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Für 91 Prozent der Bevölkerung ist das Internet heute auch eine zentrale Informationsquelle für Gesundheitsfragen. Ob Kopfschmerzen, Schnupfen oder das Zwicken im Knie: Google und KI-Systeme wie ChatGPT liefert innerhalb von Sekunden und rund um die Uhr eine Bewertung der Symptome sowie dazugehörige Behandlungsvorschläge. Besonders jüngere Menschen zwischen 16 und 34 Jahren nutzen diese Möglichkeit zunehmend und intensiv. Laut KKH‑Umfrage hat bereits jede(r) Fünfte in dieser Altersgruppe eine Selbstdiagnose im Internet gestellt.

Ein Drittel aller Befragten (32 Prozent) gab an, online nach Symptomen zu recherchieren, um sich den Arztbesuch zu sparen. Als Grund werden häufig überfüllte Praxen oder lange Wartezeiten genannt. Rund ein Viertel (23 Prozent) berichtet zudem, sich durch Internetrecherchen tatsächlich schon selbst geholfen zu haben.

Online-Recherche bei Krankheiten: manchmal hilfreich, aber immer mit Risiken verbunden

KKH‑Psychologin Isabelle Wenck betont, dass medizinische Informationen im Netz grundsätzlich nützlich sein können, sofern sie aus seriösen Quellen stammen. 53 Prozent der Befragten nutzen die Recherche gezielt, um sich auf ein Arztgespräch vorzubereiten.

Problematisch wird es jedoch, wenn die Fülle an Diagnosen Laien überfordert. 15 Prozent fühlen sich durch ihre Recherche verunsichert. Suchmaschinen liefern zu unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Schwindel neben harmlosen Ursachen auch schwerwiegende Szenarien wie Multiple Sklerose oder Hirntumoren – mit teils psychischen Folgen.

Cyberchondrie: Wenn Googeln Ängste verstärkt

Vor allem Menschen mit Angst- oder Zwangsstörungen können durch ständiges Recherchieren in einen Kreislauf aus Sorgen, Fehlinterpretationen und dramatisierten Eigendiagnosen geraten. Dieses zwanghafte Verhalten – auch „Morbus Google“ genannt – verschärft Gesundheitsängste und führt nicht selten dazu, dass ärztliche Hilfe gemieden wird.

Warum die richtige Diagnose nur die Praxis liefern kann

Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet das zusätzlichen Aufwand in der Sprechstunde: Sie müssen ihren Patienten deutlich vermitteln, dass eine fundierte medizinische Beurteilung immer eine professionelle Untersuchung erfordert. Vom Blutbild bis zur körperlichen Diagnostik: Online-Ergebnisse können das nicht ersetzen und verzögern im schlimmsten Fall dringend notwendige Behandlungen. Wichtig ist auch der Hinweis, nur seriöse Quellen zu nutzen und Krankheitsverläufe anderer nicht auf sich selbst zu übertragen.

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