Medizinische Großgeräte sicher ins Praxis-Netzwerk einbinden
Bianca NuberMedizinische Großgeräte wie CT, MRT oder digitale Röntgensysteme erzeugen sensible Patientendaten und übertragen diese ins Praxis-Netzwerk. Für solche Großgeräte gelten besondere Anforderungen an die IT-Sicherheit. Hier erfahren Sie die wichtigsten Schritte.
1. Zugriff einschränken
Die Praxisinhaber legen fest, wer von Ihnen und welche IT-Dienstleister auf das medizinische Großgerät zugreifen dürfen, um Einstellungen vorzunehmen oder zu ändern. Gleiches gilt für die Wartung des CT, MRT, PET oder Linearbeschleunigers. Wie bei allen anderen Geräten in Ihrer Praxis gilt auch bei einem medizinischen Großgerät: den Zugriff sperren, sobald Sie das Gerät nicht mehr verwenden. Dieser darf nur mit Entsperrungscode oder einer Authentifizierung möglich sein.
2. Voreinstellungen prüfen
Wird ein neues oder gebrauchtes medizinisches Großgerät angeschafft, müssen Sie das vom Hersteller oder Verkäufer eingerichtete Passwort ändern. Auch sollten Sie dokumentieren, dass Sie das alte Passwort geändert und das neue sicher hinterlegt haben.
3. Nicht genutzte Funktionen deaktivieren
Alle nicht genutzten Dienste, Funktionen und Schnittstellen eines medizinischen Großgerätes müssen deaktiviert oder deinstalliert werden, soweit dies technisch möglich ist.
4. Sichere Protokolle verwenden
Wird in Ihrer Praxis ein medizinisches Großgerät eingerichtet, verwaltet oder gewartet, dürfen nur sichere Netzwerk- und Kommunikationsprotokolle verwendet werden. Ein Beispiel für ein sicheres Protokoll ist HTTPS (Hypertext Transfer Protocol Secure). Es kennzeichnet eine sichere Übertragung von Daten. Erkennbar ist es durch ein vorangestelltes „https“ bei der Adresse im Browser (z.B. „https://www.praxis.de“). Ein weiteres Beispiel für ein sicheres Protokoll ist SFTP (Secure File Transfer Protocol). Es kennzeichnet eine verschlüsselte Übertragung von Daten und schützt diese während der Übertragung vor unbefugten Zugriffen. Erkennbar ist es durch ein vorangestelltes „sftp“ bei der Adresse (z.B. „sftp://sftp.kbv.kv-safenet.de“).
5. Eigenes Segment im Praxis-Netzwerk
Ein medizinisches Großgerät sollte ein eigenes Segment im Praxis-Netzwerk haben. Das heißt, es muss innerhalb des großen Praxis-Netzwerkes, in das es eingebunden ist, ein kleines eigenes Teil-Netzwerk haben, das für zusätzlichen Schutz sorgt.
Dadurch gibt es im Falle eines Cyberangriffs auf Ihr Praxis-Netzwerk eine zusätzliche Hürde und Absicherung für das Großgerät und die darauf befindlichen Patientendaten. Ein eigenes besonders abgeschottetes Netzsegment bietet sich auch an, wenn es für ein medizinisches Großgerät keine Updates mehr gibt, es aber aus wirtschaftlichen Gründen weiter betrieben werden soll.
6. Im Netzplan verzeichnen
Außerdem muss Ihre Praxis ein medizinisches Großgerät im praxisindividuellen Netzplan verzeichnen. Ein solcher Netzplan enthält und veranschaulicht die eigene IT-Infrastruktur. In welcher Form und Darstellung der Plan erstellt wird, entscheidet der/die Praxisinhaber:in.
Kaufen, verkaufen, ausrangieren?
Sie müssen ein altes medizinisches Großgerät ausrangieren und ein neues oder gebrauchtes anschaffen? Dann sollten Sie auf folgende Punkte achten:
Verkauf oder Außerbetriebnahme
Seriöse:n Käufer wählen
Speicher löschen oder Speicher-Chip entfernen
Generell sicherstellen, dass keine sensiblen Daten am/im Gerät zu finden sind, beispielsweise Namen oder Benutzerkonten der Praxisangestellten, die Zugriff hatten.
Suche und Kauf eines anderen Gerätes
Seriöse Hersteller, Anbieter, Händler wählen
Auf CE-Kennzeichnung achten. Sonst nicht erwerben!
Garantie und Gewährleistung: Beim Kauf von gewerblichen Händler:innen für Medizintechnik ist eine Gewährleistung üblich; reine Privatkäufe sollten vermieden werden, da hier die Produkthaftung oft ausgeschlossen ist.
Das Gerät muss sicherheitstechnisch einwandfrei sein, es ist ratsam, einen aktuellen Prüfbericht einer Sicherheitstechnischen Kontrolle (STK) nach Paragraf 11 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung zu verlangen.
Der Verkäufer muss garantieren, dass die Software auf dem aktuellen Stand ist und keine Sicherheitslücken aufweist.
Es muss zwingend eine deutschsprachige Gebrauchsanweisung (Bedienungsanleitung) vorhanden sein.
KBV - Medizinische Geräte sicher ins Praxis-Netzwerk einbinden