Neuer digitaler Medikationsbrief stärkt Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und Apotheken
Marzena SickingEin neu entwickeltes, standardisiertes Format für einen digitalen Medikationsbrief soll die interprofessionelle Kommunikation zwischen Apotheken und Arztpraxen vereinfachen. Das Tool unterstützt insbesondere die pharmazeutische Dienstleistung „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“ und baut auf Erfahrungen aus dem ARMIN-Projekt auf.
Mit einem neu entwickelten, digitalen Medikationsbrief wollen die Apothekerorganisationen die interprofessionelle Zusammenarbeit vereinheitlichen. Das Format sieht vor, arzneimittelbezogene Probleme (ABP) strukturiert an Arztpraxen zu übermitteln – etwa Hinweise zu Interaktionen, Nebenwirkungen, Dosierungen oder Darreichungsformen. Die Übertragung erfolgt über das KIM-System innerhalb der Telematik-Infrastruktur.
Bislang fehlte eine verbindliche Vorlage für diese Art der Kommunikation. Laut der Bundesapothekerkammer soll die nun eingeführte Struktur dafür sorgen, dass ärztliche Praxen relevante Hinweise schneller finden. Mittelfristig ist vorgesehen, das Format in Apothekensoftwares einzubinden und perspektivisch auch in der elektronischen Patientenakte verfügbar zu machen.
Erarbeitet im Austausch mit Ärztinnen, Ärzten und Apothekerinnen und Apothekern
Der Medikationsbrief entstand in einem mehrstufigen Projekt der ABDA gemeinsam mit der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie am Universitätsklinikum Heidelberg. Grundlage bildeten Erfahrungen aus dem Modellvorhaben ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen), das von 2016 bis 2022 ein interprofessionelles Medikationsmanagement erprobte.
Während des Entwicklungsprozesses legten teilnehmende Ärztinnen und Ärzte Wert darauf, dass der Medikationsbrief nicht nur Probleme benennt, sondern auch Lösungsvorschläge enthält. Hinweise zu Fragestellungen, die bereits in der Apotheke geklärt wurden – etwa zur Anwendung bestimmter Arzneiformen – sollen hingegen nicht übermittelt werden.
Der Medikationsbrief richtet sich ausschließlich an die beteiligten Gesundheitsfachberufe. Patientinnen und Patienten werden weiterhin direkt in Praxis oder Apotheke beraten und über aktualisierte Medikationspläne informiert.
Hintergrund: ABDA-KBV-Modell und Erfahrungen aus ARMIN
Die Arbeit am Medikationsbrief knüpft an das ABDA-KBV-Modell an, ein gemeinsames Konzept von Apothekerschaft und Kassenärztlicher Bundesvereinigung zur besseren Arzneimittelversorgung. Es umfasst drei Module:
Medikationsmanagement: gemeinsame Erfassung und Prüfung der Gesamtmedikation durch Arzt und Apotheke
Wirkstoffverordnung: Rezeptierung von Wirkstoffen statt Fertigarzneimitteln
Medikationskatalog: Festlegung leitlinienbasierter Mittel der ersten Wahl und Reservewirkstoffe
Im Rahmen von ARMIN waren etwa 10.000 Patienten in das Medikationsmanagement eingeschrieben, betreut von jeweils mehr als 300 Ärzten und Apotheken in Sachsen und Thüringen. Die wissenschaftliche Auswertung zeigte unter anderem einen positiven Effekt auf die Therapiesicherheit.
Nutzen und Erwartungen verschiedener Akteure
Das Faktenblatt zum ABDA-KBV-Modell nennt mehrere Vorteile:
Für Patienten: geringeres Risiko arzneimittelbezogener Probleme und höhere Therapietreue
Für Krankenkassen: Einsparpotenziale etwa durch weniger Doppelmedikationen
Für Ärzte und Apotheken: strukturierte Zusammenarbeit und klare Zuständigkeiten
Mit dem neuen Medikationsbrief soll diese Zusammenarbeit weiter gestützt werden – besonders dort, wo komplexe Medikamententherapien im Mittelpunkt stehen.
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