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Der Zugang zur ambulanten dermatologischen Versorgung wird in vielen Regionen Ostdeutschlands zunehmend zur Herausforderung. Die ärztliche Bedarfsplanung zeigt alarmierende Entwicklungen: Besonders in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erreichen ländliche Regionen teils kritische Versorgungsgrade.

Beispiele aus Sachsen verdeutlichen die Dynamik:

  • Kreis Löbau‑Zittau: 15 % dermatologischer Versorgungsgrad (2016: 122 %)

  • Kreis Annaberg: 60 % (2016: 161 %)

  • Kreis Bautzen: 78 % (2016: 142 %)

BVDD-Präsident Dr. Ralph von Kiedrowski warnt: „Versorgungsgrade im unteren zweistelligen Bereich sind nicht nur Zahlen – sie bedeuten für Betroffene lange Wege, Wartezeiten und vermeidbare Krankheitsprogression.“

Steigende Krankheitslast trifft auf sinkende Arztzahlen

Parallel zu dieser Entwicklung nimmt die dermatologische Krankheitslast deutlich zu. Die Universität Lübeck schätzt für 2025 rund 320.000 neue Fälle von hellem Hautkrebs. Hinzu kommen chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Psoriasis oder atopische Dermatitis, die eine kontinuierliche fachärztliche Begleitung erfordern.

Auch westdeutsche Regionen geraten zunehmend unter Druck. Die KBV meldet aktuell zahlreiche offene Niederlassungsmöglichkeiten, etwa:

  • 16 in Niedersachsen

  • 12 in Bayern

  • 10 in Rheinland-Pfalz

Die Ursachen sind vielfältig:

  • alternde Ärzteschaft und steigende Praxisabgaben

  • fehlende Attraktivität der Niederlassung in ländlichen Regionen

  • unklare Nachfolgesituationen

  • Präferenz junger Fachärztinnen und Fachärzte für urbane Zentren

Nachwuchsförderung: BVDD setzt auf Qualifizierung und Attraktivität

Um dem Trend entgegenzuwirken, setzt der BVDD auf gezielte Förderung: Die AG Junge Dermatologen informiert seit 15 Jahren über Karrieremöglichkeiten und macht die Niederlassung als attraktive Perspektive sichtbar.

Neue Qualifikation: Dermatologische Fachassistenz (DFA): Mit der neuen, von der Bundesärztekammer zertifizierten Spezialisierung sollen MFA gezielt für dermatologische Praxen qualifiziert werden. Ziel: Entlastung der Fachärztinnen und Fachärzte sowie Sicherstellung der Praxisabläufe trotz Fachkräftemangel.

BVDD fordert bessere Steuerung – aber keinen Umweg über den Hausarzt

Eine moderne Patientensteuerung sei wichtig, betont der BVDD – aber nicht auf Kosten chronisch kranker Dermatologie‑Patientinnen und Patienten. „Eine rein hausärztliche Primärversorgung ist ungeeignet für eine zielgerichtete dermatologische Behandlung“, warnt von Kiedrowski mit Blick auf Pläne für ein Primärarztsystem.

Der Verband fordert stattdessen:

  • Direktzugang zu dermatologischen Facharztpraxen für chronisch Erkrankte

  • Kontinuierliche fachärztliche Betreuung bei Allergien und entzündlichen Dermatosen

  • Direkte Versorgung für Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs oder dessen Vorstufen

  • Sicherstellung des freien Zugangs zum gesetzlichen Hautkrebsscreening

Bagatellerkrankungen aus Praxen fernhalten – für mehr Ressourcen bei schweren Fällen

Um dermatologische Versorgung ortsnah zu sichern, müssten Ressourcen neu priorisiert werden. Das bedeutet laut BVDD: Bagatellfälle wie Warzen oder Fußpilz sollten anders gesteuert werden, Vergütungsstrukturen müssen angepasst werden, um komplexe Fälle angemessen zu honorieren, Praxen dürfen nicht länger auf hohe Fallzahlen einfacher Diagnosen angewiesen sein. „Es muss sich wieder lohnen, komplexe Fälle zu behandeln“, fordert der BVDD-Präsident.

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