Was Reinertrag wirklich bedeutet

Reinerlös ist nicht gleich Gewinn: Soviel bleibt Ärzten netto

Mediziner, vor allem niedergelassene Ärzte, werden häufig als Großverdiener dargestellt, zuletzt in der Sendung „hart aber fair“. Allerdings werden bei solchen Rankings meist die durchschnittlichen Reinerträge einer Arztpraxis mit dem Gewinn gleichgesetzt. Doch der Praxiserlös ist eben nicht das Netto-Einkommen des Arztes.

Ärzte sind Deutschlands Top-Verdiener, das bestätigen diverse Gehaltsreporte jedes Jahr aufs Neue. Tatsächlich ist das Gehalt der angestellten Ärzte im Vergleich zu anderen Berufszweigen überdurchschnittlich hoch. Doch gilt diese Spitzenposition auch für Mediziner mit eigener Praxis?

Den Eindruck kann man durchaus bekommen, wenn man die Interessenvertreter der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen hört. Die bezeichnen Ärzte pauschal als „eine der bestbezahlten Berufsgruppen in diesem Lande“. Für Diskussionen sorgte zuletzt auch die Sendung „hart aber fair“. Dort listete ein kurzer Einspieler die durchschnittlichen Reinerlöse der Praxen auf. Wie so oft, wurde hier nur darauf hingewiesen, welche Ausgaben bereits abgezogen wurden. Welche Kosten der Arzt vom Reinerlös noch bezahlen muss, wurde an dieser Stelle nicht genannt. Damit wurde mal wieder der Eindruck erweckt, dass der Reinerlös tatsächlich der Nettoverdienst des Arztes ist. Dem ist aber nicht so.

Video „Was verdienen Ärzte?“ – Hart aber fair

Hart aber fair | Video Was verdienen Ärzte?: Hausärzte, Radiologen, Orthopäden – sie alle verdienen ganz unterschiedlich. Wie viel die Inhaber von Praxen im Schnitt an Reinerlös erzielen, hat das Statistische Bundesamt berechnet.

Zwei Untersuchungen bestätigen die Honorar-Entwicklung

Bei dieser Darstellung lässt man also mal wieder unter den Tisch fallen, dass Brutto eben auch bei Ärzten mit eigener Praxis nicht gleich Netto, sondern höchstens vergleichbar mit dem Bruttogehalt eines angestellten Arztes ist. „Reinertrag“ klingt aber so und wird in der Medienberichterstattung auch häufig so interpretiert. Die Wirklichkeit sieht allerdings schon anders aus. Fairerweise weist zumindest das Statistische Bundesamt in seinen Veröffentlichungen darauf hin.

So bedeutet „Reinertrag“ lediglich, dass die Summe der Aufwendungen (z.B. für Sach- und Personalkosten) von der Summe der Einnahmen abgezogen wurde. Das ist aber nur ein Bruchtteil der tatsächlichen Kosten, die ein Praxisinhaber zu tragen hat: Er muss davon beispielsweise auch noch die Einkommenssteuer, alle Versicherungen für sich und seine Angehörigen zu 100 Prozent bezahlen (Renten-, Kranken – und Pflegeversicherung) sowie die Beiträge zu Versorgungseinrichtungen. Werden auf der Ausgabenseite sämtliche steuerlich relevanten Kosten in der Praxis und Ausgaben des Arztes für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtig, bleiben dem Arzt netto im Durchschnitt gerade mal 23,5 bis 24,5 Prozent des Gesamthonorarumsatzes übrig.

Das sind oft nur etwa 5.000 Euro netto (inklusive privatärztliche Einkünfte 5.442 Euro). Das liegt zwar deutlich über dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen, dafür arbeitet ein niedergelassener Arzt allerdings auch etwa 60 Stunden pro Woche, hat deutlich weniger Urlaub als ein Arbeitnehmer und muss von seinen Nettoeinnahmen auch noch den Kredit bedienen, den er für seine Praxis aufgenommen hat. Und er trägt das volle wirtschaftliche und haftungsrechtliche Risiko.

Schade, dass diese Fakten vielen Medien keine Erwähnung wert sind.

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