Nierenstein-Risiko bei niedrigem Testosteron
Dr. Dagmar van ThielNeue Studiendaten weisen darauf hin, dass erniedrigte Testosteron-Spiegel bei Männern mit einem erhöhten Risiko für Nierensteine einhergehen können. Dies gilt vor allem für Männer um das Alter von 40 Jahren.
Die Prävalenz von Nierensteinen hat seit den 1990er-Jahren weltweit zugenommen. Bei den betroffenen Patienten entwickelt sich nach der ersten Initialzündung meist eine wiederholte Steinbildung mit unterschiedlichen Rezidivraten. Männer erkranken doppelt so häufig an Nierensteinen wie Frauen. An dieser Geschlechterdiskrepanz könnte der Einfluss des Testosterons beteiligt sein. Zu den bekannten Risikofaktoren für Nierensteine zählen unter anderem Fettleibigkeit, Diabetes, Bluthochdruck und metabolisches Syndrom. Es wird vermutet, dass einige dieser Risikofaktoren ebenfalls mit einem niedrigen Testosteron-Spiegel in Verbindung stehen.
Testosteron und Nierensteine: Umstrittene Rolle des Hormons im Fokus
Allerdings ist die Rolle des Testosterons bei der Entstehung von Nierensteinen nach wie vor umstritten, wie Dr. Nannan Thirumavalavan vom University Hospitals Cleveland Medical Center, Cleveland, Ohio/USA, im Rahmen einer aktuellen Studienpublikation berichtete. Um der Frage systematisch nachzugehen, konzipierten die Wissenschaftler eine großangelegte Untersuchung, in der sie Daten der multi-institutionellen TriNetX-Plattform nutzten, eines weltweiten Verbundnetzwerks für globale Real-World-Daten und Evidenz für Biowissenschaften und Gesundheitswesen. Ziel dieser retrospektiven Kohortenstudie mit 263.557 Männern im Alter von 18 Jahren und älter war es, das Risiko für die Entwicklung eines ersten Nierensteins anhand ihres Testosteron-Spiegels zu bewerten. Die Probanden wurden in zwei Gruppen nach niedrigen und normalen Testosteron-Werten eingeteilt (Low-T: < 300 ng/dl und Normal-T: ≥ 300 ng/dl).
Hohes Risiko bei 34 bis 44-Jährigen
Der primäre Endpunkt war die erstmalige Diagnose von Nierensteinen. Damit verknüpft wurde zusätzlich eine nach Altersstufen stratifizierte Analyse: 18 bis 24 Jahre, 25 bis 33, 34 bis 44, 45 bis 54, 55 bis 64 sowie 65 Jahre und älter. Zur statistischen Auswertung diente die Cox-Regression. Männer, bei denen vor der Testosteron-Messung bereits Nierensteine diagnostiziert worden waren oder die zu irgendeinem Zeitpunkt eine Testosteron-Therapie erhalten hatten, wurden aus der Untersuchung ausgeschlossen.
Niedriger Testosteronspiegel erhöht Nierenstein-Risiko
Die Auswertung zeigte, dass bei Männern ab 18 Jahren ein niedriger Testosteron-Spiegel mit einem höheren Risiko für eine oder mehrere Nierensteindiagnosen verbunden war (HR 1,12, 95 % KI [1,09–1,15]). Bei der Altersstratifizierung wurde bei Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren kein signifikanter Zusammenhang zwischen einem niedrigen Testosteron und der Diagnose von Nierensteinen festgestellt (HR 1,09, 95 % KI [0,85–1,39]). Das höchste Risiko wurde bei den Männern im Alter von 34 bis 44 Jahren beobachtet (HR 1,29, 95 % KI [1,17–1,38]).
Nieren- und Harnsteine auf dem Vormarsch: Ursachen, Diagnostik und moderne Therapie
Die steigende Inzidenz und Prävalenz von Nieren- und Harnsteinen dürfte nicht nur auf veränderte Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen sein, sondern auch auf die verbesserte medizinische Diagnostik und breit genutzte sonografische und computertomografische Techniken. Die Steine können heute in aller Regel minimal-invasiv therapiert werden. Jedoch erfordern hohe Rezidivraten von bis zu 50 Prozent gemäß den geltenden Leitlinien die Suche nach Risikofaktoren. Bei betroffenen Patienten sollte eine Metaphylaxe mit erweiterter metabolischer Diagnostik und gegebenenfalls diätetischen und medikamentösen Maßnahmen eingeleitet werden.
Das Risiko ...
... für Männer, einen ersten Nierenstein zu entwickeln, beginnt im Alter von 25 Jahren zu steigen, wenn die Gesamttestosteron-Spiegel erniedrigt sind und noch nie eine Hormonsubstitution erfolgte.