Was Reinertrag wirklich bedeutet

Honorar ist nicht gleich Gewinn: Soviel bleibt Ärzten netto

Mediziner, vor allem niedergelassene Ärzte, werden häufig als Großverdiener dargestellt. Allerdings werden bei solchen Rankings meist die durchschnittlichen Reinerträge einer Arztpraxis genannt. Doch das Honorar ist eben nicht das Netto-Einkommen des Arztes.

Ärzte sind Deutschlands Top-Verdiener, das hat zuletzt der StepStone Gehaltsreport 2016 bestätigt. Tatsächlich ist das Gehalt der angestellten Ärzte mit mindestens 64.100 Euro im Vergleich zu anderen Berufszweigen überdurchschnittlich hoch. Doch gilt das auch für niedergelassene Mediziner?

Den Eindruck kann man durchaus bekommen, wenn man die Interessenvertreter der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen hört. Die bezeichnen Ärzte pauschal als „eine der bestbezahlten Berufsgruppen in diesem Lande“ und sehen hier wohl ein gewisses Einsparpotential beim Arzt-Enkommen: „Der in einigen Regionen drohende Mangel an Hausärzten wird nicht dadurch behoben, dass zusätzliches Geld mit der Gießkanne über alle Ärzte verteilt wird“, heißt es auf der Homepage des GKV-Spitzenverbandes. Wenigstens gegen gezielte Fördermaßnahmen „vor Ort“ hat der Verband nichts einzuwenden.

Zwei Untersuchungen bestätigen Honorar-Entwicklung

Untermauert wird die Argumentation durch zwei Untersuchungen. Die eine hat der Spitzenverband selbst in Auftrag gegeben, allerdings schon im Jahre 2012. Die habe gezeigt, dass die Einnahmen der Ärzte mit eigener Praxis deutlich stärker steigen als ihre Ausgaben. Die Entwicklung dürfte inzwischen gebremst sein. Die Überschüsse aus vertragsärztlicher Tätigkeit hätten sich bis 2011 auf 134.000 Euro je Arzt erhöht, so die weiteren Ergebnisse. Beziehe man die Einnahmen der Ärzte durch die Versorgung von privat Versicherten mit ein, erhöht sich der Reinertrag je Arzt im gleichen Zeitraum sogar auf 165.000 Euro.

Wie es auf der GKV-Seite weiter heisst, habe auch die letzte Erhebung des Statistischen Bundesamtes die Entwicklung bestätigt. Die hat die Arzteinkommen bis 2011 untersucht und einen durchschnittlichen Reinertrag je Arzt von 166.000 Euro pro Jahr ausgemacht. Neue Zahlen wird es dazu im kommenden Jahr geben.

Bei dieser Darstellung lässt der Verband aber unter den Tisch fallen, dass Brutto eben auch bei Ärzten mit eigener Praxis nicht gleich Netto, sondern höchstens vergleichbar mit dem Bruttogehalt eines angestellten Arztes ist. „Reinertrag“ klingt aber so und wird in der Medienberichterstattung auch häufig so interpretiert. Die Wirklichkeit sieht allerdings schon anders aus. Fairerweise weist zumindest das Statistischen Bundesamt in seinen Veröffentlichungen darauf hin.

So bedeutet „Reinertrag“ lediglich, dass die Summe der Aufwendungen (z.B. für Sach- und Personalkosten) von der Summe der Einnahmen abgezogen wurde. Das ist aber nur ein Bruchtteil der tatsächlichen Kosten, die ein Praxisinhaber zu tragen hat: Er muss davon beispielsweise auch noch die Einkommenssteuer, alle Versicherungen für sich und seine Angehörigen zu 100 Prozent bezahlen (Renten-, Kranken – und Pflegeversicherung) sowie die Beiträge zu Versorgungseinrichtungen. Werden auf der Ausgabenseite sämtliche steuerlich relevanten Kosten in der Praxis und Ausgaben des Arztes für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtig, bleiben dem Arzt netto im Durchschnitt gerade mal 23,5 bis 24,5 Prozent des Gesamthonorarumsatzes übrig.

Das sind – um bei den Zahlen von 2011 zu bleiben – 5.000 Euro netto (inklusive privatärztliche Einkünfte 5.442 Euro). Das liegt natürlich zwar über dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen, dafür arbeitet ein niedergelassener Arzt allerdings auch etwa 60 Stunden pro Woche, hat deutlich weniger Urlaub als ein Arbeitnehmer und muss von seinen Nettoeinnahmen auch noch den Kredit bedienen, den er für seine Praxis aufgenommen hat und trägt das volle wirtschaftliche und haftungsrechtliche Risiko.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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