Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Geldanlagen

Seit dem Angriff der USA auf den Iran und der daraus resultierenden Eskalation im Nahen Osten herrscht auf den Finanzplätzen in Europa sowie weltweit Unruhe. Der DAX als wichtigster deutscher Aktienindex verbucht seitdem immer wieder Verluste, steigende Gas- und Ölpreise setzen dem Welthandel zu und die Folgen für die Weltwirtschaft sind noch nicht abzusehen. In diesen turbulenten Zeiten stellt sich für viele Anleger die Frage, wie sie ihre Finanzstrategie neu ausrichten können. 

Eine zentrale Botschaft ist dabei, dass die Märkte vergleichsweise resilient auf die derzeitigen geopolitischen Spannungen reagieren. „In letzter Zeit gibt es zwar eine ungewöhnlich starke Korrelation zwischen den Energiepreisen und Aktienmärkten, aber im Vergleich zu den Folgen des Ukrainekriegs haben sowohl der Markt als auch die Investmenthäuser aufgrund der weiterhin freundlichen fundamentalen Rahmenbedingungen ein positiveres Basisszenario im Blick“, sagt Sarah Schalück, Client Portfolio Managerin bei der apoBank im Gespräch mit ARZT & WIRTSCHAFT. Das Szenario sieht unter anderem vor, dass sich der Ölpreis mittelfristig auf knapp 100 US-Dollar bei gleichzeitig hoher Volatilität einpendelt – stets unter der Voraussetzung, dass sich der Krieg und die Nahost-Eskalation nicht über einen größeren Zeitraum erstrecken. „Momentan ist die Erwartung vom Markt, dass sich das Thema mittelfristig löst“, so die Einschätzung von Schalück.    

Finanzmärkte richten sich nach der Zukunft

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt zudem, dass geopolitische Faktoren einen eher kurzfristigen Einfluss auf die Märkte haben und die Finanzplätze vielmehr auf Fundamentaldaten wie Wirtschaftswachstum und Zinsentwicklung setzen. Das zeigt auch das Beispiel einer auf langfristige Rendite ausgelegten Anlagestrategie, das Schalück vorrechnet.

„Wer einen Tag vor Ausbruch des Ukrainekriegs (23.02.2022, Anm. d. Red.) 100.000 Euro angelegt hätte, hätte aufgrund von Korrekturen zwar zwischenzeitlich nur noch 93.000 Euro gehabt. Bis zum Schlusskurs 17.03.2026 wäre aber das angelegte Vermögen auf über 160.000 Euro herangewachsen – trotz Widrigkeiten wie Ukrainekrieg, steigender Inflation, schwächeren US-Dollars oder Trumps Zollpolitik.“ Märkte folgen damit oft einem bestimmten psychologischen Muster: Sie warten nicht erst ab und handeln in der Gegenwart, sondern handeln nach Zukunftserwartungen.

Auch an Edelmetalle denken

Das macht gerade auch in der jetzigen Zeit eine langfristige Anlagestrategie attraktiv, meint Schalück. „Für Anlegerinnen und Anleger ist es enorm wichtig, Vermögen über einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren anzulegen, damit sie das Auf und Ab besser auffangen können. Viele Aktien werden in Krisenzeiten außerdem vergleichsweise günstig bewertet, was eine gute Gelegenheit für einen Einstieg darstellt.“ Wichtig ist hier laut der apoBank-Expertin insbesondere, auf Diversifikation im Vermögensportfolio und somit eine bedachte Risikostreuung zu setzen. Aktien aus dem Energiesektor sind beispielsweise zurzeit sehr gefragt und können ein solches Portfolio sinnvoll ergänzen, sollten aber nicht die alleinige Anlageform darstellen.

Ähnlich verhält es sich mit Edelmetallen wie Gold und Silber. „Gold behält seine Funktion als sicherer Hafen nach wie vor bei und sollte mit ins Portfolio rein. Bei Silber wäre ich vorsichtiger – der Silberpreis ist sehr volatil und hängt auch sehr von der industriellen Nachfrage ab.“ Auch zuletzt gesunkene Goldpreise ändern nichts an dieser Einschätzung, während die Kurse bei Silber nach einem zwischenzeitlichen Allzeithoch zu Beginn des Jahres wieder schwankend unterwegs sind.

Zinssteigerungen möglich

Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten beobachten auch Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) gerade sehr aufmerksam. Derzeit liegt der wichtigste Leitzins im Euro-Raum, der Zinssatz für Einlagen, bei 2,0 Prozent. Kommt es zu höheren Leitzinsen, dann wird ein Einstieg in festverzinsliche Wertpapiere für Anleger oft attraktiver, dafür reagieren Aktienmärkte tendenziell nervöser. Für die eigene Anlagestrategie spielt zudem etwas sehr Persönliches eine Rolle: wie viel Risiko das Nervenkostüm aushält. „Wer bei 90 Prozent Aktienanteil im Portfolio nicht mehr ruhig schlafen kann, sollte diesen definitiv reduzieren, Renditechance hin oder her“, so Schalück.

Wichtig ist es dabei auch, Zeit zu investieren: „Die ist essenziell, um eine gute Diversifikation hinzubekommen.“ Um eventuell Zeit zu sparen und Nerven am  eher volatilen Aktienmarkt zu schonen, empfiehlt es sich laut apoBank auch, auf die Expertise von Vermögensverwaltungen zurückzugreifen. Denn die können im Endeffekt auch besonders darauf achten, ob die Gewichtung des Portfolios noch intakt ist, und auf geopolitische Krisen angemessen reagieren.

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