Mehr als nur Golf: Hobbys für Ärztinnen und Ärzte
Heiko FeketeWenn das Praxisleben gerade Pause macht, vertiefen sich Niedergelassene gerne in ihre Hobbys und Interessen. Welche sind typisch für die Ärzte und welche bringen überraschende Erkenntnisse mit sich? ARZT & WIRTSCHAFT hat für Sie die Antworten dazu und weitere Hobby-Anregungen parat.
Es mag eine gewagte These sein, aber vielleicht spricht ein Kollege hier dem ärztlichen Berufsstand aus der Seele: „Ein echter Arzt hat kein Hobby, das Arztdasein ist sein eigentliches Hobby“, so schildert er es in einer stichprobenartigen Umfrage der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Diese hat ihre Mitglieder zu typischen Hobbys aus dem Umfeld der Ärzteschaft befragt. Genannt wurden dabei einige Freizeitaktivitäten, die typischerweise mit Medizinern in Verbindung gebracht werden – darunter Golf, Segeln, Tennis oder allgemein Sport als Ausgleich zum oft stressigen Berufsalltag. Aber eben auch die Auseinandersetzung mit Medizin an sich wurde in dieser Liste aufgezählt.
Das wirft zwar natürlich ein gutes Licht auf Ärztinnen und Ärzte, die sich damit als fürsorgliche Helfer in den Dienst ihrer Patienten stellen. Gleichzeitig ist es wichtig, einen guten Ausgleich zum stressigen Praxisalltag zu finden. Das belegt auch ein Medscape-Report von 2025, bei dem 86 Prozent der Befragten angaben, dass Freizeitinteressen wesentlich zur Stabilisierung der mentalen Gesundheit beitragen. Für 66 Prozent der Umfrageteilnehmer ist Sport ein wichtiges Hobby, auch Lesen (64 %), Gartenarbeit (48 %) oder Musizieren (39 %) stehen hoch im Kurs. Aber auch ungewöhnlichere Aktivitäten finden sich in dieser Liste wieder – welche das sind und wie Niedergelassene Hobbys bestmöglich neben der Praxis einbauen können, finden Sie in dieser Übersicht.
Ärztinnen und Ärzte als Zocker?
Tausche Arztkittel und Stethoskop gegen Controller und Konsole: Was auf den ersten Blick nach einem unpassenden Match klingt, könnte besser harmonisieren als gedacht. Das zeigt auch eine kanadische Studie aus dem Jahr 2021. Demnach haben angehende Mediziner, die in ihrer Freizeit gerne Videospiele zocken, bestimmte Fertigkeiten für chirurgische Eingriffe verbessert. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass „Gamer“ bei einer Laparoskopie mit den dazugehörigen Instrumenten besser umgegangen sind. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass Videospiele und die Chirurgie ähnliche Anforderungen haben.
Dazu zählen insbesondere das räumliche Vorstellungsvermögen und eine geschulte Koordination zwischen Augen und Händen. Sie legten außerdem nahe, Videospiele als ergänzendes und maßvolles Training für die Motorik mit einzubauen. Als besonders wertvolles Spiel wurde dabei der Ego-Shooter „Half-Life“ genannt. Auch „Rocket League“, eine Mischung aus Fußball und Stockcar-Rennen, soll laut der Studie hilfreich sein. Wer sich nach der Praxis in virtuelle Welten begeben möchte, hat inzwischen sehr viele Möglichkeiten. Die Bandbreite reicht von Actionspielen und Ego-Shootern bis hin zu Rollen- und Strategiespielen sowie Spielen, die auf Storytelling und ein intensives Erleben der Spielwelt setzen. Dies trifft insbesondere auf sogenannte Indie-Games von kleineren Entwicklerstudios zu.
Sportliche Aktivitäten
Sport gilt als einer der besten Wege, um Stress und Anspannung abzubauen und sich für die tägliche Arbeit in der Praxis zu stärken. Welche Sportart für einen selbst am besten ist, ist dabei ganz unterschiedlich. Einzelsportarten wie Golf, Schwimmen oder Radfahren sind hervorragend dazu geeignet, um das eigene Fitnesslevel anzuheben, und sie lassen sich auch in eine eng geplante Woche nach getaner Praxisarbeit integrieren. Teamsportarten in Vereinen sind oft zeitintensiver, hier können Ärztinnen und Ärzte aber beispielsweise ihre Leidenschaft für die Sportart mit einem Ehrenamt verbinden und sich als medizinischer Berater im Verein engagieren. Denkbar ist es zum Beispiel, bei entsprechender Fachkenntnis den Vereinsmitgliedern die richtige Belastungssteuerung im Training zu vermitteln.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Wege, um sich gemeinsam mit Kolleginen und Kollegen sportlich zu betätigen. Der Verein „Deutsche Fußball-Ärztemannschaft e. V.“ mit Sitz in Mainz dient zum Beispiel dazu, den medizinischen Austausch untereinander zu verbessern und sich in einem fairen sportlichen Rahmen zu vernetzen. Er richtet außerdem immer wieder Benefizspiele aus, um so Stiftungen und karitative Einrichtungen zu unterstützen. Ein beliebter Wettkampf unter Ärzten sind auch die Sportweltspiele der Medizin und Gesundheit, auch Medigames genannt. Sie finden dieses Jahr vom 13. bis 20. Juni in Kroatien statt.
Musizieren und Singen
Ähnlich wie Sport hat auch Musik viele positive Einflüsse auf die Gesundheit. Musizieren fördert umfassend die körperliche und geistige Gesundheit, indem es die Neuroplastizität steigert, das Gehirn vernetzt und Stress durch die Ausschüttung von Endorphinen reduziert. Auch kognitive Fähigkeiten werden durch Musik verbessert und gefördert. Zudem sind musikalische Aktivitäten immer auch ein guter Weg, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Aus diesem Grund gibt es bereits mehrere Orchester, in denen sich Mediziner regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren treffen.
Ein bekanntes Beispiel ist das Deutsche Ärzteorchester, welches 1989 als erstes gesamtdeutsches Ärzteorchester gegründet wurde. Daneben gibt es auch lokale Gruppierungen wie das Bayerische Ärzteorchester, das Stuttgarter Ärzteorchester oder das Ärzteorchester Hannover. Alle haben gemeinsam, dass sich hier Ärztinnen und Ärzte mit einer Leidenschaft für symphonische Musik engagieren können. Unter ärztlichen Kollegen finden sich auch Jazzfreunde, die in Big Bands zusammenspielen – oder als Rockband auftreten. Diesen Weg geht die Mainzer Mediziner-Band „medROCK“, die in ihren Songs verschiedene medizinische Themen aufgreift.
Von Künstlern und Hobby-Gärtnern
Viele Hobbys zielen auch darauf ab, ein entschleunigendes Gegengewicht zu den Herausforderungen des ärztlichen Berufs zu schaffen. Daher zieht es Ärztinnen und Ärzte oft auch in den künstlerischen Bereich. So war eine Ausstellung der Sächsischen Landesärztekammer zuletzt einigen künstlerischen Werken ihrer Mitglieder gewidmet. Hier wurde Kunst als Werkzeug beschrieben, um in den Moment des Zeichnens oder Malens zu versinken und in eine eigens erschaffene Welt einzutauchen. Kurse mit künstlerischem Bezug sind sehr beliebt bei Volkshochschulen, oft sind es Mal- und Töpferkurse, bei denen Interessierte hineinschnuppern können und so vielleicht ihr künstlerisches Talent für sich entdecken.
Entschleunigend und oft auch therapeutisch wirkt Gartenarbeit. Zahlreiche Studien belegen, dass sie beispielsweise die kardiovaskuläre sowie geistige Fitness fördert und sich deshalb als Hobby immer größerer Beliebtheit erfreut. Um hier einzusteigen, muss es zu Beginn auch nicht gleich der eigene Kleingarten sein: Oft bietet sich an, eine kleine Gartenoase zuhause zu schaffen oder auch auf dem Balkon. Ideale Pflanzen für einen kompakten Garten sind zum Beispiel Tomaten oder Zucchini. Auch Erdbeeren sind gut für Einsteiger und schmecken gerade im Sommer frisch geerntet richtig lecker.
Wichtig ist hier aber, wie bei vielen anderen Hobbys: Der Spaß sollte im Vordergrund stehen. Erfolgserlebnisse sind natürlich wünschenswert, aber nicht das Hauptziel der Beschäftigung. Kleinere Rückschläge sollten nicht entmutigen, sondern vielmehr als Lernerfahrung dienen und auch vor Augen führen, dass Fehler oder Imperfektion bei Freizeitaktivitäten auch dazu gehören.