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Dermatologie
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Bei einer Psoriasis bilden sich schubweise entzündliche Plaques, die mit silbrig glänzenden Schuppen bedeckt sind. Doch damit nicht genug, weitet sich die Inflammation anschließend bei knapp einem Drittel der Erkrankten auf die Gelenke aus. Diese sogenannte Psoriasis-Arthritis kann unbehandelt zu dauerhaften Knochen- und Gelenkschädigungen führen. 

Verbindung zwischen Haut und Gelenken erstmals entschlüsselt

Bisher war unklar, welche Verbindung zwischen der Haut und den Gelenken besteht beziehungsweise wie und warum die Entzündungsreaktion bis dorthin vordringt. Am Universitätsklinikum Erlangen hat ein Forschungsteam der Medizinischen Klinik 3 nun im Mausmodell einen zweistufigen Prozess entschlüsselt, der für die Entwicklung der Psoriasis-Arthritis verantwortlich ist.

Erste Phase: Immunzellen wandern von Haut zu Gelenk

Zunächst konnte die wissenschaftliche Arbeitsgruppe die entzündungsfördernden Zellen identifizieren, die aus der Haut in die Gelenke wandern: Es handelt sich um myeloische Vorläuferzellen, die jeweils ein Zelladhäsionsmolekül CD2, einen Haupthistokompatibilitätskomplex II (MHC-II) und einen C-C-Chemokinrezeptor Typ 2 (CCR2) auf ihrer Zelloberfläche aufweisen (CD2+MHC-II+CCR2+). „Diese Zellen können von der Haut in den Blutkreislauf übertreten und dann in die Gelenke wandern“, sagt der wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiter Dr. Simon Rauber in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Erlangen. „Interessant ist, dass die Einwanderung der Immunzellen in das Gelenk allein nicht ausreicht, um dort eine Entzündung auszulösen.“ 

Zweite Phase: Entzündung im Gelenk durch gestörte Immunregulation

Angekommen im Gelenk, treffen die proinflammatorischen Zellen auf regulatorische Bindegewebszellen (Fibroblasten), die über die Interaktion ihres Oberflächenmoleküls CD200 mit dem entsprechenden Rezeptor CD200R1 auf den myeloischen Vorläuferzellen eine Entzündung dämpfen. „Bei Menschen, die eine Psoriasis-Arthritis entwickeln, ist diese Schutzfunktion der Bindegewebszellen deutlich reduziert“, erklärte Prof. Andreas Ramming, stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik 3. „Die Folge ist, dass die eingewanderten Entzündungszellen nicht kontrolliert werden und dadurch eine Entzündungsreaktion im Gelenk verursachen.“ 

Nicht alle Patienten entwickeln Psoriasis-Arthritis

Für die Entstehung einer Arthritis im Rahmen der Psoriasiserkrankung bedarf es also einerseits der wanderfreudigen myeloischen Vorläuferzellen in der Haut und andererseits einer proentzündlichen Mikroumgebung im Gelenk. Da diese zwei Voraussetzungen nicht bei allen Personen mit Psoriasis gegeben sind, kommt es nur bei einigen Betroffenen zu einer zusätzlichen Gelenkbeteiligung.

Früherkennung zukünftig mit neuen Biomarkern möglich?

Die auf Wanderschaft geratenen Immunzellen aus der Haut lassen sich im Blut nachweisen, noch bevor sie die Gelegenheit haben, eine Gelenkentzündung anzustoßen. Dies könnte man nach Meinung der Forschenden künftig als Frühwarnsignal nutzen, um gefährdete Patientinnen und Patienten rechtzeitig zu erkennen. 

Neue Therapieoptionen zur Prävention von Psoriasis-Arthritis

Darüber hinaus könnten Behandlungsstrategien entwickelt werden, die gezielt die wandernden Entzündungszellen aufhalten und somit einer Psoriasis-Arthritis vorbeugen. Da die Entzündungsreaktion auf dem Kontakt zwischen den myeloischen Vorläuferzellen und den synovialen Fibroblasten über die CD200-CD200R1-Achse basiert, schlägt das Wissenschaftlerteam vor, an dieser Stelle für die Entwicklung neuer gezielter Medikamente anzusetzen.

Risikofaktoren früh erkennen und gezielt vorbeugen

Menschen mit schwerer Psoriasis, positiver Familienanamnese, Nagelpsoriasis und Übergewicht haben laut der Psoriasis-Leitlinie ein erhöhtes Risiko, eine Psoriasis-Arthritis zu entwickeln.

Quellen:

Pressemitteilung der FAU Erlangen-Nürnberg

Raimondo MG et al. Nat Immunol 2026;27:35–47