Falsche 116117‑Anrufe: Warum Ärzte jetzt ihre Patienten warnen sollten
Marzena SickingDie KVBW berichtet von steigenden Betrugsanrufen im Namen der 116117. Falsche Mitarbeitende verlangen Bankdaten. Warum Ärzte ihre Patienten aktiv warnen sollten – und welche Hinweise besonders wichtig sind.
Betrugsanrufe nehmen zu – und Patienten sind verunsichert
Die 116117 ist für viele Patientinnen und Patienten ein vertrauter Zugang zu medizinischer Hilfe, Terminvermittlung und Informationen über Bereitschaftsdienste. Genau dieses Vertrauen ist es, das Betrüger momentan ausnutzen: Seit Jahresbeginn häufen sich laut Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) Hinweise auf Anrufe, bei denen Kriminelle im Namen der 116117 Bank- und Zahlungsinformationen abfragen. Auch aus anderen Bundesländern wurden bereits erste Fälle gemeldet.
Für Ärzte bedeutet das: Viele Patienten sind in Gefahr, Opfer von Betrügern zu werden, denn sie wissen nicht, dass der echte Patientenservice solche Gespräche nicht führt. Die KVBW stellt klar: „Die Mitarbeitenden des 116117‑Patientenservices erfragen zu keinem Zeitpunkt Bank‑ oder Zahlungsdaten.“ Eine wichtige Information, vor allem für all jene Patienten, die die 116117 regelmäßig nutzen.
Warum Ärzte eine Schlüsselrolle haben
Das Problem: Besonders ältere oder gesundheitlich belastete Menschen sind anfällig für solche Täuschungsversuche. Die Angst, einen wichtigen Termin zu verpassen oder etwas falsch zu machen, erhöht die Bereitschaft, am Telefon sensible Daten preiszugeben. Ärztinnen und Ärzte haben als Vertrauenspersonen die Möglichkeit und deshalb auch die Pflicht, ihre Patienten frühzeitig zu sensibilisieren, sei es im Wartezimmer, im persönlichen Gespräch oder über digitale Kommunikationswege.
So können Ärzte ihre Patienten wirksam schützen
Ein kurzes Gespräch oder ein sichtbarer Hinweis reicht oft aus, um Patienten vor Betrugsversuchen zu bewahren. Empfohlen wird:
Hinweis an der Anmeldung oder im Wartezimmer: „Die 116117 fragt niemals Bankdaten ab.“
Einbindung ins Arzt‑Patienten‑Gespräch, speziell bei älteren oder alleinstehenden Menschen.
Praxisnewsletter oder Website‑Hinweis, falls vorhanden.
Konkreter Rat: Bei verdächtigen Anrufen Gespräch sofort beenden und keine Informationen preisgeben.
Rückversicherung geben: Wer unsicher ist, sollte das Gespräch ebenfalls beenden und die 116117 selbst aktiv anrufen.
Warum der Hinweis jetzt besonders wichtig ist
Viele Patienten nutzen die 116117 für Terminfragen, gerade wenn Praxen geschlossen sind oder kurzfristige medizinische Anliegen auftreten. Die aktuelle Betrugsmasche trifft damit direkt eine Zielgruppe, die auf schnelle Hilfe und unkomplizierte Kommunikation angewiesen ist.
Was leistet die 116117 – und was nicht?
Die 116117 ist die zentrale, bundesweit gültige Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Sie unterstützt Patientinnen und Patienten in Situationen, die kein Notfall, aber dennoch dringend medizinisch abzuklären sind.
Über die 116117 erhalten Patienten:
Informationen zu geöffneten Arztpraxen außerhalb der regulären Sprechzeiten
Zugang zum ärztlichen Bereitschaftsdienst
Vermittlung dringender Arzt‑ und Psychotherapeutentermine
Unterstützung auch online oder über die 116117‑App
Medizinische Ersteinschätzung (standardisiert)
Die echte 116117 fragt niemals Bank‑ oder Zahlungsdaten ab.Kontonummern, Kreditkartenangaben oder Gebühren fallen im Rahmen des Services nicht an.