen des Endometriose-Risikos weniger gesättigte Fette und Transfette essen?
Die Studienlage deutet auf mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Fettsäuren und dem Endometriose-Risiko hin. Daraus lässt sich jedoch keine gesicherte Ernährungsempfehlung zur Vorbeugung oder Behandlung der Endometriose ableiten. Eine Ernährung mit möglichst wenigen Transfetten und einem maßvollen Anteil gesättigter Fette entspricht grundsätzlich allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung. Sie sollte aber nicht als spezielle Endometriose-Therapie dargestellt werden. Sinnvoll ist meist, verschiedene Fettquellen zu kombinieren, beispielsweise pflanzliche Öle, Nüsse und Samen. Entscheidend bleibt die gesamte Ernährungsweise und nicht ein einzelner Nährstoff.
Welche Ernährung ist bei Endometriose sinnvoll: mediterran, vegetarisch oder vegan?
Eine allgemein beste Ernährung für alle Menschen mit Endometriose ist nicht belegt. Eine mediterran ausgerichtete Ernährung kann eine gute Grundlage sein, weil sie typischerweise viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und pflanzliche Öle enthält. Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung kann ausgewogen gestaltet werden. Dabei muss besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Vitamin B12, Eisen, Calcium, Jod und gegebenenfalls Vitamin D geachtet werden. Welche Ernährungsweise im Alltag gut funktioniert, hängt auch von individuellen Beschwerden, Unverträglichkeiten, Vorlieben und der praktischen Umsetzbarkeit ab. Eine Ernährungsumstellung sollte nicht dazu führen, dass ohne medizinischen Grund immer mehr Lebensmittel ausgeschlossen werden.
Muss ich bei Endometriose glutenfrei essen, auch wenn ich keine Zöliakie habe?
Nein. Eine glutenfreie Ernährung ist bei Endometriose nicht grundsätzlich erforderlich. Ohne Zöliakie oder einen begründeten Verdacht auf eine andere glutenbezogene Erkrankung gibt es keine allgemeine Empfehlung, Gluten vorsorglich vollständig zu meiden. Einzelne Betroffene berichten zwar über eine Besserung von Beschwerden unter glutenfreier Ernährung. Solche individuellen Erfahrungen beweisen jedoch nicht, dass Gluten die Endometriose verursacht oder eine glutenfreie Ernährung allgemein wirksam ist.
Was mache ich, wenn meine Endometriose-Schmerzen trotz Ernährungsumstellung nicht besser werden?
Dann sollte die Behandlung ärztlich überprüft werden. Eine Ernährungsumstellung kann möglicherweise das persönliche Wohlbefinden unterstützen, ist aber keine gesicherte alleinige Behandlung von Endometriose-Schmerzen.
Hinweis für Patienten: Dieses FAQ dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Dieses FAQ wurde mit Unterstützung von KI erstellt.